Gedanken für den Tag

Von Regina Polak. "Zukunft. Werte. Europa". Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer

Werte sind wichtige Orientierungspunkte für den Einzelnen, für Gesellschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften. Aber sie bedürfen der kritischen Reflexion, wenn sie in eine gute Zukunft für Europa führen sollen. Regina Polak ist eine der Autorinnen und zugleich Herausgeberin der Europäischen Wertestudie 2010.

Lieben und Arbeiten

Lieben und Arbeiten sind die beiden zentralen Beiträge am Schöpfungswerk Gottes. Indem Menschen lieben und arbeiten werden Menschen zu "concreatores" - "Mitschöpferinnen und Mitschöpfern" Gottes. So  hat es die evangelische Theologin Dorothee Sölle gesehen.

Die Europäische Wertestudie bestätigt, dass sich die Menschen dessen bewusst sind. Familie, Partnerschaft und Beziehung sowie Arbeit rangieren in der Rangliste der Werte seit drei Jahrzehnten an erster Stelle. Entgegen vieler Unkenrufe, mit der Beziehungs- und Arbeitsethik insbesondere junger Menschen stehe es im Argen, zeigen die Studienergebnisse: Menschen sehnen sich nach gelungenen Beziehungen, möchten etwas leisten und zur Gesellschaft beitragen. Leistungsethik und der Wunsch nach Beziehungsqualität sind - vor allem bei den Gebildeten und den jungen Frauen so hoch wie nie zuvor.

Freilich zeigt die Wertestudie auch Brüche und Schwierigkeiten. Arbeit wird reduziert auf Erwerbsarbeit. Erwerbsarbeit sichert gesellschaftliche Zugehörigkeit. Ohne Erwerbsarbeit gilt vielen Menschen das Leben als sinnlos. Reproduktive oder soziale Arbeit hat geringeren Stellenwert. Die Folgen: Familienarbeit steht im Schatten, die Bereitschaft zur Langzeitpflege kranker Familienangehöriger sinkt, desgleichen die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit. Die Frage taucht auf: Welche Sinn-Möglichkeiten bietet das Leben in einer Gesellschaft, der die Erwerbsarbeit ausgeht?

Lieben und Arbeiten sind hohe Werte, haben in jeder Zeit und jeder Kultur aber andere Bedeutungen. Als Theologin frage ich: Was können Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, Kirchen und Religionsgemeinschaften beitragen, dass Menschen Mitschöpferinnen und Mitschöpfer an einer guten Welt bleiben können?

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