Österreich braucht Schlüsselarbeitskräfte

Österreich hat eine Quote für sogenannte Schlüssel-Arbeitskräfte. 2.645 Menschen dürfen jedes Jahr einwandern. Sie müssen so gut ausgebildet sind, dass keinen Österreicher ihre Arbeit wegnehmen. Diese Quote wird bei weitem nicht ausgenützt. Die Kriterien seien viel zu abschreckend zu streng, meinen Wirtschaftsvertreter.

Mittagsjournal, 28.07.2010

Rahmenbedingung wenig reizvoll

Hoch qualifizierte Menschen machen einen Bogen um Österreich, meinen Vertreter der heimischen Wirtschaft. Während Länder wie die USA, Kanada oder Australien um gut Ausgebildete Zuwanderer werben, tue Österreich das Gegenteil, meint Christian Friesl, Bereichsleiter für Gesellschaftspolitik in der Industriellenvereinigung. "Es würde heute kaum eine qualifizierte Person oder Persönlichkeit auf Idee kommen nach Österreich zuzuwandern", sagt Friesl. Der Grund ist, dass Österreich hoch Qualifizierten den Eindruck vermittle, sie seien gar nicht erwünscht. Zum Beispiel, wenn die Partnerin der Schlüsselkraft nicht arbeiten könne, wäre der Anreiz nach Österreich zu kommen nicht gegeben. Aber auch die Tatsache, dass nur fünf von 100 Plätzen für Selbstständigen genützt würden, zeige, dass Österreich ein unattraktives Instrument habe, so Christian Friesl. Da sei es kein Wunder wenn die gut 2.600 Plätze bei weitem nicht genützt würden.

Einkommensschwelle zu hoch

Eine besondere Hürde ist die Einkommensgrenze. Nur wer über 2.460 Euro brutto im Monat verdient, darf kommen. Das sei viel zu hoch, meint Margit Kreuzhuber, Beauftragte für Zuwanderung in der Wirtschaftskammer. Diese Schwelle würde nur in den wenigsten Fällen erreicht werden, da das Einstiegsgehalt für Jungakademiker deutlich unter dieser Schwelle liegt", erklärt Kreuzhuber.

"Uniabsolventen im Land halten"

Das treffe besonders Ausländer, die in Österreich studiert haben. Sie wären ideale Kandidaten, in Österreich als Schlüssel-Arbeitskräfte zu arbeiten, würden aber oft an der Einkommensgrenze scheitern. "Es ist aus unserer Sicht schwer nachvollziehbar, warum den ausländischen Universitätsabsolventen, die in Österreich studiert keine Anreize angeboten werden, um sie in unserem Land zu halten."Sie haben auf unsere Kosten studiert, sprechen meist gut Deutsch und kenne unsere Rahmenbedingungen, so Margit Kreuzhuber von der Wirtschaftskammer.

Akademiker bevorzugt

Andere Gruppen, etwa Facharbeiter, erfüllen wiederum nicht das Kriterium, dass nur hoch gebildete als Schlüssel-Arbeitskräfte gelten. "Es ist im Ausländerbeschäftigungs-Gesetzfestgelegt, dass eine akademische oder besonders nachgefragte Ausbildung vorliegen muss. Wobei die akademische Ausbildung vorgezogen wird. Leute ohne akademische Ausbildung, wie zum Beispiel Fachkräfte fallen meistens nicht unter diese Regelung." So erklärt es sich auch, dass Leute in Pflegeberufen zwar gesucht werden, aber kaum Chancen haben, als Schlüsselarbeitskräfte zu gelten. Gerade für Gesundheitspersonal gebe es über die Schlüsselkraftregelung wenige Chancen auf Zuwanderung, da die Entgeltschwelle von 2.460 Euro viel zu hoch sei, sagt Kreuzhuber.

Technik, Pflege, Tourismus

Auch für die Industriellen-Vereinigung ist klar, dass man mit den derzeitigen Kriterien keine Leute gewinnen könne, die Österreich brauche. Christian Friesl meint: "Wir brauchen vor allem qualifizierte Menschen. Für uns kommen vor allem Forscher und Techniker, Leute im Bereich Pflege und Tourismus kommen für eine Zuwanderung nach Österreich in Frage."

Firmen bekommen was sie brauchen

Ganz anders sieht das die Arbeiterkammer. Schon bisher hätten die Unternehmen kein Probleme gehabt, ausländische Arbeitskräfte zu holen, meint AK-Präsident Herbert Tumpel. "Unter vier Augen gibt mir jeder Personalverantwortliche von großen Firmen zu, sie haben diejenige Leute bekommen, die sie gebraucht haben", so Tumpel.

Zu wenig Ausbildung für Junge

Tumpel gibt vielmehr den Unternehmen die Schuld, wenn sie nicht genug Fachkräfte haben. Denn die Firmen würden immer weniger Lehrlinge ausbilden. Tumpel erläutert: "Es kann nicht sein, dass in der Öffentlichkeit suggeriert wird, wir hätten akuten Facharbeitermangel. Umgekehrt kommt die Wirtschaft ihren Verpflichtungen in einem höchst ungenügendem Ausmaß für die Ausbildung junger Menschen auf." Tumpel rechnet vor: Heuer würden um über 5.000 weniger Lehrstellen angeboten als noch vor zwei Jahren.