Causa Morales/Snowden: Diplomatischer Eklat

13 Stunden lang - bis heute Mittag - ist Evo Morales, der Präsident von Bolivien, auf dem Flughafen Wien festgesessen - in Geiselhaft, wie er selbst sagt. Schuld ist ein Gerücht: Im Flugzeug des Präsidenten wurde der von den USA gesuchte Geheimdienstaufdecker Edward Snowden vermutet.

Evo Morales

(c) FOHRINGER, APA

Abendjournal, 3.7.2013

In Geiselhaft

Wir müssen landen, heißt es gestern Abend im Funkspruch. Für Evo Morales beginnt ein Aufenthalt, den er heute als Geiselhaft und historischen Fehler von Frankreich, Italien, Portugal und Spanien bezeichnet: "Ich kann nicht verstehen, dass sie mich festhalten, weil ich einen Herrn Snowden mithaben soll. Ich kanns nicht verstehen."

Er kenne den NSA-Aufdecker Snowden nicht und Snowden habe Bolivien auch nicht einmal um Asyl ersucht. Trotzdem, sagt Morales, habe der spanische Botschafter in Wien seine Präsidentenmaschine kontrollieren wollen: "Dass ich ihn auf einen Kaffee einladen soll ins Flugzeug, damit er es sieht. Ich bin doch kein Krimineller, dass man das Flugzeug kontrollieren muss!"

Fischer-Besuch am Vormittag

zum Glück gebe es nicht nur zu USA-freundliche sondern auch gute europäische Regierungen: "Und ich war überrascht, dass der österreichische Präsident gekommen ist, um mir seine Solidarität auszudrücken."

Der spanische Außenminister José Manuel García-Margallo hat versichert, Spanien habe Morales "keinesfalls" den Zwischenstopp auf den kanarischen Inseln verweigert und keine Untersuchung des Flugzeugs gefordert. Aber laut Morales hat der Außenminister nur aufgrund öffentlichen Drucks doch noch den Weiterflug über die Kanaren ermöglicht.

Dem Vernehmen nach hat der spanische Minister während des Treffens von Morales mit Bundespräsident Heinz Fischer angerufen. Der hat gegenüber zahlreichen internationalen Journalisten beruhigt: er habe ihn besucht und vergewissert, dass alle Abläufe in Österreich korrekt waren. Für alles andere fühle er sich nicht zuständig, so Fischer.

Kurz vor dem Abflug von Morales ist auch Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) zum Flughafen gekommen und hat bestätigt: Dass aufgrund eines Gerüchts für einen Staatspräsidenten der Luftraum gesperrt wird, das habe es noch nie gegeben und werde auch hoffentlich nie wieder vorkommen.

Spindelegger hat sich verwundert gezeigt über die Aufregung um Snowden. Aber österreichische Beamte haben offenbar die bolivianische Präsidentenmaschine kontrolliert: freiwillige Nachschau, nenne man das so Spindelegger. Ein Mitarbeiter habe aufgrund der Einladung von Bolivien die Maschine betreten, es sei niemand sonst an Bord gewesen, so Spindelegger.

Evo Morales hat diesen Kontrollbesuch allerdings nicht bestätigt.