Spielräume
Archaische Kraft Apuliens
Musik aus allen Richtungen mit Mirjam Jessa. Maria Mazzotta und ihr neues Album "San Paolo di Galatina"
4. Februar 2026, 17:30
Die international renommierte apulische Sängerin Maria Mazzotta, eine der wichtigsten Stimmen der Weltmusik und häufig zu Gast in den Spielräumen, hat zusammen mit dem katalanischen Künstler, Gitarristen und Produzenten Raül Refree ein Album gestaltet, das uns die archaische Kraft Apuliens unter die Haut gehen lässt.
Dabei war dieses gemeinsame Projekt gar nicht geplant. Es ist zunächst absichtslos entstanden, hat allmählich Form angenommen, genährt von Gelegenheiten, aber vor allem fehlte jeglicher Druck einer bevorstehenden Veröffentlichung. Ausgangspunkt war ein Auftrag an Refree, ein Stück über Metamorphose zu schreiben, was ihn unwillkürlich an Mazzotta erinnerte und ihre Geschichte über die "Pizzica Tarantata", einen orgiastischen Tanz in Apulien.
Frauen, die unter Depressionen litten, wurde dort noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesagt, sie seien von einer Tarantel gebissen worden, und das einzige Gegenmittel, um ihre Traurigkeit zu überwinden, sei, sich im Rhythmus der Pizzica in Trance zu versetzen, zu tanzen, zu singen und zu schreien. Was normalerweise gesellschaftlich nicht erlaubt gewesen wäre, in Form dieses rituellen ekstatischen Tanzes war es plötzlich möglich.
Allein Maria Mazzottas suggestive Stimme evoziert bereits eine Welt von Assoziationen von rauem Leben, kargen Landschaften und fatalen Leidenschaften. Das Album ist klanglich fantastisch produziert - Chor, Orgel, Gitarre werden klug eingesetzt und erschaffen zusammen mit der Sängerin Bilder von bestechender Schönheit, Fremdheit und Eindringlichkeit.
