AK-Chef Tumpel zieht zum Abschied positive Bilanz

In der Arbeiterkammer vollzieht sich ein Generationenwechsel. Nach 16 Jahre an der Spitze zieht sich Präsident Herbert Tumpel zurück. Der Wahl der Mitglieder-Vollversammlung stellt sich der Gewerkschafter Rudolf Kaske, ein gelernter Koch und Vorsitzender der Gewerkschaft vida. Trotz schwieriger Anfangsbedingungen, zieht Tumpel im Ö1-Interview ein positive Bilanz, sieht aber noch einige offene AK-Baustellen.

Mittagsjournal, 9.3.2013

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel im Gespräch mit Barbara Herbst

Herbert Tumpel

(c) NEUBAUER, APA

"Wesentliche Erfolge" erzielt

In seiner Amtszeit sei viel weitergegangen, das sei nicht nur seine Leistung, sondern all jener, die in der Arbeiterkammer "in Funktion" seien, sagte Tumpel im Ö1-Interview. Er habe erreicht, was die Notwendigkeiten der Zeit gewesen seien: die Reform der Arbeiterkammern, Änderung des Wahlrechts und die Verbesserung der Mitgliederkontakte. Das sei zur Zufriedenheit der Mitglieder geschehen, aber auch eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Auch im politischen Bereich habe es ganz wesentliche Erfolge gegeben, so Tumpel. Trotz der schwierigen Zeiten für Arbeitnehmer, habe die AK für den Einzelnen beträchtliche Verbesserungen erringen können.

Bildungspolitik als große Herausforderung

Für die AK sei die Bildungspolitik ein wichtiger Bereich. Teile von AK-Vorschlägen seien von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und der Bundesregierung aufgegriffen worden, wie die Möglichkeit den Hauptschulabschluss kostenlos nachzuholen.

Jetzt hingen wichtige AK-Anliegen, über die sich die Sozialpartner geeinigt hätten, im politischen System. Teile der Regierung würden diese aufgreifen, Teile der ÖVP lehnten diese ab. Das tue ihm leid, so Tumpel, denn so liege eine gewaltige Verantwortung bei den jungen Menschen. Nur mit gut qualifizierten Facharbeitern werde Österreich in Zukunft reüssieren können, betonte der AK-Chef.

Eine weitere Herausforderung sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kinderbetreuungsplätze und Ganztagsschulen würden zwar ausgebaut, aber das sei noch zu wenig und gehe nicht schnell genug, so Tumpel.

"Bildung keine Frage der Ideologie"

Gleichzeitig seien aber auch wesentliche Ansätze der AK nicht zufriedenstellend umgesetzt worden. Gerade in der Vorwahlzeit könnten diese von allen Parteien aufgegriffen werden, fordert Tumpel. Gerade die Bildungspolitik sei in anderen Ländern keine Frage der Parteipolitik und Ideologie.

Für die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters habe die AK ein Konzept entwickelt, das nun nach und nach umgesetzt werde. In den nächsten Jahren werde es für jeden Einzelnen nachvollziehbar sein, dass es sich auszahle, länger zu arbeiten, sagte Tumpel. Auch die Gesundheitsförderungsmaßnahmen, Rehabilitation und eventuelle berufliche Neuorientierung werden in einem größeren Umfang als bisher zum Tragen kommen.

AK-Botschaften an alle Parteien

Seit Bundeskanzler Werner Faymann hätte die SPÖ ein wesentlich "offeneres Ohr" für AK-Anliegen, lobt Tumpel seinen Parteikollegen. Aber für die Umsetzung brauche es auch anderen Parteien, deswegen richteten sich die AK-Botschaften an alle Fraktionen.

Nach dem durchwachsenen Abschneiden bei den Landtagswahlen könne die SPÖ in Zukunft mit den Bereichen Soziales, Bildung und Gleichstellung punkten, meint Tumpel. Diese Bereiche würden in Zukunft immer wichtiger werden. "Man muss sich selber und seinen Anspruch in den Vordergrund stellen", so Tumpel, dann sei die SPÖ auf einem guten Weg.