IHS: Wichtiges Signal gegen Teuerung

"Zinserhöhung verkraftbar"

Eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank um 0,25 Prozentpunkte ist Ansicht von Bernhard Felderer, dem Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), kein großer, aber ein notwendiger Schritt. Dass durch die Zinserhöhung die Wirtschaftserholung gebremst werden könnte, glaubt Felderer nicht.

"Die EZB muss die Zinsen erhöhen"

Der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer, im Mittagsjournal-Interview am 07.04.2011 mit Manuel Marold

Anti-Inflationssignal

Eine Zinserhöhung in diesem geringen Ausmaß sei nicht mehr als ein "erstes Signal an die Märkte, dass man die zunehmende Inflation nicht akzeptieren wird und bereit ist, mehr zu tun." Felderer verweist auf die zuletzt stark steigenden Preise (Teuerungsrate 3 Prozent im März in Österreich, 2,6 Prozent in der gesamten EU) und das Ziel der EZB, die Teuerungsrate bei zwei Prozent zu halten.

Zinserhöhung verkraftbar

Die Wirtschaft des Großteils der EU, ohne Griechenland oder Portugal, sei jedenfalls schon stark genug, um eine derartige Zinserhöhung zu verkraften. Und die beiden genannten Staaten hätten anders gelagerte Probleme: Dort hätten die Banken Schwierigkeiten sich zu refinanzieren und seien mit Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber den Bankensystemen in diesen Ländern konfrontiert.

Kurzfristige Kredite teurer

IHS-Chef Felderer rechnet nicht mit signifikanten Folgen auf Kreditnehmer und Sparer. Bei langfristig vereinbarten Zinssätzen auf fünf oder zehn Jahre werde die Auswirkung gering bis null sein. Anders bei zum Beispiel kurzfristigen Krediten, so Felderer. Deren Zinssatz richtet sich nach den Konditionen, zu denen die Banken einander Geld leihen. "Und dieser Zinssatz, z.B. auf drei Monate befristet, ist jetzt schon angestiegen. Und der wird weiter ansteigen, wenn die Zentralbank die Zinsen tatsächlich anheben wird."

Sparzinsen später?

Inwieweit die Banken die Zinserhöhung auch an die Sparer weitergeben, das werde man noch sehen, so Felderer: "Ich glaube nicht, dass sich das sofort auf die Sparzinsen auswirken wird."

Mittagsjournal, 07.04.2011

Weitere Schritte dürften folgen

Zwei Jahre lang hat die Zentralbank die Zinsen auf einem Rekordtief von einem Prozent gelassen. Für die Wirtschaft hat das günstige Kredite gebracht, und davon hat man sich einen möglichst kräftigen Aufschwung nach der Krise erhofft. Dieser Aufschwung ist jetzt da. Dafür hat die Eurozone jetzt mit einem anderen Problem zu kämpfen: Die Preise steigen stärker, als es den Währungshütern lieb ist. Die Zentralbank hat nämlich vor allem das Ziel, dass die Preise einigermaßen stabil bleiben. Bei einer Inflation deutlich über zwei Prozent wie derzeit sieht sie Handlungsbedarf.

Deswegen wird der Rat der EZB heute auch aller Voraussicht nach die Leitzinsen anheben. Höhere Zinsen können nämlich die Inflation dämpfen. In einem ersten Schritt dürften die Leitzinsen auf 1,25 Prozent angehoben werden. In weiteren Schritten könnten die Zinsen heuer auf 1,75 bis 2 Prozent steigen, sagen Experten.