Buch des Monats: "Ghost Stories" von Siri Hustvedt

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

April 2026

Ö1 Buch des Monats: "Ghost Stories"

Siri Hustvedts "Ghost Stories", persönliche wie politische Texte über Verlust, Trauer und Liebe, ist das Ö1 Buch des Monats.

"Ich lebe. Mein Mann, Paul Auster, ist tot. Er starb am 30. April 2024 um 18 Uhr 58 hier im Haus in Brooklyn, wo ich jetzt diese Worte schreibe."

Siri Hustvedt und der Autor Paul Auster galten als das Schriftsteller-Traumpaar New Yorks. Bis zu Austers Tod im Jahr 2024 führten beide eine geradezu symbiotische Beziehung. Geprägt von einem anregenden und inspirierenden Dialog.

... ein Geist, den Paul und ich zusammen erschaffen haben ...

Der Verlust der großen Liebe, der Welt, die nach seinem Tod für sie verschwunden ist, versucht die trauernde Siri Hustvedt begreifbar zu machen. Ehrlich und intim, scharfsinnig und klug schreibt sie persönliche wie politische Texte über Verlust, Trauer und Liebe. Daneben finden sich in dem Buch "Ghost Stories", Briefe an Freundinnen und Freunde, Tagebucheinträge und Notizen. All das durchzogen von einem feinen Humor. Besonders berührend - die Briefe Pauls an seinen Enkel Miles.

Siri Hustvedt, die von Paul Auster immer wieder als die intellektuelle Person im Haushalt definiert wurde, lebt mit einem Geist. Auf dem Sterbebett hat Paul Auster ihr versprochen, als Geist zurückzukehren. Und da ist der gemeinsam geschaffene Geist.

"Ich lebe in einem Spukhaus, bewohnt von einem Geist, den Paul und ich zusammen erschaffen haben, einem >>Wir<<, das nicht mehr existiert, jedenfalls nicht in der Gegenwart, das jedoch alle Räume durchdrungen hat. Es ist eine umarmende, sich berührende, Liebe machende, lachende, besänftigende, streitende, ruhig redende Doppelfigur aus der Vergangenheit mit geheimen Scherzen und Anspielungen, die nur >>uns<< bekannt sind."

Service

Siri Hustvedt, "Ghost Stories - Ein Buch der Erinnerung", übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald, Rowohlt Verlag

Gestaltung

  • Zita Bereuter

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