Zwei Mitglieder von Maschek

ORF/HANS LEITNER

Das Ende satirischer Leichtigkeit

Für politische Satire braucht es viel Fingerspitzengefühl. Spitzenkabarettisten wie Maschek wiegen jedes Wort ab, das sie verwenden. Und an genau einem Wort kann sich dann eine Debatte über Zensur entzünden, die niemand wollte.

So geschehen in der Sendung "Willkommen Österreich", für die Maschek regelmäßig über Fernsehbilder drüberreden: Eine Anspielung auf die Jugendjahre des amtierenden FPÖ-Chefs und Vizekanzlers in der Neonazi-Szene hat in der Programmdirektion des ORF und beim ORF1-Channelmanagement nach der Ausstrahlung Bedenken hervorgerufen. Von Interventionen seitens der FPÖ ist in diesem Fall nichts bekannt. Der Beitrag wurde aus der TVthek genommen, die Rechtsabteilung prüfte und befand, die Anspielung auf die Jugendjahre Heinz-Christian Straches sei rechtlich bedenklich.

Satiriker Peter Hörmanseder im Interview mit Stefan Kappacher

Wie wenn Leute von Fotos verschwinden

Peter Hörmanseder, der Autor, wurde kontaktiert. Und Maschek machte einen Vorschlag, wie man das im Einvernehmen lösen könnte – der ORF akzeptierte. Hörmanseder: "So wie beim Stalin, wo plötzlich immer mehr Menschen auf Fotos mit ihm verschwanden, und jedem klar war, der ist nicht allein am Balkon gestanden, sondern da waren zehn andere. So ist es, wenn ich ein menschliches Beep drüberlege, da ist jedem klar, da lag doch was darunter und dahinter."

Hörmanseder ist der Ansicht, dass man das über Strache sagen darf, was er getextet hat. Und er ist mit dieser Ansicht nicht allein. Sie wird von Juristen geteilt, aber auch etwa von Corinna Milborn, Infochefin beim ORF-Mitbewerber puls4: "Wir hätten das nicht gebeept, ich verstehe auch nicht, was daran rechtlich bedenklich sein soll. Das könnte man auch in einer Nachrichten-Sendung erwähnen."

Satiriker-Wettbewerb mit Privaten

Der Privatsender mit deutschem Mutterkonzern hat zuletzt die Staatskünstler Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader im Programm gehabt, die früher beim ORF unter Vertrag waren. Da spielt schon auch Konkurrenzdenken mit. In der Sendung auf puls4 hat Robert Palfrader Adolf Hitler gegeben und Thomas Maurer den ahnungslosen Heinz-Christian Strache mit Hitler im Wirtshaus und auf der Hochschaubahn. Satire darf alles.

Der Beep war Mascheks Rache

Beim ORF darf Satire nicht mehr gar alles, selbst wenn es gewissenhaft vorbereitet worden ist. Darüber ärgert sich Peter Hörmanseder. Der Beep war seine Rache. "Es ist ein ernsthaft politisches Satireprojekt. Klar, es ist ein Statement." Wenn man beginne, sich vorauseilend auf juristische Faktoren zu beziehen, dann sei das nur eine andere Art von Zensur. "Das ist die innere Schere. Diese Schere im Kopf, gerade bei Satire, kann es einfach nicht geben."

Aufklärung bekommt mehr Bedeutung

Vorauseilender Gehorsam, das wurde dem ORF schon in anderen Zusammenhängen vorgeworfen - ob es um Personalentscheidungen geht oder um Programmplätze für bestimmte Dokumentationen, die nicht und nicht gefunden werden. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Verunsicherung im Haus auch die Satire treffen würde. Und das in einer Phase, wo man, so Hörmanseder, "bei gewissen Sachen nicht mehr nur mit Leichtigkeit arbeiten kann. Man muss mehr das Aufklärerische thematisieren und aussprechen. Dass man sagt, das ist etwas was völlig schiefläuft." Grundsätzlich sei das aber in Ordnung und ohnehin auch der Anspruch von Maschek.

Peter Klien

Peter Klien

ORF/THOMAS RAMSTORFER

Das Problem ist die Beispielwirkung

Es geht gar nicht so sehr um den Beep über dem Wort Neonazi - da hat ohnehin der berühmte Streisand-Effekt seine Wirkung getan und das Gegenteil dessen bewirkt, was die ORF-Verantwortlichen zu erreichen glaubten. Der Beitrag bekam noch mehr Publicity, als er ohne den Beep bekommen hätte.

Es geht um die künftigen Rahmenbedingungen für Satire im ORF, ab Herbst soll ja auch Peter Klien eine Sendung bekommen, den FPÖ-Chef Strache zuletzt bei einem FPÖ-Treffen ernsthaft als "ORF-Lauser" bezeichnet hat. Man wird sehen, ob die Freiheitlichen bei der geradezu liebevollen Einschätzung bleiben werden.

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