Zeit-Ton

Pasolini im postmodernen Klangbild. Gestaltung: Lothar Knessl

Hintergründig wirkt die Intellektualität von Antonio Gramsci (1891-1937), philosophischer Vordenker des italienischen Kommunismus, auch Gründer der Zeitung "Unità". Mit dessen strenger Ideologie setzte sich kritisch wie literarisch der Filmregisseur Pier Paolo Pasolini (1922-1975, ermordet) auseinander, indem er dialektisch künstlerische Individualität und schöpferische Leidenschaft dagegen stellte. In Pasolinis erstem Lyrikband ist dies, titelgebend und symbolisch, an Gramscis Asche gelagert, angeregt von einem Besuch an dessen Grab in Rom: "Le cèneri di Gramsci". Nun hat sich Komponist Manfred Trojahn dieser politisch marxistisch fundierten Thematik angenommen und unter obigem Titel 2013 sechs Gesänge für Bariton und Ensemble geschrieben, die Anfang Dezember in Rom beim Festival "Nuova consonanza" uraufgeführt und erstmals schon am 18. Dezember im Wiener Konzerthaus wiederaufgeführt wurden (Ensemble musikFabrik, Bariton Dietrich Henschel).

Trojahn, Generationsgenosse von Rihm und Schweinitz, wurde einst dem fragwürdigen Etikett "neue Einfachheit" beigesellt, mittlerweile landete er in der schillernden Vielfalt der sogenannten Postmoderne. Seine Vorbilder reichen von Rossini über Henze bis Ligeti. "Gramscis Asche" verfolge ihn schon geraume Zeit als neuerdings wieder aktueller Konfliktstoff geradezu brennend. Kompositorisch wählte er die Form reflexiver Monologe. Der Vokalpart ist umhüllt von der stets wechselnden Ensemblebesetzung, in kleinen Formationen z. B. Streichquartett, aber auch farblich angereichert durch Sonderinstrumente wie Vibraphon, Singende Säge, Marimbaphon.

Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Manfred Trojahn
Titel: Le ceneri di gramsci, Sechs Gesänge für Bariton und Ensemble auf Texte von Pier Paolo Pasolini (EA)
* Non è di maggio . 1.Satz
Tra i due mondi . 2.Satz
Uno straccetto rosso . 3.Satz
Lo scandalo del contraddirmi . 4.Satz
Non dico l'individuo - 5.Satz
Me ne vado . 6.Satz (Ausschnitt)
Ausführende: Ensemble musikFabrik
Leitung: Peter Rundel
Ausführender/Ausführende: Dietrich Henschel /Bariton
Länge: 42:20 min
Label: Bärenreiter / Leihmaterial

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