In Haft wegen Autofahrens

Das autokratisch regierte Königreich Saudi-Arabien ist bisher von der Protestbewegung verschont geblieben. Kleinere Demonstrationen wurden sofort gewaltsam eingedämmt, gleichzeitig wurde ein 100 Milliarden schweres Sozialpaket verabschiedet. Für Aufsehen sorgt jetzt die Aktion einer jungen Frau, die seit dem Wochenende in Haft sitzt.

Morgenjournal, 26.05.2011

Aufbegehren

Mit Geld, Sozialwohnungen, Arbeitslosenunterstützungen und Sozialwohnungen versuchte der 86-jährige König Abdullah Stabilität im erdölreichen saudischen Königreich zu wahren. Jetzt begehren einzelne Frauen gegen das Verbot auf, autofahren zu dürfen.

Karriere als Software-Expertin

Die heute 32-jährige Manal al Sharif fiel schon vor vier Jahren auf, als eine der wenigen Frauen in Saudi-Arabien, die erfolgreich Karriere machten. Als Software-Expertin sorgte sie für Datensicherheit bei der größten Erdölgesellschaft der Welt: Ihre Arbeit habe sie stärker gemacht, denn dort habe sie die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und zu sagen, woran sie glaube, sagte die junge Mutter in einem Fernsehinterview.

Film ins Internet gestellt

Vor wenigen Tagen sorgte Manal al Sharif für Aufsehen: Sie setzte sich ans Steuer eines Autos und ließ sich dabei filmen, wie sie durch die Straßen der saudischen Stadt Chobar fuhr.

In dem ins Internet gestellten Video erklärt sie, welche Auswirkungen das Fahrverbot für Frauen hat. Frauen dürfen in Saudi-Arabien weder öffentliche Verkehrsmittel benutzen, noch selbst ein Auto lenken. Sie müssen entweder teure Fahrer anheuern oder sich von männlichen Verwandten kutschieren lassen.

Zur Nachahmung aufgerufen

Manal al Sharif rief die Frauen Saudi-Arabiens dazu auf, sich ab 17. Juni selbst ans Steuer zu setzen und neue Fakten zu schaffen. Manal wurde verhaftet, ihr wird vorgeworfen, die öffentliche Ordnung zu stören, indem sie andere Frauen anstachelt, sich über das Fahrverbot hinwegzusetzen. Zwar gibt es kein Gesetz, das weibliche Autofahrer verbietet, doch das Verbot gilt als Teil der saudi-arabischen Tradition.

In den letzten Tagen wurden mindestens zwei weitere Frauen verhaftet, die Manals Beispiel folgten. Sie wurden wieder freigelassen, nachdem sie schriftlich versprachen, sich nie wieder ans Steuer zu setzten.

Weiter in Haft

Während in Saudi-Arabien Unterschriftenaktionen ins Leben gerufen wurden, wächst die Unterstützung für Manal al Sharif auch im Internet. Auf Facebook und anderen Internetplattformen wird die Freilassung Al Sharifs gefordert und auch die Abschaffung des Fahrverbots für Frauen in Saudi Arabien. Saudische Zeitungen berichten davon, dass Manal Al Sharif von ausländischen Frauen angestachelt worden sei und sich der Konsequenzen nicht bewusst gewesen sei.

In der Haft sei Manal Al Sharif zusammengebrochen und habe sich von der der für den 17. Juni geplanten Frauenfahrinitiative distanziert. Bestätigen kann ihr Anwalt nur, dass Manal al Sharif, alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes auf ihre baldige Freilassung hofft.

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