Bröckelt die gläserne Uni-Decke?

Die heimische Wissenschaftslandschaft wird deutlich weiblicher als bisher. Gleich vier österreichische Hochschulen haben neue Rektorinnen bekommen. Auch die Forschungssektion im Wissenschaftsministerium übernimmt eine Frau. Dabei darf es aber nicht bleiben, findet Wissenschaftsministerin Beatrix Karl.

Mittagsjournal, 02.08.2010

Erfreuliche Signale

Gleich vier neue Hochschuleinrichtungen stehen seit kurzem unter weiblichem Rektorat: Die Fachhochschulen in St. Pölten und Krems, die gesundheitswissenschaftliche Privatuni Umit und die Veterinärmedizin in Wien, freut sich Wissenschaftsministerin Beatrix Karl: "Diese Personalentscheidungen sind für mich sehr erfreuliche Signale, die nun hoffentlich auch bei den anstehenden Rektorswahlen in einigen Universitäten ihre Wirkung nicht verfehlen werden."

Dünne Luft für Frauen

Denn an den Hochschulen herrscht generell ein Gefälle, sagt Karl: Es gibt zwar mehr weibliche Studierende als männliche und auch bei den Assistenten herrscht noch Gleichstand. "Aber je weiter nach oben die Karriereleiter geht, desto enger wird nach wie vor die Luft für Frauen", so Karl. Das sehe man bereits auf Professorenebene. Hier bestehe noch großer Nachholbedarf und es sollen Maßnahmen gesetzt werden.

Bestätigen kann das Sonja Hammerschmid, die designierte Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Das Tierarztstudium ist zu 80 Prozent weiblich, sagt sie. Bei den wissenschaftlichen Mitarbeitenden sind es nur noch 60 Prozent. Bei den Habilitierten sind es nur noch 40 Prozent und bei den Professor/innen sind nur noch 20 Prozent Frauen.

200.000 Euro für Frauenförderung

Das kann nicht so bleiben, befindet die Neo-Rektorin, und beschreibt, was an der VetMed jetzt schon geschieht und noch geschehen soll: erleichterte Karenz, Kinderbetreuung, Forschung von zuhause aus, frauengerechtere Anforderungen für die Habilitierung, die oft nur auf Männer zugeschnitten sei. Derzeit werden etwa 200.000 pro Jahr gezielt für solche Maßnahmen ausgegeben, erklärt Hammerschmid.

Immer mehr Forscherinnen

Auch im Wissenschaftsministerium selbst gibt es hier Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit. Seit 1.August gibt es eine Stabsstelle "Gender and diversity", und die neue Chefin der Forschungssektion ist ebenfalls eine Frau, Barbara Weitgruber.

Sie freut sich, dass die Forschungsförderung weiblicher geworden ist: Bei dem sehr harten Wettbewerb im Förderprogramm START etwa hatten sich heuer zu 24 Prozent Frauen beworben, die aber 50 Prozent der Zusagen bekommen haben - ein Beweis für Leistung und Qualität der Forscherinnen, sagt Weitgruber.

Österreichliege hier bereits über dem EU-Durchschnitt. Insgesamt zeichnet sich ein Trend ab, wonach die Zahl der weiblichen Forscherinnen europaweit stärker zunimmt, als die der männlichen.

Kulturwandel notwendig

Zahlen und Quoten allein werden es wohl nicht bringen, so Weitgruber: "Wir sprechen hier von einem Kulturwandel. Ohne diesen Wandel wird es uns nicht gelingen, eine gendergerechte österreichische Gesellschaft zu erreichen, in der Frauen und Männer in allen Lebensbereichen gleichberechtigt sind." Und das ist bald wohl konkreter als ein theoretisches akademisches Planspiel.