Samouil Stoyanov und Katharina Ernst in "Woyzeck" am Wiener Volkstheater

SUSANNE HASSLER-SMITH

Intermezzo - Künstlerinnen und Künstler im Gespräch

Mechthild Harnischmacher über Woyzeck

"Schuldig oder nicht schuldig - das ist nicht die Frage" - die deutsche Regisseurin Mechthild Harnischmacher über Woyzeck und das Problem der strukturellen Gewalt an Frauen.

Gewalt an Frauen und sich häufende Femizide beherrschen aktuell unsere Medien. Ein Thema, das auch Georg Büchners 200 Jahre altes Stück "Woyzeck" beherrscht, das derzeit im Wiener Volkstheater in den Bezirken zu sehen ist. Die 1991 in München geborene Regisseurin Mechthild Harnischmacher inszeniert das Stück mit Samouil Stoyanov in allen männlichen Rollen und den Schlagzeugerinnen Katharina Ernst und Aurora Hackl Timón. Harnischmacher wählt dabei ein anderes Ende und liefert Marie (in einem neuen, selbst geschriebenen Schluss) nicht ans Messer. Es gäbe keinen Mehrwert, diesen romantisch verklärten Mord zu zeigen und auch Büchner, ist sie überzeugt, hätte heute ein anderes Ende gewählt.

Über die Ästhetisierung von Frauenmorden, über die Darstellungsmöglichkeiten von Gewalt auf der Bühne und ihren konkreten Appell an die Männerwelt, aber auch über ihre eigene Erfahrung mit patriarchaler Gewalt, ihren Ausbruch aus einer nach strengen Regeln geführten katholischen Glaubensgemeinschaft in Oberbayern, in der sie aufgewachsen ist, über das neu Entdecken der Welt als junge Erwachsene und über ihre Erfahrung mit Machtmissbrauch spricht Mechthild Harnischmacher im "Intermezzo" mit Katharina Menhofer.

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