Ein Mann beim Aufkleben des Messelogos

APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas

Leipziger Buchmesse - Gastland Tschechien

Mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises für europäische Verständigung an die russisch-US-amerikanische Autorin Masha Gessen wird Mittwochabend die Leipziger Buchmesse eröffnet. Mehr als 2.500 Aussteller aus rund 50 Ländern werden bis Sonntag ihre Neuerscheinungen präsentieren. Gastland ist heuer Tschechien.

Mit viel Schwung und 55 Autorinnen und Autoren will Tschechien als Gastland der Leipziger Buchmesse den deutschsprachigen Markt erobern. Der Projektleiter des Gastauftritts, Tomas Kubicek nimmt es sportlich: "Jachym Topol oder Jaroslav Rudis könnten unsere Pferde sein, mit denen wir in die Weltliteratur einreiten werden".

Jaroslav Rudis, der mit seinem neuen Roman "Winterbergs letzte Reise" auch für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist und sein international bereits renommierter Kollege Jachym Topol sind aber nicht die einzigen Zugpferde. Auch der 90-jährige Pavel Kohout, Wortführer des Prager Frühlings und Mitverfasser der Charta 77 wird ein neues Buch präsentieren: "Aus den Tagebüchern eines Europäers".

Starke junge Autorinnen

Vor allem aber wird eine starke junge Generation in Leipzig antreten, Autorinnen und Autoren, die sich auch an Tabus wagen, wie etwa Katerina Tuckova, die die Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zum Thema eines Romans gemacht hat.

"Über dieses Kapitel der deutsch-tschechischen Geschichte gab es ein großes Schweigen", sagt die 38-Jährige. "Auch im Schulunterricht wurde das ganz gezielt ausgespart, geht es doch um die Frage nach kollektiver und persönlicher Schuld. Die Reaktionen auf mein Buch waren zunächst auch alles andere als positiv, vor allem die ältere Generation wollte das alles nicht hören."

Politische Tabuthemen

Der Roman "Gerta - Das deutsche Mädchen" wurde aber zum Bestseller, und die Menschen mussten sich zwangsläufig mit der Vergangenheit ihres Landes beschäftigen, ergänzt der Programmkoordinator des Gastlandes Tschechien Martin Krafl. "Es sind vor allem die Autorinnen, die Frauen, die es schaffen, über diese Themen zu schreiben", weiß er. "Das war vor 1989 noch anderes. Da haben in der literarischen Szene eindeutig die Männer dominiert. In Leipzig können wir beweisen, dass unsere Autorinnen viel zu sagen haben."

The Years of Change

Die Leipziger Buchmesse ist traditionell Bühne für politische Themen - heuer etwa auch mit einer neuen Diskussionsreihe: Unter dem Titel "The Years of Change 1989-1991" will man die gesellschaftlichen Umbrüche im Ostblock vor 30 Jahren und ihre Folgen beleuchten. Und einen Hauch von Glamour gibt es bereits am ersten Messetag, wenn der Preis der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung verliehen wird, dotiert mit insgesamt 60.000 Euro.

Service

  • Leipziger Buchmesse
  • Radka Denemarkova, "Ein Beitrag zur Geschichte der Freude", Roman, aus dem Tschechischen von Eva Profousova, Hoffmann & Campe. Originaltitel: "Příspěvek k dějinám radosti"
  • Jaroslav Rudis, "Winterbergs letzte Reise", Roman, Luchterhand
  • Katerina Tuckova: "Gerta - Das deutsche Mädchen", aus dem Tschechischen von Iris Milde, Klak Verlag. Originaltitel: "Vyhnání Gerty Schnirch"

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