Gedanken für den Tag

Von Magdalena Miedl. "Durchs Brot die Welt" - Gedanken zum 'Welttag des Brotes'. Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer

Am Anfang war das Brot. Nein, eigentlich so: Am Anfang war ein Film. Ein Lehrfilm aus den Siebziger Jahren, den wir in der Volksschule, dritte Klasse, trotz schönstem Sommerwetter bei zugezogenen Vorhängen angesehen haben - über ein Bronzezeitdorf: Langhaarige Frauen in fransigen Gewändern, die ein wenig an Lederstrumpf und Winnetou erinnerten, mahlten da Getreide zwischen schweren runden Felsblöcken, und buken in Feuergruben auf heißen Steinen dünne Fladen. Ich sehe es noch heute vor mir. Und dann ging ich heim, war an dem Tag nachmittags alleine, und hab in meinem Versteck im Garten, dort wo ein paar Büsche eine heimliche Höhle bildeten, Bronzezeit gespielt; aus dem Vogelfutter vom letzten Winter die Weizenkörner rausgepickt, Mehl gemahlen. Und darüber nachgedacht, was in Brot drin sein könnte: Wasser, natürlich. Salz. Aber damit es aufgeht, was tut man in Brot rein? Backpulver, das kannte ich vom Kuchenbacken meiner Mutter, aber das schien mir falsch. Irgendwie habe ich so etwas Ähnliches wie Teig zusammengerührt, und irgendwie hab ich es, mit Todesverachtung, im Rohr gebacken. Und dabei ein zentimeterdünnes, sehr knuspriges, sehr kompaktes Brot zustande gebracht, von dem ich voller Begeisterung der staunenden Nachbarin über den Gartenzaun hinweg gleich ein Stück geschenkt hab.

Mein Bronzezeitbrot war der erste Moment, an den ich mich deutlich erinnern kann, in dem ich darüber nachdenke wie etwas entsteht - und in dem ich es auch umzusetzen versuche. Während mein großer Bruder Jahre zuvor Wecker in ihre Bestandteile zerlegte, setzte ich etwas zusammen, um das zu erhalten, was ich so gerne aß.

Brotbacken, das hatte so etwas Ernsthaftes, das war erwachsen, im Gegensatz zu den Weihnachtskeksen, bei denen ich immer schon mithelfen durfte. Und dass ich selbst Brot machen könnte war ein Gedanke, der mich unglaublich begeisterte. Und bis heute ist Brot für mich ein Faszinosum, dessen Rätsel die ganze Welt umspannen - nicht nur, weil ich beim Wort "Erdkruste" immer noch unweigerlich an "Brotkruste" denken muss.

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