Zu wenig Geld, alte Strukturen

Kritik an Flüchtlingsunterbringung

Seit 2011 kommen wieder mehr Asylwerber nach Österreich. Die Flüchtlinge müssen oft unter sehr schlechten Bedingungen auf das Ergebnis ihres Asylverfahrens warten. 17 Euro pro Tag und Flüchtling seien einfach zu wenig, um die Menschen adäquat unterzubringen, kritisieren Hilfsorganisationen.

Morgenjournal, 11.4.2012

Warten und Nichtstun

Winzige Zimmer, Schimmel an den Wänden, wenig ausgewogene Kost für Kinder, Schweinefleisch für Muslime - nur ein paar Beispiele, die Flüchtlingshilfsorganisationen aus der täglichen Praxis zu berichten wissen. Dazu kommt, dass sich viele Quartiere in einsamen Gegenden am Land befinden, die Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten, sind von jeder Beschäftigung abgeschnitten, es bleibt nur das Warten und Nichtstun, sagt Herbert Langthaler von der Asylkoordination.

Veraltete Strukturen

Österreich habe es versäumt, eine moderne Struktur für die Flüchtlingsbetreuung aufzubauen, kritisiert Christoph Riedl, Flüchtlingsbeauftragter der Diakonie. "Der netteste Wirt ist einfach kein Sozialarbeiter." Wobei die Betreuung je nach Bundesland unterschiedlich ist, sagt Riedl. Gerade in Ostösterreich habe man die alten Strukturen weitergeführt - mit Ausnahme von Wien, wo man das in einer Ausschreibung neu geregelt habe.

Verhandlungen um Erhöhung ergebnislos

So wie in Wien liegt auch in Vorarlberg die Betreuung in den Händen von Spezialisten von NGOs. Helfen könnte mehr Geld für die Flüchtlingsbetreuung. Derzeit liegt der Tagsatz bei 17 Euro, unverändert seit mehr als zehn Jahren. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat Anfang des Jahres eine Erhöhung auf 19 Euro angekündigt, verhandelt aber seither mit den Ländern ohne Ergebnis. Wobei eine Erhöhung um zwei Euro auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre, aber trotzdem ein dringen notwendiger, sagt Riedl. Denn immer mehr an sich gut geführte Betriebe würden aussteigen, weil es sich die Betreiber nicht mehr leisten könnten.

Für derzeit rund 18.000 Flüchtlinge stehen 170 Millionen Euro zur Verfügung. 40 Prozent davon kommen vom Bund, 60 Prozent zahlen die Länder.

Übersicht

  • Migration