Bernhard Wenger

HANNA SCHWAIGER

Bernhard Wenger, Regie

1992 in Salzburg geboren, zog Bernhard Wenger nach der Matura nach Wien, wo er professionelle Seterfahrung sammelte und Filmwissenschaften studierte. Seit 2014 ist er Student der Filmakademie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Mit seinem Kurzfilm "Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin" gewann er den Österreichischen Filmpreis 2019.

Was ist Kunst?

Ich denke Kunst ist der individuelle Ausdruck einer Sichtweise auf die Welt oder einen Teil dieser. Kunst ist eine Form der Kommunikation, die Kunstschaffenden die Möglichkeit bietet Mitmenschen diese Sichtweise mitzuteilen, meist mithilfe anderer Mittel als alltäglichem Dialog. Kunst soll anregen, aufmerksam machen, bewusst machen, Emotionen transportieren, Kunst kann informieren, unterhalten, schockieren und Freude bereiten.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich habe als Jugendlicher aus Interesse am Schauspiel begonnen, mit Freunden kleine Filme zu machen, bis ich gemerkt habe, dass mich die Rolle hinter der Kamera noch mehr anzieht und ich zu Schreiben und Inszenieren begonnen habe. Dass ich Filmemacher werden möchte, war somit sehr früh klar und etwas anderes kann ich mir seit meiner Jugend nicht vorstellen.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Kunst kann alles, darf alles und will oft alles, Kunst muss aber nie meiner Meinung nach. Auch wenn ich mit großer Sorge auf den politischen Rechtsruck unserer Gesellschaft blicke und wir dagegen ankämpfen müssen, denke ich nicht, dass dadurch jeder Film zwingend politisch sein muss. Ob eine Komödie unterhält oder ein Drama bewegt, beides macht etwas mit dem Menschen - und das ist es, was wir als Filmemacher schaffen müssen. Wenn ein Zuseher zum Beispiel durch das Ansehen eines Films einen bereicherteren Tag hat und man dieser Person dadurch etwas Frust oder Wut nehmen konnte, ist das schon ein kleiner Schritt.

Wo würden Sie am liebsten ihre Filme zeigen?

Ich denke, jeder Filmemacher wünscht sich mal bei einem großen Festival zu laufen. Natürlich wäre es großartig mal einen Film in Cannes, Berlin, Venedig, Toronto oder einem anderen A-Festival zeigen zu können. Aber ich denke, man muss sich Ziele in kleineren Etappen stecken und so ist mein derzeitiges Ziel, mein ersten Kinofilm zu drehen, wenn das soweit ist, sehe ich weiter.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Es gibt viele internationale SchauspielerInnen, deren Arbeit ich sehr bewundere und mit denen eine Zusammenarbeit herrlich wäre. Rachel Weisz, Léa Seydoux, Jessica Barden, Michael Fassbender, Bryan Cranston, Madds Mikkelsen sind Namen, die mir dabei gerade einfallen.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Der Markt sollte den Künstler nie in seinem Schaffen beeinträchtigen oder lenken, der Kreativität sollte immer freien Lauf gelassen werden. Künstler müssen durch ihre Arbeit auch Geld verdienen, daher ist der Markt trotz alledem sehr wichtig für die Kunst. Filme sind am Ende immer für ein Publikum bestimmt. Selbst für sehr künstlerische oder auch experimentelle Filme gibt es einen eigenen Markt. Dieser ist natürlich je nach Film verschieden. Ein reiner Unterhaltungsfilm findet sein Publikum in großen Multiplex-Kinos, ein Arthousefilm eher bei Filmfestivals und in kleineren Programmkinos. Der letzte Teil im Prozess des Filmemachens ist immer das Screening des Films. Erst wenn ein Film vom Zusehern gesehen wird und diese das Werk aufnehmen und sich ihre Meinung dazu bilden, ist ein Film abgeschlossen, meiner Meinung nach.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Wie bereits erwähnt, gibt es beim Film verschiedene Märkte. Diese Märkte werden jedoch immer durch ihre jeweiligen Rezipienten beeinflusst. Ein Publikumsfilm bleibt länger im Kino, wenn ihn viele Zuseher über einen längeren Zeitraum ansehen. Bei einem Festivalfilm bestimmen meist Jurys über den Erfolg eines Filmes, bzw. Vorjurys, ob der Film überhaupt beim Festival gezeigt wird. Nach dem klassischen Verständnis von Kunst, wird man einen Arthouse- oder Festivalfilm meist eher als Kunst einordnen, als einen Publikumsfilm. Demnach könnte man behaupten, der breite Markt vertrage nicht sehr viel Kunst. Ich bin allerdings der Meinung, dass es auch eine große Kunst ist, einen gelungenen Unterhaltungsfilm zu gestalten. Es ist bloß eine andere Form von Kunst.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Materielles ist mir nicht wichtig. Wichtig ist es, das Leben zu genießen und zu wertschätzen, da spielt zum Beispiel Kulinarik eine ganz große Rolle. Gute Küche ist mir wahnsinnig wichtig, daher koche ich selbst auch sehr gerne. Daher würde ich mein letztes Geld wohl für Essen ausgeben.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich hoffe in zehn Jahren bereits den ein oder andern Film in die Kinos gebracht zu haben. Ich hoffe sehr, dass der Österreichische Film in zehn Jahren weiterhin so erfolgreich ist wie bisher. Ich hoffe, dass das Kunstschaffen nicht durch rechte Politik eigeschränkt wird und wir uns nach wie vor frei entfalten können. Gegen jegliche Einschränkung müssen wir auf jeden Fall alle gemeinsam arbeiten.

Haben Sie einen Plan B?

Nein, nicht Filmemachen ist keine Option. Ich denke, "was, wenn es nichts wird", ist die falsche Einstellung, so kommt man nicht weit. Ich bin meist realistischer Optimist.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Wenn man zum Beispiel nicht gerade nackt, schreiend durch die Kärntnerstraße läuft, merkt man es vielleicht selbst gar nicht, wenn man wo unangenehm auffällt. Ich bin jemand, der sagt, was er denkt. Der Ton macht natürlich immer die Musik, aber Ehrlichkeit ist etwas, mit dem nicht jeder umgehen kann, da sie leider nicht alltäglich in unserer Gesellschaft ist. Daher kann es gut sein, dass das für andere Menschen manchmal unangenehm ist.

Wollen Sie die Welt verändern?

Die ganze Welt mit meinen Filmen zu verändern, gelingt definitiv nicht, aber wenn man es schafft, einen kleinen Teil unserer Welt zu verändern, dann ist das schon eine großartige Errungenschaft.