Bücherstapel

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Sachbücher und Themen

Von den Krisenherden dieser Welt über Entdeckungen der Neurowissenschaften bis zu den schönen Künsten. "Kontext" bietet Orientierungsservice im Sachbuch-Dschungel. Reportagen, Diskussionen, Rezensionen, Studiogespräche, Hintergrundberichte zu spannenden Büchern über Zeitgeschichte, Wirtschaft und Wissenschaft. Und ab und zu darf auch gelacht werden.

Die Kunst, schwierige Gespräche zu meistern

Im aktuellen politischen Klima mit seinen allgegenwärtigen Shitstorms in den sozialen Medien erscheint es fast unmöglich, vernünftig mit Andersdenkenden zu reden. Der amerikanische Philosoph Peter Boghossian und der Mathematiker James Lindsay sehen aber einen Weg, dies zu ändern. Egal ob es dabei um Klimawandel, religiösen Glauben, geschlechtsspezifische Identität, Extremismus oder Einwanderung geht. Peter Boghossian und sein Koautor James Lindsay wollen eine Gesprächskultur, die getragen ist von Mitgefühl und Empathie, Respekt und Würde, und von Integrität statt Ideologie. Eine solche Kommunikationskultur ist in den Augen der Autoren essenziell für das Überleben der Demokratie. In den Vereinigten Staaten ebenso wie in Europa und dem Rest der Welt.

Peter Boghossian und James Lindsay, "Die Kunst, schwierige Gespräche zu meistern - Effektiv argumentieren, hitzige Diskussionen entschärfen und Gesprächspartner überzeugen", Übersetzung: Kimiko Leibnitz, Riva Verlag

Rebecca Hillauer

"Schwere See" von Jens Mühling

In seinem vorletzten Buch, einer umfangreichen Ukraine-Reportage, wanderte der deutsche Autor und Journalist Jens Mühling bis ans Asowsche Meer - jener Ausstülpung des Schwarzes Meeres im Südosten der Ukraine, die seit vorigem Jahr von einer gigantischen Brücke überspannt wird. Wladimir Putin ließ sie als symbolische Vollendung der 2014 erfolgten Besetzung der Krim errichten. Wer sich an die Gesetze der Ukraine hält, darf die Brücke nicht betreten. Jens Mühling nimmt diesen Umstand zum Anlass, gleich das ganze Schwarze Meer am Festland zu umrunden, um ans andere Ende der Brücke zu gelangen. Auf seiner Reise durch Russland, Georgien, die Türkei, Bulgarien, Rumänien und die Ukraine hat er einiges erlebt.

Jens Mühling, "Schwere See - Eine Reise um das Schwarze Meer", Rowohlt

Erich Klein

Ö1 Schwerpunkt "Nebenan: Ukraine"

"Über Leben" von D. Steffens. F. Habekuss

Zehn Prozent aller Agrarlandschaften sollten zu ökologischen Vorrangflächen umgewidmet werden, die dann mit Hecken bepflanzt werden, in denen Insekten Unterschlupf finden, dazu braucht es artenreiche Wiesen, Feuchtgebiete und Bachufergehölze. So die Forderung des Biodiversitätsrates, um die Artenvielfalt in Österreich zu erhalten. Das momentane Artensterben ist, mehr noch als die Erderwärmung, die überragende Herausforderung unserer Zeit, warnen die Wissenschaftsjournalisten Fritz Habekuss und Dirk Steffens. Vielversprechend erscheint den Autoren Bestrebungen, der Natur Rechte zu verleihen. So dass etwa ein Fluss dagegen klagen könne, wenn er vergiftet wird. In Island ist dies bereits möglich, beim Mississippi wird dies eben versucht. Um überleben zu können, müssen die Menschen sehr schnell ihren Umgang mit der Natur überdenken. Die Klimakrise, heißt es in diesem Buch, gefährdet zwar die Art, wie wir leben, aber nicht, ob wir leben. Und dazu ist Artenvielfalt unabdingbar.

Dirk Steffens und Fritz Habekuss, "Über Leben - Zukunftsfrage Artensterben: Wie wir die Ökokrise überwinden", Penguin Verlag

"Kontext"-Heimstudiogespräch mit Dirk Steffens

Wolfgang Ritschl

"Erebus" von Michael Palin

Sir Michael Palin ist vor allem bekannt als Mitglied der legendären britischen Komikergruppe Monty Python. Er ist aber nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger, Dokumentarfilmer und Regisseur sowie Autor von mehreren Romanen, und Reiseberichten. Nun hat er eine Biografie über das britische Segelschiff Erebus geschrieben, das 1845 in Richtung Arktis in See gestochen ist, um den letzten Fleck der bis dahin nie gesehenen Nordwestpassage zu kartieren. Zusammen mit seinem Schwesterschiff Terror verschwand die Erebus und deren komplette Besatzung von der Bildfläche, wie Michael Palin es ausdrückt. Das Wrack wurde erst im September 2014 zufällig vor der Nordküste Kanadas gefunden. Das war für Michael Palin der Auslöser, sich mit dem Schicksal der Erebus zu beschäftigen. Bis dahin waren das vor knapp 170 Jahren verschwundene Schiff und das Schicksal der Crew ein Rätsel gewesen.

Michael Palin, "Erebus - Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit größte Rätsel auf See", aus dem Englischen von Rudolf Mast, Mare Verlag
Aus dem Englischen von Rudolf Mast


Maicke Mackerodt

Wassertropfen fällt vom schmelzenden Eis

AP/DAVID GOLDMAN

Bettina Hitzer, "Krebs fühlen"

Abgesehen von Covid-19 ist momentan keine andere Krankheit so stark im öffentlichen Bewusstsein verankert wie Krebs. Ein Mediziner spricht deshalb vom "König aller Krankheiten". Auch wenn die Diagnose Krebs kein Todesurteil mehr darstellt, weil einige Erscheinungsformen mittlerweile gut behandelbar sind, ist die Diagnose immer noch mit einem Schock verbunden. Die Berliner Historikerin Bettina Hitzer hat untersucht, wie sich der Umgang mit der Krankheit im letzten Jahrhundert verändert hat. Sie erzählt von Patienten, die sich nicht im Sprechzimmer eines Arztes, sondern vor einem "Exekutionskommando" wähnten, wenn ihnen kühl und emotionslos erklärt wurde, dass sie nur noch wenige Monate zu leben haben. Heute hingegen gilt Einfühlung als essenziell. Aber sie beleuchtet auch eine Kehrseite solchen Gefühlsmanagements. "Hoffnung wird zunehmend als Leistung eingefordert", formuliert sie prägnant und zeigt, in welche neuen Zwangslagen unsere aufgeklärte Zeit führt. Galt einst Distanz und Kühle als Inbegriff einer gefestigten Persönlichkeit, geht es heute um Selbstoptimierung und beständige Gefühlsarbeit - einmal mehr spiegelt Therapie gesellschaftliche Wertvorstellungen.

Bettina Hitzer, "Krebs fühlen - Eine Emotionsgeschichte des 20. Jahrhunderts", Klett-Cotta Verlag

Holger Heimann

Konrad O. Bernheimer: "Gebrauchsanweisung fürs Museum"

Im Unteren Belvedere ist die Sonderausstellung "Into the night" wieder zugänglich, weitere Kultur-Institutionen in ganz Österreich öffnen demnächst wieder. Vielleicht sollten wir die nun wieder zugänglichen Museen mit anderen Augen betrachten, sie nicht als selbstverständlich nehmen. Auch wenn sein Konrad Bernheimers Buch kein Ratgeber sein will, ein paar Tipps hält es denn doch bereit. Da wäre einmal das gezielte Betrachten einzelner Werke ("weniger ist mehr"). Der Kunstkenner empfiehlt, dem Freundes- oder Förderkreis eines Museums beizutreten, um in den Genuss exklusiver Führungen und spezieller Previews zu gelangen. Er rät, den Ausstellungsbesuch gut vorzubereiten und berühmte Museen zur Hauptreise- bzw. Hauptbesuchszeit zu meiden. Er hält Audioguides für eine gute Sache, während andere technische Errungenschaften ihn eher irritieren. Jedes Bild habe eine Geschichte zu erzählen, weiß Konrad Bernheimer, und einige dieser Bildergeschichten erzählt er in sehr lockerer, souveräner Weise in seinem kleinen Buch "Gebrauchsanweisung fürs Museum", das mit der Empfehlung schließt, "einfach mal nur so", ohne besonderen Anlass, wieder ins Museum zu gehen.

Konrad O. Bernheimer, "Gebrauchsanweisung fürs Museum", Piper Verlag

Wolfgang Seibel

Maja Göpel: "Unsere Welt neu denken"

Die Bienen sterben, also wird eine Drohne entwickelt, die Pflanzen bestäubenden soll. Für die Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Maja Göpel ist dies die falsche Reaktion. Technischer Fortschritt mag Probleme kurzfristig lösen, langfristig beschert er uns neue Probleme. Schließlich ist unsere Umwelt derart vernetzt, dass jeder Eingriff ungeahnte Folgen haben kann. Was uns als Gesellschaft davon abhält, adäquat auf die Bedrohungen durch die Erderwärmung und die zunehmende Ungleichverteilung der Chancen und Vermögen zu reagieren, das untersucht die "Scientists for Future"-Mitinitiatorin indem sie unsere Welt von der Zukunft aus neu denkt.

Maja Göpel, "Unsere Welt neu denken - Eine Einladung", Ullstein Verlag

"Kontext"-Heimstudiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Billy Bragg: "Die drei Dimensionen der Freiheit"

Der britische Singer-Songwriter Billy Bragg kämpft seit gut 40 Jahren mit seiner Gitarre, seiner Stimme und pointierten Texten gegen Ungerechtigkeiten aller Art. Er erhob seine Stimme gegen die Apartheid in Südafrika, den Marktliberalismus der Thatcher-Ära, die britische Monarchie, George W. Bush, Donald Trump und zuletzt gegen den Brexit. Nun will er auch in Buchform Menschen dazu bewegen, sich zu engagieren. In seinem "politischen Weckruf" mit dem Titel "Die drei Dimensionen der Freiheit" möchte er klar machen, dass Freiheit aus drei Elementen bestehen muss: Liberalität, Gleichheit und Verantwortlichkeit. Nach der Wirtschaftskrise von 2008 fühlte sich die Queen dazu bewogen, ihre besten Wirtschaftswissenschaftler zu befragen, ob denn keiner von ihnen den Crash kommen sah. Sie zuckten nur mit den Achseln und stammelten etwas von "jeder habe sich eben auf den anderen verlassen", sprich: niemand habe Verantwortung übernommen. Für Billy Bragg ist die Verantwortungslosigkeit auch der wesentliche Grund für den Brexit.

Billy Bragg, "Die drei Dimensionen der Freiheit - Ein politischer Weckruf", Heyne Verlag

Ivo Kaufmann

Illustration eines angebissenen Apfels mit der Struktur eines Gehirns.

AP/SKOPEIN

Jonathan Safran Foer: "Wir sind das Klima!"

Bekannt geworden ist der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer mit Romanen: Mit "Alles ist erleuchtet" oder "Extrem laut und unglaublich nah". In den letzten Jahren allerdings hat er sich dem Sachbuch zugewandt, offenbar einem inneren Drang folgend, die Menschen aufzurütteln, etwas zur Rettung des Planeten Erde zu tun. Als wolle er uns bei den Schultern nehmen und schütteln, bis wir begreifen, dass es fünf vor zwölf ist und wir augenblicklich das Ruder herumreißen müssen. Gleichzeitig steht er fassungslos vor der Untätigkeit der Menschheit. Und so erarbeitet Foer Verhaltensvorschläge, in deren Zentrum eine Umstellung der Ernährung steht. In Berlin erzählt er von einem jungen Paar, das nach einer Lesung in Brüssel mit einem Exemplar seines Buches auf ihn zugekommen sei. Auf die zum Signieren freie Seite hatte es ein Übereinkommen für die Ehe gemäß seinen Empfehlungen geschrieben.

Jonathan Safran Foer, "Wir sind das Klima! - Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können", Kunstmann Verlag

Stefan May

Brendan Simms: "Hitler"

Der Begriff anglo-amerikanisch wird heute meist ohne Hintergedanken für die Bezeichnung des britischen und US-amerikanischen Sprach- und Kulturraums verwendet. Geprägt wurde er in der Zeit des Nationalsozialismus, im Luftkrieg gegen die westlichen Alliierten, da war in der Propaganda oft von angloamerikanischen Luftgangstern die Rede. Um Anglo-Amerika soll Hitlers Denken intensiver gekreist sein als um den Bolschewismus, behauptet nun der irische Historiker Brendan Simms. Er zeichnet ein neues Bild von Hitlers Weltanschauung und zeigt zugleich, warum diese zwangsläufig zu einem Krieg globalen Ausmaßes führen musste: Um zu überleben, so der Historiker, musste das deutsche Volk eine mindestens ebenso starke Machtposition erringen wie "Anglo-Amerika".

Brendan Simms, "Hitler - Eine globale Biografie", DVA

Irene Etzersdorfer

Petra Bock: "Der entstörte Mensch"

Gravierende Veränderungen fordert Petra Bock, die als Politologin und Coach arbeitet. Unser auf das Überleben ausgerichtetes Konfliktdenken brauche dringend einen Umschwung in Richtung Kooperation und Entfaltung. Das alte Entweder-Oder-Denken empfindet sie als gestört. Wie wir uns und die Welt verändern können und sollen, und warum wir nach dem technischen jetzt den menschlichen Fortschritt brauchen, das erläutert Petra Bock, die mit mehreren "Mindfuck"-Büchern bereits Bestseller gelandet hat, im Rahmen eines Gesprächs.

Petra Bock, "Der entstörte Mensch - Wie wir uns und die Welt verändern. Warum wir nach dem technischen den menschlichen Fortschritt brauchen", Droemer Verlag

"Kontext"-Heimstudiogespräch mit Wolfgang Ritschl

V. M. Lampugnani: "Bedeutsame Belanglosigkeiten"

In Zeiten wie diesen, in denen vieles anders abläuft als sonst, kann man die Stadt und ihre Möblierung mit anderen Augen sehen. Plexiglaswände an Supermarktkassen, Abstandsmarkierungen in Warteschlangen, Absperrbänder an Spielplätzen. Aber auch Brunnen, Poller, Straßenlaternen, Mistkübel, Kanaldeckel und viele andere Objekte des Stadtraums sind eine genauere Betrachtung wert. Der Italiener Vittorio Magnago Lampugnani ist Stadtwissenschaftler und einer der herausragenden Experten auf diesem Gebiet. Er hat 22 repräsentative Objekte aus aller Welt ausgesucht und erzählt damit auch, was Städte unverwechselbar macht.

Vittorio Magnago Lampugnani, "Bedeutsame Belanglosigkeiten - Kleine Dinge im Stadtraum", Wagenbach Verlag

Ivo Kaufmann

Atomkraftwerk Tschernobyl

AP/VOLODYMYR REPIK

Fred Pearce: "Fallout"

Die erfolgreiche britisch-amerikanische Fernsehserie "Chernobyl" ruft uns in Erinnerung, dass wir Ende April 1986 in der Ukraine nur ganz knapp an einer noch größeren Katastrophe vorbeigeschrammt sind - große Teile der Ukraine hätten für Jahrzehnte unbewohnbar werden können. Die realistische und faktentreue Serie hatte zudem einen paradoxen Effekt: Sie führte zu einem Ansturm von Touristen in der Sperrzone um Tschernobyl. Momentan hat man dort mit den Waldbränden andere Sorgen. Die heutige Situation um Tschernobyl macht aufs Neue deutlich, wie nachhaltig gefährlich die Atomenergie ist. Was im Laufe der Nutzung dieser Energiequelle alles schief ging, das hat der britische Umweltjournalist Fred Pearce zusammengetragen.

Fred Pearce, "Fallout. Das Atomzeitalter - Katastrophen, Lügen und was bleibt", Übersetzung von Tobias Rothenbücher, Kunstmann Verlag

George Orwell: "Über Nationalismus"

Seine Romane "Farm der Tiere" und "1984" haben George Orwell weltberühmt gemacht. Die beiden Titel, eine satirische Fabel auf den Kommunismus stalinistischer Prägung und die Dystopie eines totalitären Überwachungsstaats, waren so einflussreich wie nur wenige andere Bücher im 20. Jahrhundert. Die Zurichtung des Individuums, sein Verschwinden in der Masse blieben zeitlebens das Grundthema des britischen Schriftstellers. Nun ist auf Deutsch erstmals ein Essay von George Orwell erschienen, den er vor 75 Jahren geschrieben hat: "Über Nationalismus". Geradezu obsessiv kreisten die Gedanken eines "Nationalisten" um die "Überlegenheit seiner eigenen Machteinheit", schreibt Orwell, zugleich aber sei das "Objekt der Gefühle" austauschbar, aus einem Kommunisten konnte und kann ein Nazi werden und umgekehrt; der Geisteszustand bleibt derselbe. In einem klugen Nachwort hat der Soziologe Armin Nassehi auf den bemerkenswerten Gegenwartsbezug von Orwells Text hingewiesen. Wie stark öffentliche Debatten sich heutzutage an strikten Gegensätzen orientieren, ist beinah täglich zu erleben - und das nicht erst seit dem Erstarken des Rechtspopulismus.

George Orwell, "Über Nationalismus", Übersetzung von Andreas Wirtensohn, dtv Verlag

Holger Heimann

Harry Gatterer: "Ich mach mir die Welt"

Ein Sabbatical Im Ausland? Endlich in einem Chor singen? Sich als Wirtin selbstständig machen? Pläne dieser Art hat der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie zunichte gemacht. Mehr noch: Die berechtigte Angst vor dem Virus hat unseren Alltag verändert, resultiert in Homeoffice oder womöglich in Arbeitslosigkeit, ändert aber auch unsere generelle Vorstellung von Zukunft. Wir sollten nicht nur durchhalten und hoffen, dass es nachher einfach weiter gehen wird. Vielmehr, sagt der Zukunftsforscher Harry Gatterer, sollten wir diese Zwangspause nutzen, um unsere Zukunft neu zu zeichnen. Wie man dies am besten macht, erläutert er im Gespräch.

Harry Gatterer, "Ich mach mir die Welt - Wie wir mehr Leben in unsere Zukunft bringen", Molden Verlag

"Kontext"-Heimstudiogespräch mit Wolfgang Ritschl

Michael Lehofer: "Alter ist eine Illusion"

"Alter ist eine Illusion", behauptet Michael Lehofer, und der Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut weiß, wovon er spricht. Tatsächlich rät der Grazer Mediziner, den Begleiterscheinungen des alternden Körpers ebenso zu trotzen, wie dem Verherrlichungskult des Jungseins - mit einer Geisteshaltung nämlich, in der sich der Mensch mutig und offen dem Leben stellt und immer wieder Platz für Neues schafft. Diese Einstellung hält langfristig jünger als die beständige Jagd nach dem Anschein ewiger Jugend, meint der Psychologe. Besonders gut hält die kaum Kalorien verbrauchende Tätigkeit des Zuhörens jung: weil es deutlich macht, dass der Mensch in seiner Entwicklung sozusagen noch nicht "fertig" ist, dass er immer noch etwas Neues erfahren und lernen kann. Und außerdem erzeugt das Zuhören auch eine wichtige Form der Gemeinschaft.

Michael Lehofer, "Alter ist eine Illusion - Wie wir uns von den Grenzen im Kopf befreien", Verlag Gräfe&Unzer

Sylvia Andrews

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