Ergebnisse der Jugendwertestudie
Jugend zweifelt an Gerechtigkeit
Junge Menschen haben große Zweifel an der Gerechtigkeit in der Gesellschaft und sie fühlen sich allein gelassen. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Jugendwertestudie des Instituts für Jugendkulturforschung, die die Arbeiterkammer in Auftrag gegeben hat.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal 29.5.2012
Tanja Geleckyj
Solidarität statt Ellbogentechnik
Die gute Nachricht kommt zuerst: Österreichs Jugend bestehe nicht aus lauter Egomanen, Studienatuor Philip Ikrat. Die jungen Menschen würden sich, anders als das in der Öffentlichkeit dargestellt wird, nicht nur mit den Ellbogen durchs Leben kämpfen. Solidarität und sozialer Zusammenhalt wird von Jugendlichen als sehr wichtig eingeschätzt und zunehmen stärker eingefordert. Besonders emotionalisiert hat die Jugendlichen die Bankenkrise, heißt es in der Studie. Viele empfinden eine tiefe Machtlosigkeit und meinen zum überwiegenden Teil, dass die Börsen eigentlich das Zentrum der Macht sind.
Reiche sollen Beitrag leisten
70 Prozent der Jugendlichen meinen, dass in Österreich die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Dabei lässt eine Botschaft besonders aufhorchen: Mehr als drei Viertel der befragten Jugendlichen sagt: "Wer mehr besitzt, soll auch einen größeren Beitrag für den Staat leisten." Mit ihren Problemen fühlen sich die Jugendlichen oft im Stich gelassen, sagt Philip Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung: 40 Prozent fühlen sich von der Gesellschaft alleine gelassen. Sie wünschen sich mehr soziale Gerechtigkeit und Solidarität.
Immer mehr unter Druck
Trotz Kritik an der Gesellschaft sehen die Jugendlichen die Aussichten für sich selbst eher positiv. Wer sich genug anstrengt, kann sich in Krisenzeiten auch durchsetzen, lautet das Ergebnis der Studie. Das führe allerdings dazu, dass die Jugendlichen vermehrt unter großem Druck stehen, sagt Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel. Immer mehr Studenten und Schüler arbeiten neben ihrer Ausbildung. Das Betrifft die Hälfte der Studenten und immerhin 15 Prozent der Schüler, die angeben regelmäßig zu arbeiten. Laut Tumpel fühlen sich auch bei Praktika viele nicht so behandelt, wie es sein sollte. Viele Unternehmen würden nach einem Praktikum keine Anstellung bieten. Und die Bezahlung sei zum Teil unter jeder Kritik, sagt Tumpel. Für Studienautor Phili Ikrath gibt es zwei Faktoren, die für den Druck verantwortlich sind, den die Jugendlichen spüren. Einerseits belaste sie die Schwarzmalerei im öffentlichen Diskurs. Andererseits kommen zu dem schulischen und arbeistbedingtem Druck, auch noch der Druck der Eltern dazu, die immer bessere Leistungen von ihren Kindern fordern, sagt Ikrath.
Jugend interessiert sich für Politik
Auch die Einstellung zu Politik und den Institutionen in Österreich ist bei der Studie abgefragt worden. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen interessiert sich sehr oder etwas für Politik. Im Vergleich zum Jahr 1990 sind diese Werte gestiegen und liegen somit gleichauf mit der Stimmung in der Gesamtbevölkerung Österreichs. Hohes Vertrauen haben die Jugendlichen in das Gesundheitssystem, in die Arbeiterkammer und die Polizei. Weniger vertrauen die 14 bis 29-Jährigen den großen Wirtschaftsunternehmen, der Politik und der Regierung, den Religionsgemeinschaften und den großen Wirtschaftsunternehmen.
