Bücherstapel

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Sachbücher und Themen

Von den Krisenherden dieser Welt über Entdeckungen der Neurowissenschaften bis zu den schönen Künsten. "Kontext" bietet Orientierungsservice im Sachbuch-Dschungel. Reportagen, Diskussionen, Rezensionen, Studiogespräche, Hintergrundberichte zu spannenden Büchern über Zeitgeschichte, Wirtschaft und Wissenschaft. Und ab und zu darf auch gelacht werden.

S. Grasl-Akkilic u.a.: "Aspekte der österreichischen Migrationsgeschichte"

Oft wird versucht, Migration als neues Phänomen zu verkaufen, dem man strikt entgegentreten müsse. Dabei haben seit jeher Menschen ihren Geburtsort verlassen, um anderswo ein besseres Leben zu führen. Die Romane Karl Mays waren auch deswegen so erfolgreich, weil die daheimgebliebenen Deutschen wissen wollten, wie die vielen Auswanderer in diesem Amerika so leben. Aber auch innerhalb Europas wechselten Menschen oft ihren Wohnort, wenn es daheim nichts zu essen gab oder Kriege tobten. Welche Chancen und Konflikte durch Migration entstehen, das beleuchtet dieser Sammelband, der sich dezidiert der reichen österreichischen Migrationsgeschichte widmet. Von der Binnenmigration während der Habsburger-Monarchie, der Flucht vor dem NS-Regime, der Arbeitsmigration während in den 1960er Jahren bis zu den aktuellen Entwicklungen reichen die Themen.

Senol Grasl-Akkilic, Marus Schober und Regina Wonisch (Herausgeber), "Aspekte der österreichischen Migrationsgeschichte", edition atelier

Madeleine Amberger

Karl Schlögel: "Das russische Berlin“

Seit fünf Jahrzehnten beschäftigt sich Karl Schlögel mit Geschichte und Kultur der Sowjetunion und Russlands. 1998 veröffentlichte er erstmals das Werk "Das russische Berlin", das sich vor allem mit der Zeit der russischen Revolution von 1917 und danach befasste. Angesichts der politischen und sozialen Entwicklungen der vergangenen Jahre und wohl auch der medialen Aufmerksamkeit um die Fernsehserie "Babylon Berlin" hat Karl Schlögel dieses Buch nun in einer erweiterten und aktualisierten Fassung herausgebracht. Das heutige russische Berlin, das sich seit dem Fall der Mauer vor 30 Jahren und der Auflösung der Sowjetunion 1991 herausgebildet hat, ist mit dem der 1920er Jahre nicht vergleichbar, warnt Karl Schlögel. Das heutige russische Berlin steht nicht für Exil, Bruch mit der Heimat, sondern eher für Immigration, für eine Art Zweitwohnsitz. Wie in anderen Werken auch spürt Karl Schlögel der großen Geschichte im Kleinen nach. Ihn interessiert, wie die gesellschaftspolitischen Veränderungen sich topographisch auswirken - in der urbanen kommerziellen, kulturellen und sozialen Infrastruktur, in neuen Netzwerken sowie im Leben einzelner Personen und Gruppen. Der russischsprachige Mikrokosmos ist inzwischen so vielfältig und umfassend, dass man darin gut leben kann und ihn gar nie verlassen muss, wenn man es nicht will.

Karl Schlögel, "Das russische Berlin“, erweiterte Neufassung, Suhrkamp Verlag

Brigitte Voykowitsch

Gerhard Staguhn: "Und ewig lockt das Haar"

Das Haar des Mannes ist einfach - Haar. Schön, wenn es da ist, aber so wirklich interessiert sich niemand dafür. Das Haar der Frau aber ist ungemein wichtig, verkörpert es doch die weibliche Erosmacht schlechthin. Die weibliche Haarpracht steht für die Sinnlichkeit und die Fülle des Daseins. Im Idealfall ist es blond, weil das die Männer an Gold erinnert und auch weil es weniger bedrohlich wirkt als schwarzes Haar. Böse Frauen sind nie blond, zumindest nicht im Hollywood-Film. Mit dem Restfell des Menschen hat sich der Germanist und Religionswissenschaftler Gerhard Staguhn intensiv auseinandergesetzt. So führt er den Kampf des Islam gegen das Frauenhaar auf eine unantastbare rabbibinische Weisheit des frühen Judentums zurück, wonach bei der Frau alle Haare Schamhaare sind. Die Frau wird mit dieser zwanghaften patriarchalischen Konstruktion, schreibt der Autor, zugleich auf ihre Sexualität reduziert. Gerhard Staguhn geht es in diesem Buch weniger um Frisuren im Wandel der Zeit, obwohl er auch diese behandelt, sondern mehr um die Mythen, die sich um das Haar ranken.

Gerhard Staguhn, "Und ewig lockt das Haar", zu Klampen Verlag

"Kontext"-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Simone Paganini: "Fake News in der Bibel"

Fake News, also manipulativ veränderte, absichtlich falsche Nachrichten gibt es nicht erst seit Donald Trump & Co. Schon lange vor dem postfaktischen Zeitalter wurden bewusst Falschmeldungen und erfundene Geschichten lanciert. Immer öfter befassen sich auch Sachbuchautoren mit diesem brisanten Thema. Der in Deutschland lehrende italienische Theologe Simone Paganini hat sich der "Fake News in der Bibel" angenommen. Mit profunden Recherchen in der Sprach- und Literaturwissenschaft, Archäologie und Bibelwissenschaft erklärt er erfundene Gegenstände, Orte, Tiere, Handlungen und Personen der Bibel. So erfährt man auch, dass sie nichts über das Mordwerkzeug Kains aussagt; dass die Erzählung der Arche Noah von alten Schriften der Assyrer übernommen wurde; oder dass Moses Teilung des Roten Meeres tatsächlich nur die Teilung eines nicht näher benannten "Schilfgewässers" war. Ein Übersetzungsfehler. Auch wenn er viele "Fakes" auf vergnügliche, aber niemals leichtfertige Weise entlarvt, legt der Theologe Wert darauf, die Texte der Bibel deswegen keinesfalls schlecht machen zu wollen, denn "dabei kommen auch ihr Reichtum und ihre Schönheit zum Vorschein, was wohl der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass diese Texte - Fakes hin oder her – auch heute noch gelesen und als Inspiration wahrgenommen werden".

Simone Paganini, "Von Evas Apfel bis Noahs Stechmücken - Fake News in der Bibel", Herder Verlag

Ivo Kaufmann

Felix Hütten: "Sterben lernen"

Es ist ein schwieriges Thema, das der junge deutsche Wissenschaftsjournalist Felix Hütten für sein Buch "Sterben lernen" gewählt hat. Der 32-Jährige nähert sich dem Thema Tod und Sterben allerdings in unkonventionellem, leichtfüßigem Stil. Felix Hütten hat sein Buch seinem Vater gewidmet, der wenige Tage vor Abgabe des Manuskripts gestorben ist, wie der Autor in einer Danksagung am Ende des Buches erklärt. Insgesamt geht es Hütten darum, den Tod vom Nimbus des Abstoßend-Schrecklichen zu befreien, der ihm auch in angeblich aufgeklärten Zeiten wie den unseren immer noch anhaftet. Eine angenehme Lektion wird es nie sein, die einem da erteilt wird. Wahrscheinlich ist es fraglich, ob man die Kunst des würdigen Abgangs im Vorhinein überhaupt je erlernen kann. Aber wenn man es kann, wenn so etwas wie eine Vorbereitung auf den Tod möglich ist, dann ist Felix Hüttens Buch eine ebenso nützliche wie wertvolle Anleitung dazu.

Felix Hütten: "Sterben lernen. Das Buch für den Abschied", Hanser Verlag

Günter Kaindlstorfer

Carolin Emcke: "Ja heißt ja und ..."

Eigentlich wollte sich Carolin Emcke gar nicht zur #MeToo-Debatte äußern. Als der metoo Hashtag vor knapp zwei Jahren um die Welt ging, meldeten sich so viele zu Wort, dass die bisher größte öffentliche Diskussion um sexualisierte Gewalt, Macht und Geschlechterrollen entstand. Für die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels ist zu diesem Thema aber längst noch nicht alles gesagt. Viele Fragen sind für die renommierte Autorin noch unbeantwortet. Voriges Jahr formulierte Carolin Emcke ihre Zweifel und Ideen zur MeToo- Debatte in einem Monolog, zu dem auch Musik und Videos gehören. Mitte Dezember war Premiere an der Berliner Schaubühne, fünf Monate später erscheint nun das passende Buch. Die studierte Philosophin kombiniert ihre gesellschaftliche Analyse mit eigenen Erfahrungen und sozialen Gewohnheiten. Sie lässt ihre eigenen Empfindungen einfließen, was das erfreulich unaufgeregte Büchlein "Ja heißt Ja und…" sehr menschlich macht. Carolin Emcke erzählt, wie sie als junge Journalistin vom Herausgeber gelobt wurde. Der Ressortleiter versprach ihr anschließend, sie zu begleiten, falls der Verleger sie nach Hause einladen würde. Es gab zwar keine Einladung, aber offenbar wusste die überwiegend männlich besetzte Redaktion von solchen Übergriffen, ohne es dezidiert anzusprechen. Genau diese Leerstellen versucht Carolin Emcke aufzuspüren, wahrzunehmen und bewusst zu machen. Dass es eben nicht normal ist, wenn Harvey Weinstein oder Dieter Wedel zu Meetings im Hotelzimmer ihren Bademantel tragen. Dass Frauen keineswegs naiv sind, wenn sie darauf im beruflichen Kontext nicht vorbereitet sind. Carolin Emcke formuliert unaufgeregt und sehr präzise, was oft ungesagt bleibt. Sie beschäftigt sich mit häuslicher Gewalt und mit der eigenen Sprachlosigkeit als wortgewaltige Philosophin. Carolin Emcke zeigt nicht nur, wie kompliziert das Verhältnis von Sexualität und Wahrheit immer noch ist. Sie zeigt auch, dass Gewalt nur dann unantastbar ist, wenn sie nicht laut beim Namen genannt wird.

Carolin Emcke: "Ja heißt ja und…" , S. Fischer Verlag

Maicke Mackerodt

Mark Pieth: "Goldwäsche"

Die Schweiz ist weltberühmt für ihre schönen Landschaften, für ihren Käse und die Schokolade. Und für ihr vertrauliches Finanzwesen. Und es ist eine Weltmacht im Goldhandel und insbesondere in der Goldraffinerie. 70 Prozent der jährlichen Weltgoldproduktion importiert die Schweiz, um es raffiniert und poliert wieder zu exportieren. An diesem Gold haftet allerdings viel Blut. Wie übel es um die Goldproduktion bestellt ist, recherchierte der auf Geldwäsche und Korruption spezialisierte Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth. Er setzt sich für verbindliche Standards in der Goldproduktion und Goldverarbeitung ein und hofft mit seinem Buch "Goldwäsche" ein Bewusstsein zu schaffen für die Zustände in dieser hochprofitablen Branche. Das erste Kapitel Ihres Buchs ist dem dreckigsten Ort der Welt gewidmet, der peruanischen Goldmine La Rinconada, unweit des Titicacasees, auf über 5.000 Metern Seehöhe. Auf 60.000 Menschen kommen in la Rinconada gerade einmal 10 Polizisten, die Mordrate ist erschreckend hoch, immer wieder kommt es zu Lynchjustiz, und Zwangsprostitution ist an der Tagesordnung. Mark Pieth hat diesen Ort selbst besucht, im Buch finden auch auch viele Fotos des Autors. In vielen Minen erhalten die Mineure keinen Lohn und sind auch nicht kranken- oder unfallversichert. Sie arbeiten 28 Tage für die Mine, und dann zwei Tage für sich, an denen sie so viel Material aus der Mine mitnehmen dürfen, wie sie tragen können. Und das aus freiem Willen, in La Rinconada haben sich die Mineure sogar gegen die Einführung eines Sozialversicherungsobligatoriums zur Wehr gesetzt. Nun gibt es Bemühungen, die Goldproduktion und die Goldverarbeitung sauberer zu machen, allerdings sind die meisten Standards freiwillig und die Umsetzung ist, so schreibt der Autor, wenig konsequent. Er plädiert mit Nachdruck für eine Regulierung, die auch kontrolliert wird.

Mark Pieth, "Goldwäsche. Die schmutzigen Geheimnisse des Goldhandels", Verlag Elster und Salis

"Kontext"-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Blick auf die Stadt La Rinconada

Der Goldgräberort La Rinconada ist die höchstgelegenste Stadt der Welt - und auch die schmutzigste.

APA/AFP/INSERM/Axel PITTET

Susanne Thiele: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke"

Wir leben eng mit ihnen zusammen, aber wir bemerken sie kaum. Und wenn wir an sie denken, dann ist das meist mit Ekel verbunden. Dabei sind wir ständig umgeben von Milliarden Bakterien, Viren, Pilzen & Co. Also ist es ist höchste Zeit, zu untersuchen, welchen Nutzen und Schaden sie für uns haben. Die deutsche Mikrobiologin Susanne Thiele beruhigt erst einmal: Nur die allerwenigsten im Haushalt vorkommenden Keime führen zu Infektionen, denn nur 0,1 Prozent aller Mikrobenarten auf der Erde können überhaupt Ansteckungen beim Menschen verursachen. Einzeller sind uns deshalb so unheimlich, weil sie so klein sind. Ihre Entdeckung ist noch gar nicht so lange her und einem Zufall geschuldet. 1676 schaute der niederländische Tuchhändler Anthoni van Leeuwenhoek durch seine selbst gebastelte Linsenkonstruktion, um die Qualität seiner Stoffe zu kontrollieren. Was er sah, war eine gänzlich unglaubliche Welt im Kleinen. Mikroorganismen sind zwar winzig, aber dafür überaus zahlreich. Allein die geschätzte Anzahl der Bakterien auf der ganzen Erde beträgt eine Nonmillion, das ist eine 10 gefolgt von 30 Nullen - mehr, als es Sterne in der Galaxie gibt. Die Mikrobiologin weiß, warum zu viel Sauberkeit schadet und ab wann man dann doch beherzt eingreifen sollte: Salmonellen auf der Küchen-Arbeitsplatte; über 20.000 Bakterien pro Quadratzentimeter auf Spülschwämmen; kälteresistente Keime in der Tiefkühltruhe; Grippeviren auf der Fernbedienung; das Hausstaubmilben-Paradies Teppich; die Schimmelpilzfalle Pflanzenerde oder die allnächtliche Mikroben-Party im Schlafzimmer - um unseren Alltag mit den kleinen Untermietern auf den Grund zu gehen, arbeitet sie sich von Zimmer zu Zimmer vor und erklärt anschaulich welche Mitbewohner dort bevorzugt leben und wie man sie sinnvoll in Zaum halten kann. Schließlich rät sie ihren Lesern, zum Freund der Mikroben zu werden, einen vernünftigen Umgang mit ihnen zu pflegen und sich vor den wenigen "schwarzen Schafen" zu schützen. Das Buch eignet sich hervorragend, die unsichtbare Welt zu verstehen, zu respektieren und zu akzeptieren und offeriert handfeste Tipps für den Alltag. Unsere winzigen Begleiter bringen schließlich wesentlich mehr Vor- als Nachteile mit sich.

Susanne Thiele: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke", Heyne Verlag

Ivo Kaufmann

Patrick Deneen: "Warum der Liberalismus gescheitert ist"

Zunehmende soziale Ungleichheit, eine gefährdete Umwelt, sinkende Lebensstandards, mehr Einsamkeit, mehr Polarisierung in der Politik. All dies ist laut Patrick Deneen dem Liberalismus zuzuschreiben. Dieser sei gescheitert, so die Kernthese des an der katholischen University of Notre Dame in den USA lehrenden Politologen, gerade weil er 1989 gesiegt hatte. Je erfolgreicher der Liberalismus wurde, desto stärker hat er seine Selbstwidersprüche offenbart. So lässt sich etwa die Atomisierung der Gesellschaft, die den Menschen aus seinen traditionellen Bindungen herauslöst, durch weitere Deregulierung nicht aufhalten. Daher stehen wir laut Patrick Deneen heute vor einer paradoxen Situation: Die Bürger der digitalmodernen Demokratien dürfen sich freier denn je fühlen und erleben sich zugleich als machtlos. Der Liberalismus bedürfe tiefgehender Reformen. Die Frustration so vieler Menschen könnte der Motor sein, der politische Veränderungen vorantreibt. Denn Bindungslosigkeit könne nicht der Sinn des Lebens sein. Vielmehr gilt es die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Bindungen und Gemeinschaft und somit ein erfülltes Leben ermöglichen.

Patrick Deneen: "Warum der Liberalismus gescheitert ist", Verlag Müry Salzmann (Übersetzung: Britta Schröder)

Günter Kaindlstorfer

Daniel Siemens: "Sturmabteilung. Die Geschichte der SA“

Lange galten die SA 'Braunhemden' nur als die Männer fürs Grobe: nationalsozialistische Hooligans, betrunkene Raufbolde und deklassierte Frontkämpfer mit Revanchebedürfnis, die keinen Weg zurück in die bürgerliche Gesellschaft fanden und sich daher innerhalb eines paramilitärischen Kampfverbandes eigene Parallelstrukturen aufbauten. Ihre meist jugendlichen Mitglieder standen im Ruf ungebildeter Haudegen, die nur die Sprache der Einschüchterung und Gewalt kannten. Sobald die SA nach der Machtergreifung Hitlers zu einer Massenorganisation angewachsen war, wurde sie geköpft, ihre Führungsriege im Röhm-Putsch 1934 unter der Anschuldigung, es handle sich um eine homosexuelle Verschwörung, vernichtet. Danach soll die SA in die Bedeutungslosigkeit verschwunden sein, somit wurde ihr Wirken danach auch verharmlost. Dieses unvollständige Bild von der SA versucht der in England lehrende deutsche Historiker Daniel Siemens nun zu korrigieren. So kam der SA eine ganz wesentliche Rolle bei der Brutalisierung der deutschen Gesellschaft zu, sie trug ganz wesentlich zur Desensibilisierung der Toleranzschwelle für nationalsozialistische Gewalt bei, indem sie ihre Gewaltaktionen geschickt mit dem ideologischen Gesamtmythos einer von Kommunisten und Juden bedrohten, aber zur Tat schreitenden Gemeinschaft verband. Obwohl die SA nach dem Röhm-Putsch von 1934 von politischen Entscheidungsprozessen auf höchster Ebene ausgeschlossen blieb, verließ sich das Regime auch weiterhin auf ihre Dienste: in den eroberten osteuropäischen Gebieten agierten SA.-Männer als Sicherheitsdienstleister wie auch als 'Wehrbauern', als Schulungs- und Hilfspersonal, gelegentlich sogar als Diplomaten. In allen Rollen kamen ihnen Funktionen im Holocaust zu. Vor allem aber wurden viele SA-Angehörige zu Kriegsbeginn in die Wehrmacht übernommen und trugen dort zur Brutalisierung des Militärs bei.

Daniel Siemens: "Sturmabteilung. Die Geschichte der SA", Siedler Verlag

Irene Etzersdorfer

Michaela Brohm-Badry: "Das gute Glück"

Es war wie ein Schuss ins Gehirn. Rückwärtstaumeln, Zusammensacken im Sessel. Der Hund schleudert immer wieder einen Arm hoch und verhindert so, dass Michaela Brohm-Badry ins Koma fällt. Sie ist Motivationsforscherin und Expertin für Positive Psychologie. An dem Tag, an dem ein Aneurysma platzte und eine Gehirnblutung verursachte, hatte sie das Manuskript zu einem Fachbuch abgeschlossen. Wie man sich nach so einem Schicksalsschlag wieder motivieren kann, erfuhr sie nun am eigenen Leib. Ihre Geschichte hat sie nun eingebettet in ein Buch über den aktuellen Stand der Hirnforschung in Bezug auf Motivation und Lernen. Glück beschreibt sie als erlenbare Fähigkeit.

Michaela Brohm-Badry: "Das gute Glück - Wie wir es finden und behalten können", ecowin Verlag

Wolfgang Ritschl

Christoph Wagner: "Jodelmania"

Wie das Jodeln entstanden ist, ist ungewiss, den Vermutungen nach soll es vom Jauchzen, Kuhreihen, Viehlockruf, Rufen der Holzfäller und Salzflößer, vom Echo, von der Imitation von Blasinstrumenten oder von schamanischen Praktiken abgeleitet sein. Im Heimatfilm der 50er Jahre wurde viel gejodelt. Von diesem Imageschaden hat es sich lange nicht erholt. Heute wird das Jodeln wieder neutraler gesehen. Wer in den Alpen Urlaub macht, dem wird auch schon mal ein Jodelkurs angeboten. Mit der internationalen Verbreitung des Jodelns hat sich der Musikjournalist Christoph Wagner beschäftigt, denn mit am schönsten gejodelt wurde in den 1930er und’40er Jahren in den USA, wie etwa die „DeZurik Sisters“ beweisen. Er hat eine Fülle von Material zusammengetragen, die zeigt, woher dieses „unartikulierte Singen aus der Gurgel“, wie Jodeln auch bezeichnet wird, kam und wohin es gelangte, wie populär es war und wie originell es sein kann: kuriose, abenteuerliche und auch unvollendete Geschichten vom Jodeln und von Jodlern, ihren Karrieren, ihrer Musik und ihrer Zeit.

Christoph Wagner: "Jodelmania. Von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus", Verlag Antje Kunstmann

Ivo Kaufmann

Miriam Gebhardt: "Wir Kinder der Gewalt"

Kontext-Rezension von Wolfgang Seibel

James C. Scott: "Die Mühlen der Zivilisation"

Kontext-Rezension von Erich Klein

Kersten Knipp: "Die Kommune der Faschisten"

Kontext-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

A. Wulf, L. Melcher: "Die Abenteuer des Alexander von Humboldt"

Kontext-Rezension von Birgit Dalheimer

Susanne Koelbl: "Zwölf Wochen in Riad"

Kontext-Rezension von Wolfgang Seibel

Boris Johnson: "Der Churchill-Faktor"

Kontext-Rezension von Uli Jürgens

Hauke Friedrichs: "Funkenflug"

Kontext-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Christopher Kemp: "Die verlorenen Arten"

Kontext-Rezension von Ivo Kaufmann

Jessica Bruder: "Nomaden der Arbeit"

Kontext-Rezension von Madeleine Amberger

Ines Geipel: "Umkämpfte Zone"

Kontext-Rezension von Andrea Roedig

Niklas Perzi u.a.: "Nachbarn"

Kontext-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Peter Köhler: "Leonardos Fahrrad"

Kontext-Rezension von Ivo Kaufmann

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