ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
September 2026
Ö1 Buch des Monats: "Luft nach unten"
Tamara Stajners tragikomischen Roman ist das Ö1 Buch des Monats.
31. August 2026, 11:09
Mühsam versucht die Musikerin Iva mit ihrem Mann Felix ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Unbedingt will sie Mutter werden, dabei hat sie selbst ein äußerst schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, die als esssüchtiger Messie in Slowenien lebt. In imaginären Briefen wendet sich Iva vorwurfsvoll und wütend an ihre Mutter, um sie dann wieder zärtlich und voller Sehnsucht zu beschreiben.
In mir will kein Pünktchen wachsen.
Ungestüm - mit Wut und Liebe - begegnet Iva auch Felix, den die Besuche in der Kinderwunschklinik zermürben. Ihr Sexleben ist zu einem technischen Akt verkümmert, Leidenschaft und Lust empfindet Iva in der Affaire mit einem verheirateten Mann. Dieses Geheimnis verdeckt sie, während sie die Geheimnisse ihrer Familiengeschichte offenlegen will - ausgehend von Ohrid in Nordmazedonien, wo die Familie ein Hotel besaß und Iva ihre Kindheit verbrachte.
Poetisch-musikalische Sprache und Humor
Eine sehr hohe emotionale und existentielle Dringlichkeit ist die Grundvoraussetzung für ihr Schreiben, erklärt Tamara Stajner im Interview. In "Luft nach unten" sind dies komplexe ambivalente Beziehungen, allen voran die zwischen Mutter und Tochter, sowie Elternschaft und Identifikation. Bemerkenswert ist Stajners poetische und musikalische Sprache und ihr Humor in diesem zeitgemäßen tragikomischen Roman.
Tamara Stajner, 1987 in Slowenien geboren und aufgewachsen, zog als 18-Jährige nach Wien, wo sie seither als Musikerin (Bratschistin) und bilinguale Schriftstellerin (Deutsch und Slowenisch) lebt und arbeitet. 2022 erschien ihr erster Gedichtband, "Luft nach unten" ist ihr dritter Roman. 2024 nahm sie mit einem Auszug aus "Luft nach unten" beim Wettlesen um den Ingeborg-Bachmannpreis teil und wurde mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. 2026 wurde ihr der Exil-Literaturpreis 2026 zuerkannt.
Service
Tamara Stajner, "Luft nach unten", Zsolnay
