Schuldenkrise: Nowotny sieht Politik am Zug

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, ruft die Politik zu entschlossenerem Handeln gegen die Schuldenkrise auf. Die Notenbanken könnten nicht alles alleine machen. Stellungnahmen zu einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands vermied Nowotny.

Mittagsjournal, 24.5.2012

Gegen "psychologische Kriegsführung"

Um das Thema Griechenland und Euroaustritt macht Nationalbank-Gouverneur Nowotny einen Bogen: "Eine gute Notenbank muss für alle Eventualitäten gerüstet sein", sagt Nowotny, aber sie müsse nicht über alle Fragen sprechen. Die Diskussion helfe niemandem, "psychologische Kriegsführung" erzeuge nur "unnötige Hektik". Er und die OeNB beteiligten sich an dieser "Fehlentwicklung" nicht.

Rasche Lösung für ESM

Um die Finanzmärkte zu beruhigen, sei ein entschlosseneres Handeln der Politik notwendig. Die Notenbanken hätten bereits viel zur Bekämpfung der Schuldenkrise getan. "Aber wir können das nicht allein machen, es braucht die entsprechenden Maßnahmen auch von der staatlichen Seite." So fordert Nowotny eine "rasche eindeutige Lösung" beim Europäischen Rettungsschirm ESM: "Jede Verzögerung bei der Implementierung ist schädlich."

Griechenland in "schlechterer Welt"

Der OeNB-Chef ist dagegen, die Schuldenkrise zu dramatisieren. Griechenland lebe "in einer anderen, leider schlechteren Welt als viele anderen Staaten Südeuropas." Spanien und Italien seien wesentlich besser aufgestellt. Auch Österreich stehe an den Finanzmärkten gut da, dazu habe das im Herbst verabschiedete Sparpaket mit Schuldenbremse beigetragen.