ein Mond in einer Hand

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Der Mond und das Internet

Von der Expansion und dem Schrumpfen unserer Welt.

1969 war das Jahr, in dem der erste Mensch einen Fuß auf festen Boden im Weltall setzte und zwei Buchstaben über ein Computernetzwerk von einem Ort zum anderen reisten. Die Geburtsstunde des Internets und die Mondlandung markieren den Beginn einer neuen Ära, die Eroberung des Weltraums und die Erfindung des virtuellen Raums. Beides hat in den vergangenen 50 Jahren unsere Welt größer und kleiner gemacht, sie expandieren, aber auch schrumpfen lassen.

Aus dem Weltall wirkt der Blaue Planet fragil, und wir leben längst in einem globalen Dorf, digital verbunden, immer und überall. Das Radiokolleg "Der Mond und das Internet" denkt diese beiden technologischen Revolutionen zusammen, die im Kalten Krieg ihren Ursprung haben. Gesucht wird nach historischen und aktuellen Schauplätzen, an denen sich Weltraum und virtueller Raum überlappen.

Cerro Paranal in der Atacama-Wüste

Einer dieser Orte ist Cerro Paranal in der Atacama-Wüste im Norden von Chile, wo die ESO, die Europäische Südsternwarte, seit 1999 ein Observatorium betreibt. Unter sternenklarem Nachthimmel weitab von Lichtverschmutzung, inmitten einer der trockensten Gegenden der Welt fangen die Astronom/innen das Licht aus dem Universum ein. "The biggest eye on the sky" besteht aus vier riesigen Teleskopen, deren Spiegel zum Very Large Telescope, dem VLT, zusammengeschaltet werden, erklärt Andreas Kaufer, Direktor des Paranal-Observatoriums.

Am Morgen schließen sich die Kuppeln der Teleskope des Very Large Telescope.

Am Morgen schließen sich die Kuppeln der Teleskope des Very Large Telescope.

ESO/H. HEYER

Der deutsche Astronom, der seit 20 Jahren die ESO-Beobachtungsstation in der Wüste leitet, war seither auch an vielen astronomischen Durchbrüchen beteiligt. So hatte das VLT von Beginn an das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße im Fokus. Erst voriges Jahr gelang es den Astronom/innen, einen Stern, der sich nur alle 17 Jahre in seiner Umlaufbahn um das Schwarze Loch bewegt, genau zu verfolgen und das Verhalten des extremen Gravitationsfeldes dabei zu studieren.

Ein Teleskop des Very Large Telescope schickt einen Laserstrahl in das Zentrum in der Milchstraße

Ein Teleskop des Very Large Telescope schickt einen Laserstrahl in das Zentrum in der Milchstraße.

ESO/Y. BELETSKY

Informationen aus dem All

Die ESO in Chile war auch maßgeblich an der weltweiten Kooperation beteiligt, die im April dieses Jahres für eine Sensation sorgte: das erste Foto eines Schwarzen Lochs - noch dazu aus einer weit entfernten Galaxie. Das digitale Bild, das sich aus der Datenfülle weltweiter Beobachtungen speist, ist ein Beweisstück für die Erfolge einer Astronomie, die auf das Zusammenspiel vieler Quellen und Methoden setzt, betont Andreas Kaufer. Bei dieser Multi-Messenger-Astronomie werden alle Arten von Botschaften aus dem All miteinbezogen, verschieden lange Lichtwellen, Gravitationswellen oder Neutrinos werden gemeinsam ausgewertet.

  • Controlroom von Parana

    Im Controlroom von Paranal. Hier verbringen die Astronomen der ESO ihre Nächte, nicht unter dem beeindruckend dichten Sternenhimmel der Südhalbkugel, sondern im Großraumbüro vor endlosen Datenreihen an ihren Computerbildschirmen.

    INA ZWERGER

  • Sonnenuntergang

    Viele Astronomen genießen den spektakulären Ausblick auf die untergehende Sonne. Für sie beginnt der Arbeitstag in den Abendstunden. Das in der Wüstenlandschaft untergehende Sonnenlicht, taucht die außergewöhnliche Architektur in rosa, lila und rotes Licht und verstärkt das Gefühl an einem außerirdischen Ort zu sein.

    INA ZWERGER

  • Die Atacamawüste

    Die Atacamawüste ist die trockenste Gegend der Welt. Während die Europäer hier mit riesigen Teleskopen das Licht aus dem Universum einfangen, nützen die USA die Wüstenlandschaft zum Testen ihrer Marsroboter.

    INA ZWERGER

  • Baustelle des  "Extremely Large Telescope"

    Am Cerro Armazonas werden gerade die Fundamente für das ELT, das "Extremely Large Telescope" der ESO gelegt. Die lichtsammelnde Fläche des ELT, des größten Teleskops der Welt für sichtbares Licht und nahes Infrarot, wird 1.000 Quadratmeter haben. Das größte Auge, das die Menschheit je auf den Himmel gerichtet hat, um Ausschau nach extraterrestrischem Leben zu halten.

    Die Atacamawüste

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Ein Besuch im Control Room von Paranal bringt dann eine gewisse Ernüchterung, was die Arbeit der Digital-Astronom/innen betrifft. Sie verbringen ihre Nächte nicht unter dem beeindruckenden Sternenhimmel der Südhalbkugel, sondern vor endlosen Datenreihen an ihren Computerbildschirmen. Und neben Wasser sind dicke Datenleitungen auch das Wichtigste, das auf dem Gelände des neuen Extremely Large Telescope nicht fehlen darf.

Fundamente extraterrestrischen Lebens

Pascal Lapeyre ist verantwortlich für den Bau des weltweit größten Teleskops, das derzeit unweit von Paranal aus dem Wüstenboden gestampft wird. Fast 40 Meter Durchmesser wird der gigantische Hauptspiegel des ELT haben. Dort, wo jetzt die Fundamente zu bestaunen sind, wird in wenigen Jahren gezielt nach Signalen von extraterrestrischem Leben Ausschau gehalten werden.

Gestaltung