Chinas Flugzeugindustrie im Aufwind

Boeing und Airbus dominieren den weltweiten Flugzeugmarkt bereits seit Jahrzehnten. Aus China könnte jetzt langsam Konkurrenz entstehen. Mit den Plänen für ein eigenes Mittelstreckenflugzeug will die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die Vorherrschaft der beiden Flugzeuggianten ankratzen.

Auf der internationalen Luftfahrtschau in Südchina hat der staatliche Flugzeugbauer Comac jüngst einen neuen Prototypen vorgestellt. Das Flugzeug soll spätestens in sechs Jahren geliefert werden und die Kassenschlager von Boeing und Airbus unter Druck setzen.

Mittagsjournal, 07.01.2011

Passagierflugzeuge aus China

Das Spiel mit Zahlen und deren Bedeutung hat in China Tradition. Der staatliche Flugzeugbauer Comac nennt seinen, jüngst nicht ohne Stolz, vorgestellten Prototypen C919. Die Ziffer Neun steht in der chinesischen Kultur für Unsterblichkeit. Kaum bescheidener sind auch die Ambitionen, die Chinas Führer den staatlichen Flugzeugbauern vorgeben. Boeing und Airbus, die sich den weltweiten Markt für Passagierflugzeuge weitgehend aufgeteilt haben, sollen aus China ernste Konkurrenz bekommen.

"Noch keine Konkurrenz"

Japan und Südkorea sind bei ähnlichen Projekten zuvor bereits gescheitert. Chinas Flugzeugingenieure haben bereits große Fortschritte gemacht. Kleinere Maschinen mit Propeller-Turbinen Antrieb wurden bereits an mehrere Länder, vor allem in Afrika, verkauft.

Bis Chinas Flugzeugindustrie jedoch wirklich mit den Giganten aus dem Westen konkurrieren kann wird es noch dauern, sagt Professor Huang Jun, der an der Pekinger Universität für Luft- und Raumfahrt forscht und lehrt: "Wir verfügen über solide Technologien. Wir können Flugzeuge selbst entwickeln. Es gibt aber noch Bereiche in der Produktion, die wir nicht abdecken können, wie zum Beispiel Turbinen. Als Chinese hoffe ich auf den Tag, an dem wir Boeing und Airbus echte Konkurrenz machen. Aber das könnte 30 Jahre dauern. Boeing und Airbus brauchen sich noch keine Sorgen zu machen."

Bestellungen nur aus China

Chinas Führer wissen was sie wollen: Eine eigenständige Flugzeugindustrie, die auch international konkurrenzfähig ist. Dabei handelt es sich um eine Frage des Nationalstolzes. Schon haben die Flugzeugpioniere beim staatlichen Comac-Konzern dann auch die ersten 100 Aufträge für ihren Mittelstreckenjet bekanntgegeben, der ab 2016 vom Stapel laufen und bis zu 170 Passagiere befördern soll. Dabei kommt keine einzige Bestellung für den chinesischen Jet aus dem Ausland, sondern allesamt von den staatlichen Fluglinien hinter denen die chinesische Regierung steht.

Passagieraufkommen wächst

Für Flugzeugbauer ist China mittlerweile weltweit jedenfalls der wichtigste Absatzmarkt, mit Abstand vor den USA. In keinem Land werden mehr Passagierflugzeuge gekauft als hier. Das wird auch noch längere Zeit so bleiben. Das Passagieraufkommen in China wächst jedes Jahr derzeit um rund 15 Prozent. In den kommenden zwei Jahrzehnten werden chinesische Fluglinien neue Passagierflugzeuge im Wert von rund 500 Milliarden Dollar kaufen, schätzt man bei Boeing.

Ein Geschäft, das sich auch der Konkurrent Airbus nicht entgehen lassen will. Da aber beide Unternehmen das Produktionsvolumen, vor allem für größere Flugzeuge, aufgrund der aktuellen Bestellungen nicht unbegrenzt ausweiten können, wittern chinesische Hersteller wie Comac ihre Chance.

Günstigeres Flugzeug

Vor allem Entwicklungsländer, so spekuliert man, wollen nicht unbedingt einen Jet vollgestopft mit Elektronik auf dem allerletzten technischen Stand. Sondern auch einen, der vor allem günstig ist. Der Verkaufspreis für Chinas ersten Mittelstreckenjet ist offiziell noch nicht bekannt. Doch haben die Ingenieure bereits durchsickern lassen, dass das Flugzeug viel günstiger sein wird, als vergleichbare Modelle von Boeing oder Airbus.