Das Gebäude der "Kronen Zeitung" in der Muthgasse in Wien-Heiligenstadt

APA/HERBERT NEUBAUER

Mit Krone-Macht für den Klimaschutz

Die "Kronen Zeitung" kündigt Konsequenzen aus der Ibiza-Affäre an. Man will anständiger werden, behutsamer in der Berichterstattung. Alles soll hinterfragt werden, auch die bisher teilweise fragwürdige Berichterstattung über Ausländer und Migration. Chefredakteur Klaus Herrmann kündigt im #doublecheck-Interview mit Stefan Kappacher auch eine "Krone"-Kampagne für den Klimaschutz an.

Greta Thunberg sei eine wichtige Leitfigur für die Klimaschutz-Bewegung und kein überschätzter Hype, der "Krone" sei es immer schon gelungen, Stimmungen zu verstärken, sagt Klaus Herrmann. Er meinte, dass seine Zeitung eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Klimakrise spielt und ihre Stärke noch mehr einbringen werde. Dass sich die "Kronen Zeitung" damit auf eines der wahrscheinlich zentralen Themen des Nationalrats-Wahlkampfs draufsetzen wird, darin sieht Herrmann kein Problem. Der Schutz der Umwelt, das liege in den Genen der "Krone".

"Krone"-Chefredakteur Klaus Herrmann im Interview mit Stefan Kappacher

Eine ungeahnte neue Anständigkeit

Der "Kronen Zeitung" werde von außen viel vorgeworfen, das ungerechtfertigt sei. Aber manche Kritik sei auch richtig, sagt Chefredakteur Herrmann, der von "Ausrutschern" spricht, die man jetzt ganz besonders vermeiden wolle. Im Umgang mit Ausländern war die "Krone" nicht zimperlich, jetzt will man hier anständiger und behutsamer sein, sagt Klaus Herrmann. Er erinnert sogar daran, dass die "Kronen Zeitung" 2015 angesichts der Flüchtlingsbewegung "freundlich" geschrieben habe.

Herrmann spricht darüber, inwiefern seine Zeitung "anständiger" werden soll.

Klaus Herrmann

APA/KRONEN ZEITUNG/CHRIS KOLLER

Klaus Herrmann

Den Nachweis etwa des Medien-Watchblogs Kobuk, dass die "Krone" die Wirklichkeit verzerrt darstelle und eine düstere Stimmung beschwöre, die nicht durch Daten abgedeckt sei, das weist Herrmann zunächst zurück - um dann am Beispiel der Berichterstattung über Drogendealer einzuräumen, dass es vielleicht auch hier manches zu hinterfragen gebe.

Auf Distanz zu den (schwarz)blauen Schafen

Zeitungen werden von den Journalisten geprägt, die dort arbeiten. Bei der "Krone" ist das im negativen Sinn Michael Jeannée, der in seiner Kolumne schon oft mit persönlichen Attacken gegen Politikerinnen und Promis aufgefallen ist, auch mit sexistischen Ausfällen. Chefredakteur Klaus Herrmann geht zu seinem Star-Schreiber auf Distanz und betont, dass er ihm klare rote Linien gezogen habe. Diese seien Jeannée auch bewusst.
Und Herrmann rückt auch von seinem Online-Kollegen Richard Schmitt ab, der krone.at zur Nummer zwei hinter dem Marktführer ORF.at gemacht hat - aber nie zimperlich in der Wahl der Mittel war. Seine Nähe zur FPÖ und speziell zum gescheiterten Vizekanzler Heinz-Christian Strache ist kein Geheiminis, seine Zukunft im "Krone"-Imperium ist offen.

Klaus Herrmann geht im #doublecheck-Interview auf Distanz zu Richard Schmitt und Michael Jeannée.

"Wir denken jetzt viel solidarischer"

Die Unabhängigkeit wird bei der "Kronen Zeitung" jetzt ganz groß geschrieben, schon nach dem EInstieg des Immobilieninvestors René Benko gab es Befürchtungen einer Machtübernahme. Die Familie Dichand befürchtet, von Benko ausgebootet zu werden, und diese Sorge ist nach dem Ibiza-Video nicht kleiner, sondern eher größer geworden. Hat doch Strache schon damals - eineinhalb Jahre vor dem tatsächlichen Einstieg Benkos - von dessen Begehrlichkeit Richtung "Krone" gesprochen. Chefredakteur Klaus Herrmann sagt, das habe seinem Haus endgültig die Augen geöffnet - auch in Richtung ORF, der ja realen Attacken der FPÖ ausgesetzt war. "Wir denken jetzt viel solidarischer als vor Ibiza", sagt Herrmann.

Wie die "Krone" Unabhängigkeit lebt

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Kobuk - In der Krone waren Ausländer 2017 viel krimineller als in der Realität

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