Tausende Arbeitsplätze in Gefahr
Atomkonzern AREVA in der Krise
Neun Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima machen sich die Auswirkungen jetzt auch beim französischen Atomkonzern AREVA, der Nummer Eins in der Welt, bemerkbar. Das Unternehmen, mit über neun Milliarden Euro Umsatz und weltweit 48.000 Beschäftigten, kündigte für die kommenden fünf Jahre ein drastisches Sparprogramm und den Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen an.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 13.12.2011
Aus Paris,
Rekordverlust
Angesichts der heutigen Hiobsbotschaften von AREVA wird es für Staatspräsident Sarkozy und seine Regierung in den nächsten Monaten schwieriger werden, die Atomenergie weiterhin als den Wirtschaftszweig der Zukunft zu verkaufen.
2,4 Milliarden Euro muss der Atomkonzern dieses Jahr abschreiben, macht damit einen Rekordverlust von 1,5 Milliarden und will bis 2016 bei einem Umsatz von 9 Milliarden jährlich eine Milliarde Euro einsparen. Ein weiteres Alarmsignal: die Investitionen gehen bis 2016 um ein Drittel auf knapp 8 Milliarden zurück. Trotzdem sagte Frankreichs Industrieminister Besson am Morgen:
"AREVA hat immer noch eine gute Zukunft vor sich. Weil der Konzern weiterhin kostengünstige und CO2 arme Elektrizität produziert. Das Unternehmen hat allerdings 2007 Uranminen in Namibia und Südafrika viel zu teuer gekauft, die jetzt abgeschrieben werden müssen. Aber der Umsatz von AREVA geht in 2011 nur gering um zwei Prozent zurück. Ich sage das all denen, die das Ende der Atomwirtschaft verkünden, das ist falsch, denn die Perspektiven bleiben sehr interessant."
Tausende müssen zittern
Fragt sich für wen. Denn das Milliardensparprogramm sieht auch einen massiven Stellenabbau vor. Zum einen rund 1.500 Entlassungen an vier Standorten in Deutschland – was angesichts des deutschen Atomausstiegs nicht weiter verwunderlich ist. Doch auch in Frankreich, wo AREVA 28.000 Menschen beschäftigt, wird Personal eingespart: jährlich würden, laut Gewerkschaft, rund 1.200 Stellen nicht nachbesetzt.
Der neue AREVA-Chef, Luc Oursel, wollte dies heute Vormittag nicht bestätigen, sprach nur von Nichtnachbesetzungen im administrativen Bereich, so lange dies nötig sei – möglicherweise also über Jahre hinweg – und dies trotz gegenteiliger Bekundungen der Pariser Regierung noch im vergangenen Monat. Dabei hält der französische Staat 87 Prozent des Kapitals von AREVA.
Sicherheitsrisiko droht
Der europäische Betriebsrat des Atomkonzerns hat inzwischen die Aussetzung Sparprogramms gefordert und droht vor Gericht zu ziehen, Gewerkschafter in den Produktionsstätten warnen vor einem Sicherheitsrisiko bei weiterem Personalabbau: "Wir fühlen uns immer weniger sicher, wir haben immer weniger Mittel, man kann damit nicht spaßen und nicht noch weiter komprimieren. Hier bei Areva in Marcoule ist die Belegschaft bereits halbiert worden".
Was die Perspektiven des französischen Atomriesen angeht verkündete der Konzernchef heute, man wolle bis 2016 insgesamt 10 EPR Druckwasserreaktoren der neuen Generation verkaufen – angesichts der Pannen beim Bau der ersten Modelle in Finnland und im französischen Flamanville und der Verdoppelung des Preises von drei auf sechs Milliarden pro Reaktor, eine etwas gewagte Prognose.
