Heiko Börner, Annemarie Kremer

REINHARD WINKLER

Heiner Müllers "Tristan" in Linz - Rekonstruktion eines Ereignisses

Am Samstag erlebt im Musiktheater Linz Wagners Oper "Tristan und Isolde" ihre Premiere. Und das ist eine ganz besondere Aufführung: Das Bühnenbild stammt von Erich Wonder, die Kostüme von japanischen Modemacher Yamamoto und die Regie vom verstorbenen deutschen Dramatiker Heiner Müller. Es ist eine Rekonstruktion einer Bayreuther Inszenierung aus dem Jahre 1993.

Starkes Bildtheater

Es sind wunderbare Bilder, klare, poetische, die Erich Wonder damals geschaffen hat. Das erste Bild ist vom japanischen No-Theater inspiriert, beige Quadrate und Rechtecke. Das zweite Bild schaut aus wie eine Installation von Ai Wei Wei (von heute aus betrachtet): ganz in Blau-Türkis gehalten. Man denkt zuerst nämlich, unendliche Reihen von Vasen, doch es sind Miniatur-Rüstungen. Im dritten Bild, wenn es ans Sterben und in die Entrückung geht, glaubt man sich in einer aschgrauen Unterwelt.

Das längst zerstörte Bühnenbild aus dem Jahr 1993 von Erich Wonder wurde detailtreu rekonstruiert und der Linzer Chefdirigent Markus Poschner erzählt, wie in diesem im August aus Lyon gelieferten Bühnenbild gearbeitet wird. Natürlich mit einem neuen Ensemble.

Motor Lyon für zeitloses Musiktheater

Denn Lyon ist zentral für dieses interessante Projekt. Denn der dortige Intendant Serge Dorny, der demnächst Nikolaus Bachler als Intendant der Bayrischen Staatsoper in München ablösen wird, hat vor einigen Jahren beschlossen, wegweisende Musiktheaterinszenierungen aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und wieder aufzuführen.

Dorny hat damit eine große Diskussion angestoßen, und Markus Poschner ist beeindruckt vom Linzer Resultat. Es sei "zeitlos", Heiner Müller habe ohne Schnickschnack und Regiemätzchen alles aus der Musik heraus gedacht.

Der Skandal, der zum Langzeiterfolg wurde

Stephan Suschke, der Schauspielchef in Linz ist, war 1993 beim Bayreuther "Tristan" Assistent von Heiner Müller. Auch er ist über neuerliche Begegnung mit "Tristan" nicht nur erfreut, sondern sieht es als exemplarisches Musiktheater.

1993 war es anders: "Der Vorhang war noch nicht unten, da buhte das Bayreuther Publikum. Doch dann formierten sich die Befürworter, und bald setzten sich die Künstler durch. Wonder, Yamamoto, Müller, Barenboim und Sängerinnen wie Waltraud Meier." In den folgenden Jahren war Müllers "Tristan" geliebt und Referenz. Die Statik der Inszenierung - das unpsychologische, abstrakte Spiel - wurde geliebt von den Wagnerianern.

"Bayreuth interessiert mich nicht, nur Wagners Oper"

Soll Heiner Müller damals gesagt haben. Zwölf Aufführungen dieses rekonstruierten Tristan wird es in Linz bis in den Februar geben. Die ersten sind schon fast ausverkauft. Morgen bei der Premiere gibt es auch ein großes Public Viewing dieses ungewöhnlichen "Tristan" vor den Musiktheater in Linz.

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