Herbie Hancock spielt Klavier

AP/ALEX BRANDON

"Body and Soul" in 6 Versionen - Wählen Sie aus!

Kennen Sie Johnny Green? 1908-1989. Schrieb "I Cover the Water front", oder, viel bekannter, "Body And Soul". Dieser Klassiker aus dem Jahr 1930 steht heute zur Debatte. An der Debatte teilnehmen: Art Tatum, Oscar Peterson, Herbie Hancock, Keith Jarrett, Tete Montoliu, und einer, den Sie erkennen müssen.

Die verschiedenen Versionen erklingen in unterschiedlichsten Besetzungen - allerdings immer instrumental, und immer mit Klavier. So viel Einschränkung muss sein, sonst wird's uferlos …

Ein Widerspruch in sich

Heute in "Ausgewählt": Piano Jazz! Das ist zunächst ein Widerspruch in sich. Die typische "hot"-Tongebung ließ sich auf Tasten kaum erzeugen; außerdem ist ein Klavier nicht gerade geeignet, dass man spielend durch die Straßen zieht, z.B: in New Orleans … In den Lokalen dafür stand fast überall eines herum. Und überhaupt ist eine der wichtigsten Wurzel-Formen des Jazz, der Ragtime, reine Klaviermusik. Die Geschichte des Jazzpianos spiele sich also ab zwischen "Einerseits / Andererseits", notiert Joachim Ernst Behrendt im "Großen Jazzbuch".

Zur Wahl stehen "Body and Soul"-Interpretationen von:

Art Tatum

Oscar Peterson & Barney Kessel

Tete Montoliu & Niels Pedersen

Keith Jarrett & Gary Peacock & Jack de Johnette

Herbie Hancock & Dexter Gordon & John McLaughlin

Und wer ist das?

Leicht intellektuelle Note

Von Anfang an hatte das Klavierspiel im Jazz eine leicht intellektuelle Note - wer in den Bars, Cabarets und Honky-Tonks in die Tasten griff, wurde meistens "Professor" genannt. Ein unschätzbarer Vorteil der Klavier-Professoren war - und ist: Sie brauchten niemand anderen. Ein Trompeter allein auf der Bühne eines Clubs? Lächerlich. Eine Klarinette ohne alles? Unvorstellbar. Schlagzeug solo? Interessierte niemanden.

Doch der Mann (bzw., sehr selten, die Frau) am Klavier durfte, von allen akzeptiert, einen Abend lang spielen, wenn auch oft nicht auf der Bühne, sondern irgendwo an der Wand, mit dem Rücken zur Kundschaft …

Einst als "unjazzig" empfunden

All das ist über hundert Jahre her, und auch schon einige Jahrzehnte alt ist die Existenz der "rhythm section", bestehend aus Klavier-Gitarre-Bass-Schlagzeug, aus der sich das klassische Jazztrio entwickelte. Das Klavier ist (trotz des "einerseits-andererseits"-Schicksals) natürlich längst im Jazz angekommen, und die Anzahl der tatsächlichen Solo-Aufnahmen Legion.

Gerade anhand des einst "unjazzig" empfundenen Instrumentes lassen sich maßgebliche Entwicklungen im Jazz nachvollziehen. Etwas davon möge in dieser Sendung spürbar werden, vom blinden Meister Art Tatum bis hin zu Musikern, die sich immer wieder vom "Classic Piano" weit entfernten: Herbie Hancock mache "mittlerweile kommerzielle Funk-Musik, die kaum etwas mit Jazz zu tun hat", gibt sich J.E.Behrendt anno 1982 recht streng. Doch genau zum Kapitel "Das Piano" ließ Behrendt eben jenen Herbie Hancock abbilden …

So wird die Geschichte des Instrumentes, vom "klassischen" 18. Jahrhundert über die Romantik und ihre Virtuosität bis zum Impressionismus, im Jazz weiter erzählt … Und ein besonders eindrückliches Beispiel kommt von einer Musikerin, die sich selbst am Flügel begleitete, aber nur ganz selten instrumental solo spielte: Nina Simone …

Gestaltung