Betrifft: Geschichte

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"Herodes der Große." Historische Wahrheit und historische Verzerrung. Mit Wolfgang Sotill, Theologe, Autor und Nahost-Experte für Alte Geschichte. Gestaltung: Martin Adel

Wer würde sich heute noch an Herodes, genannt der Große (73 - 4 v. Chr.) erinnern, wäre ihm nicht vom Evangelisten Matthäus der Kindermord in Bethlehem nachgesagt worden? Beides zu unrecht. Denn erstens war Herodes ein durchaus bedeutender jüdischer und von den Römern bestätigter bzw. eingesetzter König in Judäa, Galiläa, Samaria und den angrenzenden Gebieten, und zweitens weiß die wichtigste Quelle zu seinem Leben, die Schriften des rund 40 Jahre nach Herodes' Tod in Jerusalem geborenen Flavius Josephus, nichts vom Kindermord.

Flavius Josephus gilt als zuverlässig, er war einer der wichtigsten Autoren des hellenistischen Judentums und Pharisäer. Und ausgerechnet mit dieser Elite der Schriftgelehrten, die es mit der Befolgung der jüdischen Lehre sehr genau nahmen (daher wohl auch die spätere Verwendung dieser Bezeichnung durch die Christen im Glaubensstreit mit den Juden), stand Herodes nicht gerade auf gutem Fuß. Herodes war kein Israelit, sondern stammte aus einer einflussreichen idumäischen Familie. Nach der Thora jedoch hätte nur einer aus dem jüdischen Volk als dessen König anerkannt werden dürfen.

Dass Herodes dem Judentum (glaubensmäßig!) angehörte und alle Regeln und Normen der Religion befolgt haben soll, reichte den Pharisäern nicht. Dass er zehn Mal verheiratet war und nicht gerade zimperlich bei der Beseitigung auch seiner Ehefrauen, spielte dabei offenbar keine große Rolle.

Immerhin errichtete er mit seiner Machtpolitik ein von den Römern anerkanntes jüdisches Königtum von einer Größe, wie es davor und danach keines mehr geben sollte. Und dieser herausragenden Bedeutung bewusst, ließ Herodes auch eine Reihe von Bauten errichten, die seinen Einfluss unterstreichen sollten. Darunter nicht nur die Felsenfestung Masada oder die überhaupt neu gegründete Stadt Caesarea Maritima mit ihrer einzigartigen Hafenanlage, sondern auch den Neubau des Tempels in Jerusalem, der in seiner Pracht alle Tempelanlagen im Römischen Reich übertroffen haben soll.

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