Gretha Thunberg

TOM SCHIMMECK

Greta bringt die Welt in Ordnung

Als ich Anfang 2019 - aus purer Neugier - zum ersten Mal loszog, um eine Freitagsdemo der Schüler zu sehen, hatte ich gleich das Gefühl, dass hier etwas Besonderes passiert. Da stand noch ein kleines Häuflein vor dem Hamburger Hauptbahnhof, vielleicht zweihundert Schülerinnen und Schüler, viele mit selbstgemalten Pappschildern, die Mehrzahl sehr, sehr jung. Und sicher fanden es einige einfach cool, dabei zu sein, nicht in der Schule zu sein. Ja und?

Wir erleben Dürren, dazu schwere, heftige Regenfälle, Erdrutsche, immer mehr Schädlinge und Krankheiten - in einem Ausmaß wie nie zuvor.
Jhannel Tomlinson, Klimaaktivistin aus Jamaika

Diese große Ernsthaftigkeit sprang mich förmlich an. Sie wirkte weniger zornig, eher schon bestürzt über dieses umfassende Versagen der Erwachsenenwelt. Und bald zunehmend fassungslos, wie viele dieser vermeintlich erwachsenen Menschen ihren Protest belächelten, verspotteten, klein redeten. Und dabei auch die Wissenschaftler mitverhöhnten, die sich so schnell und zahlreich an die Seite der Kinder und Jugendlichen gestellt hatten. "Listen to the science" - "Hört auf die Wissenschaft" - ist nicht umsonst das Motto von Greta Thunberg.

Nanoua Lilivau Ewekia

TOM SCHIMMECK

"Hoffentlich werden wir nicht von der Landkarte gewischt." Nanoua Lilivau Ewekia, Klimaaktivistin aus Tuvalu

Greta Thunberg. Die Anführerin. Natürlich scharten sich die Medien im Nu um dieses eigentümliche Mädchen aus Schweden.

"Als ich ungefähr acht war, hörte ich zum ersten Mal etwas von Klimawandel und globaler Erwärmung. Ich erinnere mich, dass ich es sehr seltsam fand, dass Menschen dazu fähig sein könnten, das Klima der Erde zu verändern. Denn wenn wir es wären und dies tatsächlich geschähe, würden wir doch über nichts anderes mehr sprechen. Aber niemand sprach darüber." Greta Thunberg

Weil sie interessant und irgendwie unberührbar schien. Auch, weil Medien halt Figuren brauchen und diesen ganz persönlichen Touch. Hinter dem die großen, komplizierten Fragen des globalen Klimawandels dann leider oft verschwinden.

"Die Erwachsenen sagen gerne, wir schulden es der Jugend, ihr Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will nicht, dass ihr Hoffnung verspürt. Sondern Panik. Ich will, dass ihr die Angst fühlt, die ich jeden Tag fühle. Und dann will ich, dass ihr handelt, wie ihr in einer Krise handeln würdet. Ich will, dass ihr handelt, als ob unser Haus brennt. Denn das tut es." Greta Thunberg

Auch ich wollte mehr über Greta und den Ursprung der Bewegung in Stockholm erfahren. Ich sprach mit vielen Jugendlichen, die von Anfang an dabei waren, auch mit einigen klugen BeobachterInnen, die das Ganze besser einschätzen konnten. Doch bald merkte ich, dass all das aufgeregte Greta-Greta-Greta nicht reichen wird, um dieses inzwischen global gewordene Fridays-for-future-Phänomen zu verstehen.

 Daniel Chidubem Gbujie

TOM SCHIMMECK

"Der Klimawandel zeigt uns unsere Abhängigkeiten. Er bringt das Biest in den Menschen hervor." Daniel Chidubem Gbujie, Klimaaktivist aus Nigeria

Ich begann, immer mal wieder mit den protestierenden Jugendlichen vor meiner Haustür zu sprechen. Und nahm Kontakt zu einigen Gretas dieser Welt auf: jungen Aktivistinnen aus Indien, den USA, aus Jordanien, Tuvalu, Nigeria und Jamaika. Ein junger Mann war auch dabei. Sie alle waren total inspiriert von Greta und ihrer stillen, kompromisslosen Entschlossenheit. Doch sie hatten ihren eigenen Kopf, ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse und waren zumeist schon lange selbst aktiv. Ich habe viel von ihnen gelernt.

Text: Tom Schimmeck

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