Bücherstapel

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Sachbücher und Themen

Von den Krisenherden dieser Welt über Entdeckungen der Neurowissenschaften bis zu den schönen Künsten. "Kontext" bietet Orientierungsservice im Sachbuch-Dschungel. Reportagen, Diskussionen, Rezensionen, Studiogespräche, Hintergrundberichte zu spannenden Büchern über Zeitgeschichte, Wirtschaft und Wissenschaft. Und ab und zu darf auch gelacht werden.

Michael Kopatz: "Schluss mit der Ökomoral"

Nüchterne Informationen und wohlmeinende Vernunftappelle ändern in der Regel nicht unsere Gewohnheiten bzw. "Routinen", auch wenn uns bewusst ist, dass diese unsinnig oder schlecht sind. Der Soziologe und Umweltwissenschaftler Michael Kopatz spricht von "gelebter Schizophrenie": Man fährt mit dem Auto in den Urlaub, will aber dann im Hotel kein Zimmer zur Straße. Man liebt sein Haustier - und protestiert nicht gegen industrielle Tierhaltung. Man leistet sich einen teuren Grill - und spart bei den Würstchen. Moralische Appelle machen nur schlechte Stimmung, ändern aber nicht unsere Routinen. Für letzteres braucht es Zeit, das unermüdliche Engagement der Bürger und eine mutige Politik, die sich nicht von Lobbyisten gängeln lässt. In Ruanda zum Beispiel sind seit über zehn Jahren Plastiktüten tabu. Wer solche herstellt, verkauft oder importiert, dem drohen hohe Geldstrafen und sogar Gefängnis.

Michael Kopatz, "Schluss mit der Ökomoral - Wie wir die Welt retten, ohne ständig daran zu denken", oekom Verlag

Wolfgang Seibel

Caroline Criado-Perez: "Unsichtbare Frauen"

Spracherkennungssoftware, Medikamente und Autos gehen alle Menschen etwas an, designt wurden und werden diese aber für den Durchschnittsmann - das gilt auch für Weltraumanzüge, Toiletten und Klaviertastaturen. Auf rund 400 kurzweilig geschrieben Seiten und anhand zahlreicher Beispiele zeigt Caroline Criado Perez, dass unsere Welt im Grunde für Männer gebaut ist und dass der Durchschnittsmann als Norm für alle gilt, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung weiblich ist. Sie beschreibt, warum das nicht nur ungerecht, sondern mitunter auch lebensgefährlich ist. Denn Frauen seien einfach keine kleinen Männer. Forschungen aus Großbritannien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Fehldiagnosen nach Herzinfarkten bei Frauen um 50 höher ist als bei Männern. Der Grund dafür ist, dass Herzkrankheiten jahrhundertelang als Männerkrankheit beforscht wurden und für Männer typische Symptome allgemeingültig wurden. Frauen klagen aber in der Regel nicht, wie für Männer typisch, über Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen, sondern spüren den Infarkt mitunter im Kiefer, im Rücken oder es wird ihnen übel. Jahrhunderte lang wurden Krankheiten, Symptome und Therapieansätze nur an Männern beforscht.

Caroline Criado-Perez, "Unsichtbare Frauen - Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert", übersetzt von Stephanie Singh, btb Verlag

Ruth Huthsteiner

Pörksen/Schulz von Thun: "Die Kunst des Miteinander-Redens"

Hass und Hetze, Gerüchte und Falschmeldungen verbreiten sich rasend schnell. Lassen sich immer mehr Menschen von Trollarmeen im Dienste von Populisten manipulieren? Andere als ferngesteuerte Idioten, die jedem Blödsinn aufsitzen, abzuwerten, erzeugt weitere Ressentiments und lässt den Konflikt garantiert eskalieren. Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen sind überzeugt davon, dass man trotz deutlich unterschiedlicher Standpunkte miteinander reden kann - wenn man dem Gegenüber ein Minimum an Wertschätzung entgegenbringt. Einem Anhänger von Verschwörungstheorien kann man etwa zugestehen, kritisch zu sein und nicht alles zu glauben, bevor man den vorgebrachten Argumenten inhaltlich entgegentritt. Detailliert erörtern die Autoren anhand von zahlreichen Beispielen, wo dabei die Fallen lauern, vor allem im öffentlichen Diskurs. Wenn man miteinander redet, wird nicht automatisch alles besser, aber einen Versuch ist es für die Autoren wert.

Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun, "Die Kunst des Miteinander-Redens - Über den Dialog in Gesellschaft und Politik", Hanser Verlag

"Kontext"-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Stefan A. Sengl: "Das politische ABC der USA"

Das politische System der USA ist für Europäer schwer zu durchschauen, funktioniert es in vielen Bereichen doch ganz anders als in Europa. Es gibt nur zwei relevante Parteien, die ihre Kandidaten zudem im Rahmen von Vorwahlen küren, und die Abstimmung zwischen Kongress und Senat muss man auch erst einmal durchschauen. Stefan A. Sengl verfolgt die US-Politik schon seit langem, nun hat er versucht, für Einsteiger das Wichtigste in einem 168 Seiten umfassenden Politischen ABC der USA zusammenzufassen.

Stefan A. Sengl, "Das politische ABC der USA", Czernin Verlag

Peter Zimmermann

Pinguine springen von einem Eiblock ins Wasser

APA/AFP/Louisiana State University/Stony Brook

Charles Eisenstein: "Klima"

Charles Eisenstein hat Philosophie und Mathematik an der Yale-University studiert. Im Wissenschaftsbetrieb hat er es nicht lange ausgehalten, er stieg aus und lebte lange Zeit in Taiwan als Dolmetscher. Heute gilt er als einer der wichtigsten Vordenker für eine ökologische, vom Geld unabhängigere Lebensweise. Neue Formen der Energiegewinnung oder des Konsums einzuführen, um eine "nachhaltige Entwicklung" zu ermöglichen, reicht für ihn nicht aus. Er plädiert für ein ganzheitliches Fühlen und Handeln, das die Verbundenheit aller Menschen, aber auch die Verbundenheit von Mensch und Natur ins Zentrum stellt. Das Miteinander auf dem Planeten Erde beschreibt er mit einem aus dem Buddhismus stammenden Begriff als "Interbeing". Wie eng alles miteinander verwoben, verschränkt und verbunden ist, zeigt der Autor an vielen Beispielen. Besonders ausführlich befasst er sich mit den Wäldern. Denn Bäume spielen bei der Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts eine Schlüsselrolle. Wie wichtig etwa ihr kühlender Effekt ist, haben auch Städteplaner mittlerweile erkannt.

Charles Eisenstein, "Klima - Eine neue Perspektive", Europa Verlag

Madeleine Amberger

Antje Joel: "Prügel"

Gewalt gegen Frauen ist in Europa nach wie vor ein weit verbreitetes Phänomen: Ab dem Alter von 15 ist jede fünfte Frau körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt, oft auch beidem. Im vergangenen Jahr wurden 34 Frauen in Österreich ermordet - meist von ihren Partnern oder Expartnern. Die deutsche Journalistin Antje Joel hat das Tabu der "häuslichen Gewalt" nun anhand ihrer eigenen Geschichte aufgearbeitet. In ihrem Buch schreibt sie offen über zwei Ehen, in denen sie Gewalt erlebt hat. Und sie analysiert die Mechanismen, die hinter der Gewalt stehen, und die Vorurteile, mit denen die Opfer zu kämpfen haben. So ist häusliche Gewalt ist ein missverständlicher Begriff: Viele Frauen werden von ihren Expartnern verfolgt, gestalkt, geschlagen und manchmal auch ermordet. Einfach nur den gemeinsamen Haushalt zu verlassen, reiche selten aus, um der Gewalt zu entkommen, schreibt Antje Joel. Ohne es direkt einzufordern, ist ihr Buch ein Plädoyer dafür, sich für betroffene Frauen einzusetzen und sich lieber zu oft als zu selten einzumischen. Und es ist ein Appell an die gesamte Gesellschaft, Vorurteile zu überdenken und mediale Darstellungen von häuslicher Gewalt zu hinterfragen.

Antje Joel, "Prügel - Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt", Rowohlt

Marlene Nowotny

Philipp Staab: "Digitaler Kapitalismus"

Noch vor 20 Jahren beherrschte Industriekonglomerate, Energiekonzerne und Banken die Rangliste der wertvollsten Unternehmen, heute dominieren diese Liste Internetgiganten wie Google, Apple, Amazon oder Tencent. Damit einher geht ein grundlegender Wechsel in unserem Wirtschaftssystem. Kam es früher darauf an, Dinge herzustellen und diese mit Gewinn zu verkaufen, ist nunmehr das Eigentum an den Märkten das Ziel. Apples App-Store wäre das Paradebeispiel dafür, wie mit unknappen Gütern, beliebig vervielfältigbarer Software oder mp3-Dateien, monopolartige Märkte errichtet und kontrolliert werden. Proprietäre Märkte schwächen die Staaten und verschärfen gesellschaftliche Ungleichheit. Der Soziologe Philipp Staab beschreibt aber nicht nur diesen Veränderungsprozess, er zeigt auch Wege auf zu einer guten digitalen Gesellschaft.

Philipp Staab, "Digitaler Kapitalismus" - Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit, Suhrkamp

"Kontext"-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

A. Lubkowitz, F. Witzel: "Psychogeografie“

Man spaziert gelassen durch die Stadt und denkt wahrscheinlich nicht daran, dass es berühmte Flaneure wie den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire gegeben hat, die das Flanieren zur Kunstform erhoben haben. Auch die Surrealisten streiften durch das nächtliche Paris, um so das andere Gesicht der Stadt zu erkunden. Und in den 1960er Jahren war es dann die Künstlergruppe der "Situationisten", die in Paris und in anderen Großstädten das urbane Umherstreifen zu einem Kunsterlebnis erhob. Als umherschweifender Psychogeograf geht man bei seinen Experimenten eigenwillige Wege. Der britische Schriftsteller Will Self hat das Flanieren extrem erweitert. Er geht 100 Kilometer ins Umland von London. "In der Mitte des Lebens will ich nicht mehr wissen, wohin ich gehe - nur, wo ich all die Jahre gewesen bin." Die Künstlergruppe "Wrights & Sites" etwa empfiehlt einen Stadtplan von Moskau über den der eigenen Stadt zu legen und dann zu schauen, wo da der Kreml wäre. Anneke Lubkowitz hat vielfältige Anleitungen zur Erkundung verborgener Logiken einer Stadt zusammengetragen.

Anneke Lubkowitz, Frank Witzel, "Psychogeografie“, Matthes und Seitz

Andreas Puff-Trojan

Baumkrone

Finanzbuch Verlag

Roger Scuton: "Von der Idee, konservativ zu sein."

"Konservativismus beginnt mit einem Gefühl, das alle reifen Menschen bereitwillig teilen: das Gefühl, dass das, was gut ist, leicht zu zerstören, aber nur schwer zu erschaffen ist." -- Dieser Satz stammt vom englischen Philosophen und Kulturkritiker Roger Scruton, der vor zwei Wochen im 76. Lebensjahr verstorben ist. Im angloamerikanischen Raum, aber auch in den Ländern Osteuropas, gilt Roger Scruton als herausragender Vertreter des konservativen Denkens. Dass Länder wie Tschechien, Polen oder Ungarn heute politisch so ticken wie sie ticken, das hat mit der traumatischen Erfahrung des Kommunismus, ein bisschen aber auch mit dem jahrzehntelangen Einfluss von Roger Scruton auf die dortigen politischen und intellektuellen Führungsschichten zu tun. Zugleich beginnt sich aktuell im angloamerikanischen Raum, aber auch in unseren Breiten die politische Ausrichtung konservativer Parteien zu wandeln: Weg von einem reinen Fokus auf Markt und Wirtschaft, hin zur Bewahrung von Gemeinschaft, Umwelt und Kultur eines Landes. Es ist ein Konservativismus, wie ihn Roger Scruton idealtypisch vertreten und in Büchern wie "Von der Idee, konservativ zu sein" auch ausformuliert hat. Roger Scruton zu lesen, um die politischen Veränderungen, gerade im konservativen Lager besser zu verstehen, ist daher vielleicht nicht die schlechteste Idee.

Roger Scuton: "Von der Idee, konservativ zu sein. Eine Anleitung für Gegenwart und Zukunft“, Finanzbuch Verlag, Übersetzung: Krisztina Koenen

Richard Brem

Lukas Sustala: „Zu spät zur Party"

Seit der Nachkriegszeit glaubten alle Elterngenerationen daran, dass es ihren Kindern einst einmal besser gehen werde als ihnen. Nun ist der soziale Aufstieg auch mit mehreren Studienabschlüssen im In- und Ausland mehr als ungewiss. Die Millenials, also die Generation der Jahrgänge 1982 bis 1996, müssen die Kosten für den Klimawandel stemmen, können sich keine Eigentumswohnung mehr leisten, verdienen weniger und treffen am Arbeitsmarkt auf freie Dienstverträge mit geringer sozialer Absicherung, während die Babyboomergeneration fest angestellt abcasht, wenig fürs Wohnen zahlt und zudem bald Pensionsprivilegien genießen wird. Warum eine ganze Generation den Anschluss verpasst hat, das versucht Lukas Sustala ist seinem Buch „Zu spät zur Party“ zu begründen.

Lukas Sustala: „Zu spät zur Party – Warum eine ganze Generation den Anschluss verpasst“, ecowin Verlag

Studiogespräch: Wolfgang Ritschl

Filip Springer: „Kupferberg - der verschwundene Ort“

Erstmals erwähnt wurde der Ort Kupferberg im Jahr 1311. Der Bergbau ließ die kleine Gemeinde im Riesengebirge über die Jahrhunderte hinweg wachsen und gedeihen. Zahlreiche Katastrophen und Kriege haben der Stadt zugesetzt, doch stets haben sich die unbeirrbaren Kupferberger aus den Ruinen erhoben und weitergemacht. Nach einem Feuer im Herbst 1824 wird die Gemeinde erneut aufgebaut, übersteht zwei Weltkriege und wird schließlich nach Stalins neuer Grenzziehung polnisch. Unter ihrem neuen Namen Miedzianka wird die Stadt zu einem Zentrum des Uranabbaus. Filip Springer zeichnet die traurige Geschichte des verfluchten Ortes nach und bleibt dabei chronologisch abwechslungsreich. Er hat zahlreiche Zeitzeugen interviewt, in Archiven recherchiert und seine Ergebnisse mit großer Liebe zum Detail zu einer spannenden Collage zusammengefügt. Vor allem die jüngere Geschichte vor und nach dem Ende von Kupferberg enthält Erstaunliches: verschwiegene Tote im russisch geführten Uranbergwerk, verhasste Spitzel vom Staatssicherheitsdienst, ein geheimnisvolles Grab, ominöse Schätze der vertriebenen Deutschen, eine raffgierige Gemeindevorsteherin und die letzten verbliebenen Einwohner, die noch lange am Rande der Geisterstadt wohnten.

Filip Springer: „Kupferberg – der verschwundene Ort“, Zsolnay Verlag, Übersetzung: Lisa Palmes

Ivo Kaufmann

Quinn Slobodian: „Globalisten"

1989 war ein Schicksalsjahr für die Welt: Der Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs läuteten das Ende der Sowjetunion und damit das Ende des Kalten Krieges ein. Die Planwirtschaft und das politische System des Kommunismus waren gescheitert. Die Ideologie der Gegenspieler musste folglich die überlegene sein: die des freien Marktes. Heute, 30 Jahre später, hat das Image des damals gefeierten Neoliberalismus schwere Risse bekommen: Wir kämpfen mit sozialer Ungleichheit, Armut und Hunger, Umweltverschmutzung und einer Klimakrise. Ein schwacher Staat und eine starke Wirtschaft – das scheint das gegenwärtige Konzept des Neoliberalismus zu sein – vollkommen anders, als zu dessen Anfängen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Anfänge verortet Quinn Slobodian in Österreich, nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen-Monarchie – der größten Freihandelszone des damaligen Europas. Die Geburtshelfer des Neoliberalismus nennt der Historiker "Globalisten". Der Begriff Neoliberalismus entstand dann 1938, als Folge der Weltwirtschaftskrise. Eine Gruppe von Ökonomen, Politikern und Journalisten trafen in Paris zusammen, um eine Zukunftsperspektive für den Kapitalismus zu finden zum sogenannten Colloque Lippmann. Unter ihnen die österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises. Die Große Depression hatte abermals gezeigt, dass das System selbstzerstörerische Tendenzen aufweist. Eine uneingeschränkte Herrschaft kapitalistischer Interessen dürfe es nicht geben, so die These der neoliberalen Denker. Ein gänzlich ungezähmter Kapitalismus rufe schwerwiegende Gegenreaktionen in der Bevölkerung herbei: sie könnten der sozialistischen Opposition verfallen.

Quinn Slobodian: „Globalisten – Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus“, Suhrkamp Verlag, Übersetzung: Stephan Gebauer

Marlene Nowotny

Ein Überlebender des "Konzentrationslagers" Auschwitz-Birkenau

APA/AFP/WOJTEK RADWANSKI

Richard Dawkins: „Atheismus für Anfänger"

Der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins zählt weltweit zu den bekanntesten Wissenschaftsautoren. Dawkins wurde 1941 in Kenia geboren und war lange Jahre Professor an der Universität in Oxford. In zahlreichen Büchern hat er sich immer wieder vor allem zwei großen Themen gewidmet: der Religion und der Evolution. Berühmt wurden die Titel „Das egoistische Gen“ und „Der Gotteswahn“. Sein neuestes Werk richtet sich vordergründig an Jugendliche. Er will klar machen: Das Heilige Buch der Christen taugt ebenso wenig wie der Koran oder die Thora als Erklärung für das Faszinosum des Lebens. Und genau darum geht es dem britischen Wissenschaftler vor allem. Immer dann und dort, wo das Wissen lückenhaft ist, werde seit Menschengedenken Gott ins Spiel gebracht, kritisiert Richard Dawkins. Sein schwungvoll geschriebenes Buch macht nachvollziehbar, welche Lücken die Wissenschaft im Laufe der Zeit gefüllt hat. Und es regt dazu an, sich neugierig auf das Rätselhafte einzulassen.

Richard Dawkins: „Atheismus für Anfänger. Warum wir Gott für ein sinnerfülltes Leben nicht brauchen“, Ullstein Verlag, Übersetzung: Sebastian Vogel

Holger Heimann

Klaus Dürrschmid: „Zungenbekenntnisse"

Womöglich können wir mit unserer Zunge nicht nur schmecken, sondern auch riechen. Auf den Geschmackssinneszellen der Zunge finden sich nämlich auch Rezeptoren für Geruchszellen. Womöglich ist auch Fett ein Grundgeschmack, neben süß, sauer, salzig, bitter und umami. Die Sensorik als Wissenschaft ist noch recht jung, und es ist bei weitem noch nicht alles geklärt über die Art und Weise, wie wir schmecken und riechen. Statt von fünf Sinnen geht man mittlerweile von mindestens 34 Sinnen aus und spricht von einem Netzwerk der Sinne. Sicher ist nur, dass dem Gehirn eine große Rolle zukommt in unserem Geschmacksempfinden. Warum unter anderem der Wein im Urlaub besser schmeckt, erläutert der Lebensmittelwissenschaftler und Sensoriker Klaus Dürrschmid in seinem Buch „Zungenbekenntnisse“.

Klaus Dürrschmid: „Zungenbekenntnisse – Warum der Wein im Urlaub besser schmeckt und andere Fakten und Wunder aus der Welt der Sinne“, Brandstätter Verlag

Studiogespräch: Wolfgang Ritschl

Ginette Kolinka: „Rückkehr nach Birkenau – Wie ich überlebt habe“

Die heute 95-jährige Französin Ginette Kolinka war 19 Jahre alt, als sie zusammen mit ihrem Vater, ihrem jüngeren Bruder und ihrem Neffen nach Birkenau deportiert wurde. Sie kam als einzige zurück. Ein halbes Jahrhundert lang hat Ginette Kolinka das Grauen für sich behalten - um die Leute nicht zu behelligen, wie sie schreibt.
Steven Spielberg brachte ihre Erzählung hervor. Der Regisseur hatte im Rahmen seiner Stiftung junge Leute ausgeschickt, um für seinen Film Schindlers Liste Augenzeugenberichte von Deportierten einzuholen. Ginette Kolinka erzählte und seitdem besucht sie auch Schulen und begleitet Jugendliche nach Auschwitz-Birkenau, um ihre Erinnerung weiterzugeben.

Ginette Kolinka: „Rückkehr nach Birkenau – Wie ich überlebt habe“, Aufbau Verlag, Übersetzung: Marion Ruggeri und Nicola Denis

Christina Höfferer

Jeremy Dronfield: „Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgte“

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Nazi-Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, zumeist Juden. Sie wurden Opfer der Tötungsmaschinerie in den Gaskammern, sie verhungerten, mussten sich zu Tode arbeiten, starben an Krankheiten oder bei grausamen Menschenversuchen. Am 27. Jänner 1945 erreichten Soldaten der Roten Armee das Lager. Seit 2005 gilt der 27. Jänner als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Zwei der Insassen in Auschwitz waren Gustav Kleinmann und sein Sohn Fritz. Was die beiden Männer während des Holocaust erlebten, hat der britische Historiker Jeremy Dronfield aufgearbeitet.

Jeremy Dronfield: „Der Junge, der seinem Vater nach Auschwitz folgte – Eine wahre Geschichte“, Droemer Verlag, Übersetzung: Ulrike Strerath-Bolz

Marlene Nowotny

Oliver Scheiber: "Mut zum Recht!"

An einem Bezirksgericht werden zum Großteil Bagatellen verhandelt. Die Beschädigung von Glücksspielautomaten, der Diebstahl von Parfums, Raufereien. Für viele der betroffenen Personen ist das Wort "Strafverfolgung" unpassend, meint der Strafjurist Oliver Scheiber. Er weiß, wovon er spricht, leitet er doch ein Wiener Bezirksgericht. Er findet, dass die Justiz zu viel Energie in die Aufklärung und Verfolgung kleinster Regelverstöße steckt, und viel zu wenig in die Verfolgung von Verbrechen, die den Staat bedrohen, etwa in die Vorgänge rund um die Hypo Alpe Adria oder in Umweltverbrechen. Im internationalen Vergleich verdient das österreichische Justizsystem ein gutes Zeugnis, findet der Richter. Dennoch gibt es offene Wunden, wie etwa die Tendenz in Richtung Klassenjustiz.

Oliver Scheiber: "Mut zum Recht! - Plädoyer für einen modernen Rechtsstaat", Falter Verlag

"Kontext"-Studiogespräch mit Wolfgang Ritschl

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