WKÖ-Präsident gegen Frauen-KV-Runden

Leitl: Frauen keine "armen Hascherln"

Die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz ist eine vielbeklagte, dennoch hartnäckig unveränderte Tatsache. Die Gewerkschaft der Privatangestellten hat eine neue Idee ins Spiel gebracht: Alle drei Jahre soll es eigene Kollektivvertragsrunden für Frauen geben. WKÖ-Präsident Christoph Leitl hält nichts davon.

Morgenjournal, 9.9.2011

Andreas Jölli

Gleiche Leistung - weniger Geld

Frauen und Männer werden in Österreich ungleich bezahlt, und das seit Jahrzehnten. Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Jobs, oft bekommen sie für die gleiche Leistung weniger Geld. Appelle, freiwillige Selbstverpflichtungen, schöne Worte jedes Jahr am Frauentag - das alles ändert nichts.

"Arme Hascherln"

Leitl hält trotzdem nicht viel vom Plan der Gewerkschaft. Nur alle drei Jahre auf Frauen-Anliegen zu achten, sei eindeutig zu wenig, sagt der Wirtschaftskammer-Präsident.

"Es ist doch ein entwürdigender Vorschlag für die Frauen, wenn man sagt, jetzt brauchen wir für euch arme Hascherln noch eine Extrarunde. Ich bin der Meinung, die Frauen haben es verdient, jedes Jahr mit ihren Anliegen, mit ihren Sorgen und Problemen bei den Verhandlungen berücksichtigt zu werden."

Normale Verhandlungen genug

Nämlich bei den Kollektivvertragsverhandlungen, die jedes Jahr stattfinden. In diesen Verhandlungen sollen Ungerechtigkeiten und Ungleichbehandlung von Frauen und Männer thematisiert werden, sagt Leitl. Zur Besserstellung und besserem Verdienst von Frauen sei aber mehr notwendig. Das fange schon an bei der Berufswahl, da sollten Mädchen intensiver beraten werden.

"Mädchen lassen Chancen liegen"

"Friseur, Büro und Verkäuferin ist sehr ehrenwert, aber wenn jedes zweite Mädchen in diese drei Berufe geht, obwohl wir 250 Berufe haben, dann müssen wir auch unseren jungen Damen sagen, dass sie eigentlich tolle Chancen liegenlassen, wo dann die Burschen eher zugreifen."

Wenn die Frauen dann arbeiten und Familie haben, müsse es mehr und bessere Kinderbetreuungsangebote geben, stellt Leitl sich vor.

Morgenjournal, 9.9.2011

Ingrid Nikolay-Leitner im Gespräch mit Christian Williwald

Nikolay-Leitner: "Genau hinschauen"

Ingrid Nikolay-Leitner, Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt, sieht das anders. Frauen würden in der Arbeitswelt niedriger eingestuft, weniger häufig befördert und nicht für neu dazukommende Aufgaben oft nicht entsprechend mehr entlohnt.

Die Unterschiede kämen auch aus der unterschiedlichen Anwendung von Kollektivverträgen. Diskriminierung falle nur auf, wenn man genau hinschaue, so Nikolay-Leitner.