Zerknüllte Tageszeitungen und Geldscheine

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

"Du kriegst Geld, also sei schön artig"

Die Familien Dichand und Fellner mit den Zeitungen "Krone", "Heute" und "Österreich" prägen die Beziehung von Politik und Medien. Die Politik füttert den Boulevard mit Inseraten - ein Wechselspiel aus Geben und Nehmen, das sowohl der Politik als auch der Branche schade, sagt Horst Pirker, Chef des größten Magazinverlags des Landes, im #doublecheck-Gespräch mit Stefan Kappacher.

Heute sei nicht mehr nachvollziehbar, welcher Satz zuerst da war, sagt Pirker: "Du kriegst viel Geld, also sei schön artig. Oder umgekehrt: Ich bin artig, aber dafür möchte ich möglichst viel Geld haben." Der Streit um die Gratisboxen in der Wiener U-Bahn habe dieses Sittenbild wieder einmal sichtbar gemacht. "Krone" und "Heute" - maßgeblich in der Hand der Familie Dichand - gegen den "oe24"-Herausgeber Wolfgang Fellner. Er ist der Herausforderer, der sich benachteiligt sieht.

Horst Pirker im Interview mit Stefan Kappacher

Der Verleger kommentiert selber

Für den lang erkämpften Vergleich zwischen Fellner und den Wiener Linien sollen Millionen Euro geflossen sein, dahinter wird Wiens Bürgermeister Michael Ludwig vermutet. Die "Krone" schäumt. Und nun beißt der Boulevard die Hand, die ihn immer gefüttert hat. "Dass im Kontext von dem Deal Millionen geflossen sind, halte ich für gesichert. Was ich nicht für gesichert halte, ist, dass der jetzige Bürgermeister eine aktive Rolle gespielt hat", sagt Pirker, Chef der VGN-Medienholding mit Blättern wie "News", "Profil" und "Woman". Für "News" hat Pirker selber in die Tasten gegriffen und den "Krieg am Boulevard“ kommentiert. Dass Ludwig jetzt Vergabekriterien für Inserate definieren will, findet Pirker gut.

"Öffentliche Inserate existenziell"

Für den Verleger steht fest, dass es "oe24" ohne Inserate nicht mehr gäbe und "Heute" wohl Verluste schreiben würde. Man braucht sich also gegenseitig. Dass sich an dem System fundamental etwas ändern wird, hält Pirker daher für unwahrscheinlich. Auch weil die Politik einen für sie wichtigen Hebel aus der Hand geben würde.

"Deswegen ist es in Österreich so, dass es 10 Millionen Euro Presseförderung gibt, die gesetzlich geregelt ist, wo der Politiker nicht drohen und belohnen kann, dass es aber 200 Millionen Euro öffentliche Mittel gibt, wo der Politiker belohnen und drohen kann", so Pirker. Seine VGN-Medienholding erhielt 2017 mit 6,5 Millionen Euro deutlich weniger aus dem gesamten öffentlichen Inseratentopf als die Boulevardblätter.

Wenn Linke die Rechten bedienen

"Der Boulevard ist immer rechts. Alles was ich dem Boulevard zuwende und an Rollen zuweise von Seiten der Politik, stärkt immer den rechten Flügel der Gesellschaftspolitik", so Pirker. In Wien ergebe sich daraus die paradoxe Situation, dass eine linke Stadtregierung, wie derzeit Rot-Grün, den Boulevard mit Inseratengeldern füttere - "obwohl sie damit ihre politischen Kontrahenten bedient", etwa mit dem Ausländerthema. Aber vielleicht habe Ludwig das ja erkannt, meint Pirker: "Je mehr er dem Boulevard zuschiebt, desto stärker werden seine Gegner sein."

Keine Bestandsgarantie für "News"

Zur Zukunft des eigenen Verlages und vor allem des Magazins "News" sagt Pirker: Man arbeite an Qualität und Wirtschaftlichkeit, aber eine Bestandsgarantie für das seinerzeit von Wolfgang Fellner gegründete Wochenmagazin könne es nicht geben.

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