Sparkursfolge oder Misswirtschaft?
MedUni Innsbruck: Kein Geld für Nachtdienste
Zum Thema "Leere Kassen in der Medizin" passt die neueste Meldung aus Innsbruck: Auf der medizinischen Universitätsklinik werden wegen der Geldnot die Hälfte der Fachärzte ab April keine Nacht- und Wochenenddienste mehr machen. Die Universitätsklinik kritisiert das Wissenschaftsministerium, das Wissenschaftsministerium schlägt mit Kritik zurück.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 3.2.2012
Kein Geld für Zusatzdienste
Wie die Unikliniken Wien und Graz ist auch die von Innsbruck finanziell ein Zwitterweisen: Es zahlen Land und Bund. An der Uni Innsbruck gibt es Ärzte, die vom Land bezahlt werden, und welche, die Bundesbedienstete sind. Und genau letztere, 46 Prozent, werden - wenn bis Ende Februar nicht mehr Geld versprochen ist, ab April keine Nacht- und Wochenenddienste machen. So hat es jedenfalls der Uni-Rat, quasi der Aufsichtsrat des Hauses, beschlossen. Vereinfacht gesagt ist nämlich kein Geld für Zusatzdienste mehr da, und in ihrer Normaldienstzeit wollen die Uni-Ärzte das tun, wofür sie angetreten sind, nämlich forschen und lehren. Von mehr als fünf Millionen Fehlbetrag ist die Rede.
"Medizinischer Engpass zu erwarten"
Was das ärztliche Nein zu Nacht und Wochenende für die Patienten bedeuten würde? Die Dienste würden aufgrund der Höchstgrenzen von den Landesätzten nicht vollständig ersetzt werden können, daher sei ein medizinischer Engpass zu erwarten, sagt Martin Tiefenthaler, Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal an der Med-Uni Innsbruck. Kurzum: Unklarheit, so weit das Auge reicht.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle, für die ÖVP in der Regierung und selbst aus Tirol, ärgert sich offenbar über die Ankündigung. Die Med-Uni wisse nicht einmal genau, wie viel Geld eigentlich fehlt, und sie habe ja der sogenannten Leistungsvereinbarung, einem mittelfristigen Finanzierungsvertrag mit dem Bund, zugestimmt. Und außerdem sei das Loch durch Fehlplanungen und ungeschicktes Wirtschaften entstanden, so der Wissenschaftsminister. Solche Dinge müsse man abstellen, dann werde es "schon wieder Geld hereinspielen".
Was der Innsbrucker Betriebsrat Tiefenthaler so nicht gelten lassen will: In den letzten Jahren seien die Aufgaben der Patientenbetreuung gewachsen, und zwar ungleich zu dem fix für drei Jahre festgelegten Uni-Budget. Kurzum, dicke Luft zwischen den Innsbrucker Uni-Ärzten und dem Wissenschaftsministerium.
Sparkursfolgen auch am AKH Wien
Am AKH-Wien herrscht übrigens derzeit auch nur so etwas wie Waffenstillstand. Der Vorgriff auf das Ministeriumsbudget für 2013 bringe jetzt nur einen kurzfristigen Erleichterung, sagte der dortige Ärzte-Belegschaftsvertreter. Besonders belastend sei, dass mittlerweile hundert Dienstposten nicht nachbesetzt wurden - was man bereits an allen Ecken und Enden merkt, so der Betriebsrat.
