Peter Henisch

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Aufforderung zum Widerspruch

"Siebeneinhalb Leben" von Peter Henisch

Seit mehr als vier Jahrzehnten, seit seinem autobiografischen Roman "Die kleine Figur meines Vaters", ist Peter Henisch eine fixe Größe in der österreichischen Literaturszene. Am kommenden Montag feiert er seinen 75. Geburtstag. Und drei Tage später wird Henisch zum Finale des Literaturfestivals O-Töne im Wiener Museumsquartier seinen neuen Roman "Siebeneinhalb Leben" präsentieren - eine Aufforderung zum kritischen Denken und zum Widerspruch.

Morgenjournal | 24 08 2018

Kristina Pfoser

Klima der Angst und Aggression

Die Waldheim-Affäre war gerade auf dem Höhepunkt, als anno 1988 "Steins Paranoia" erschien. Jetzt, genau 30 Jahre später, knüpft Peter Henisch an diesen, seinen Roman an.

"Ich habe leider den Eindruck, dass manches, was damals zur Zeit des unseligen Bundespräsidenten Waldheim hochgeköchelt ist, jetzt fast schon übergeht", meint Peter Henisch. "Wir haben ein Klima der Angst und der Aggression, die daraus resultiert, wir haben eine Regierung, die dieses Klima leider fördert und einen Bundeskanzler, der auf diesen Wellen surft."

Peter Henisch

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Ein infamer Satz, himmelschreiend und bodenlos

Ausgangspunkt von "Steins Paranoia" war ein antisemitischer "Satz, der unwidersprochen bleibt" und in dessen Folge das Leben von Max Stein komplett aus dem Ruder läuft. Heute, meint Peter Henisch, sind es nicht allein antisemitische, sondern generell menschenfeindliche Sätze, die nach Widerspruch verlangen, das sei auch die Aufgabe des Autors in Zeiten wie diesen.

Einige dieser Sätze haben Eingang in diesen Roman gefunden. Etwa: "Wir werden uns an hässliche Bilder gewöhnen müssen." - "Das ist einer der grässlichsten Sätze, die in den letzten paar Jahren gesprochen wurden", sagt Peter Henisch, "ein infamer Satz. Und ich komme auch gar nicht davon los, nicht nur in diesem Roman, auch Gedichten, die ich gerade schreibe. Und manchmal fehlen mir fast die Worte, da bleiben nur zwei übrig: himmelschreiend und bodenlos."

Literarischer Stuntman

In dem Roman "Siebeneinhalb Leben" verlangt Max Stein jedenfalls vom Autor Paul Spielmann, dem bekannten Alter Ego von Peter Henisch, eine revidierte Neuauflage von "Steins Paranoia". - Ein erfundener Protagonist als leibhaftige Erscheinung, ein Alter Ego als "literarischer Stuntman", eine Geschichte zwischen Realität und Fiktion - der Leser, die Leserin fühlt sich da mitunter wie in einem Spiegelkabinett.

"Ich schicke meinen literarischen Stuntman voraus", erklärt Peter Henisch. "Auch wenn er eine Kopfgeburt ist, so kann ich ihn mir doch sehr konkret vorstellen, Spielmann ist auch ein sprechender Name. Das Schreiben ist, auch wenn es sehr ernste Themen betrifft wie gerade jetzt, immer wieder ein Spiel und etwas, das Freude macht. Und hoffentlich auch das Lesen."

Ja, das tut es. Und auch das Wiederlesen. Zum 75. Geburtstag gibt es jetzt auch eine Neuauflage der beiden Henisch-Klassiker "Der Mai ist vorbei" und "Pepi Prohaska Prophet". Und demnächst kommt eine Sammlung seiner Gedichte und Songs heraus.

Service

Peter Henisch, "Siebeneinhalb Leben", Deuticke
"Der Mai ist vorbei" / "Pepi Prohaska Prophet", Deuticke
"Das ist mein Fenster - Fast alle Gedichte und Songs", Sonderzahl

Bei der Buchpräsentation am 30. August bei den O-Tönen im Wiener Museumsquartier wird Peter Henisch auch mit seiner Band musizieren (Hermann Posch, Gitarre, Franz Haselsteiner, Akkordeon, und Peter Strutzenberger, Bass)

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