Kristen Stewart

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"Jean Seberg" - Biopic im Thrillerkostüm

Mit Filmen wie "Bonjour tristesse", "Außer Atem " oder „Airport" wurde die 1938 in Iowa geborene Schauspielerin Jean Seberg weltberühmt. Zwischen 1968 und 71 geriet Seberg mit ihrem Engagement für die Black-Power-Bewegung ins Visier des FBI und wurde von Geheimdienst und Boulevardpresse abgehört und verfolgt. Der australische Regisseur Benedict Andrews nimmt in seinem Biopic "Jean Seberg - against all enemies" diese Zeit in den Fokus.

Kulturjournal | 18 09 2020

Judith Hoffmann

"Oh my dear, her hair", ließ Regisseur Otto Preminger eine Dame über die kurz geschnittenen Haare der unverzagten Jeanne d’Arc sagen. Das war 1957 in der Produktion "Die heilige Johanna", für die Preminger die junge Jean Seberg aus über 1.000 Bewerberinnen ausgewählt hatte. Die kurz geschnittenen Haare waren es auch, die sie als Cecile in "Bonjour tristesse" und später in Jean Luc Godards "Außer Atem" auszeichneten und zur Stilikone einer ganzen Generation machten. Diese frisurgewordene Revolte gegen Lockenwickler und Föhnwellen setzte sich auf anderer Ebene fort.

Bereits als Jugendliche engagierte sich Jean Seberg für die Rechte der Schwarzen, ab 1968 wurde sie ob ihrer großzügigen Spenden für die Black-Panther-Bewegung und ihrer Affäre mit dem Aktivisten Hakim Jamal vom FBI bis ins intimste Detail abgehört und verfolgt.

Kristen Stewart und Benedict Andrews

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Porträt eines psychischen Verfalls

Diese Verfolgung nimmt der Regisseur Benedict Andrews zum Ausgangspunkt seines Films und inszeniert sie als bedeutungsschweren Politthriller. Er schildert die Ereignisse zum einen aus Sebergs Perspektive, zum anderen aus dem Blickwinkel des jungen Abhörspezialisten Jack, der sich mit der Überwachung Sebergs zunächst profilieren will, später allerdings merkt, welchen Schaden er damit angerichtet hat.

"Die Art, wie die Überwachung durch das FBI als Staatswaffe gegen sie eingesetzt wurde, ist eine bis heute wenig bekannte, schreckliche Tragödie", sagt Benedict Andrews, der in seinem Film eher unbewusst zahlreiche aktuelle Bezüge herstellt, etwa wenn es um #blacklivesmatter, den Überwachungsstaat oder die Chancengleichheit geht: "Der Film beschreibt eine turbulente Zeit in der Geschichte der USA. Jean sagt einmal ‚Amerika ist im Krieg mit sich selbst‘ - das klingt heute nicht weniger dringlich. Aber auch andere Themen des Films sind brandaktuell, zum Beispiel leben wir in einer Kultur der massiven Überwachung, deren Ursprünge im Film gezeigt werden. Oder die Fake-News-Manufakturen, die ganz gezielt Lügen als Waffen einsetzen. Anhand von Jeans Leben sehen wir den emotionalen Preis dafür."

Jean Seberg

Jean Seberg, 1956

AP

Konventionell statt experimentierfreudig

Die Themen sind ambitioniert, die Handlungsstränge engagiert verknüpft - häusliche Gewalt wird ebenso zum Thema wie das Patriarchat, Frauenrechte und Bildung als Ausweg aus der Misere. Handwerklich allerdings wirkt der Film immer wieder allzu lehrbuchhaft. Durchgestylte Settings und exquisite Kostüme können nicht von den oberflächlichen Dialogen ablenken, Kameraführung und Schnitt folgen brav den Regeln des Mainstreamkinos und werden einer querköpfigen Stilikone, die in den 60er Jahren etwa als Gesicht der Nouvelle Vague galt, nicht im Ansatz gerecht.

Eher gelingt das schon Kristen Stewart, die es streckenweise schafft, Sebergs Gestik und Mimik verblüffend nahe zu kommen, die Filmszenen nachstellt und die Achterbahnfahrt zwischen Enthusiasmus und Suizidgedanken, Erfolg und aufkeimendem Verfolgungswahn bravourös und glaubwürdig mimt.

1979, gerade einmal 40 Jahre alt, starb Jean Seberg unter rätselhaften Umständen. Nach zehn Tagen Abgängigkeit wurde sie tot in ihrem Auto aufgefunden. Dass dieser Tod auch mit den Angriffen des FBI zu tun haben könnte, wird im Film nicht explizit erwähnt. Vielmehr verlegt sich Andrews auf eine etwas beliebige, offene Schlusssequenz. Konsequent konventionell wie der Film, der ihr vorangeht, gemessen an der Geschichte, die er erzählt, allerdings alles andere als couragiert.

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