Der Ansturm ist ausgeblieben

Seit erstem Mai ist der österreichische Arbeitsmarkt auch für die 2004 der EU beigetretenen Länder geöffnet. Bis zu 20.000 zusätzliche Arbeitskräfte wurden erwartet und die Wirtschaft hoffte auf dringend benötigte Facharbeiter. Bis jetzt haben sich aber weder die Befürchtungen, noch die Hoffnungen erfüllt.

Mittagsjournal, 28.05.2011

Kein Ansturm, aber Interesse

Knapp ein Monat nach der Arbeitsmarktöffnung sind noch keine großen Veränderungen zu bemerken: Der von manchen befürchtete massive Ansturm von Arbeitskräften aus Osteueropa ist ebenso ausgeblieben wie die erhofften Facharbeiter. Das bestätigt Rolf Gleissner von der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer. Und diesen Eindruck hat man auch bei der Gewerkschaft, erklärt Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB. Das Interesse von Arbeitskräften und Unternehmen, in Österreich tätigt zu werden, sei aber gestiegen, stellt Rolf Gleissner von der Wirtschaftskammer fest: Speziell im Baubereich würden jetzt Anbieter aus dem Baubereich tätig.

Information an der Grenze

Noch vor der Arbeitsmarktöffnung wurde in Österreich das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping beschlossen. Es soll garantieren, dass Arbeitskräfte aus dem Osten gleich viel bezahlt bekommen wie Österreicher. Darüber informiere die Gewerkschaft auch direkt an den Grenzen mit der Verteilung von Broschüren, sagt ÖGB-Sekretär Achitz. Kontrolliert wird von den Gebietskrankenkassen, der Finanzpolizei und auch von der Bauarbeiter-Urlaubskasse. Bis jetzt seien aber noch keine Auffälligkeiten gemeldet worden, heißt es von Gewerkschaft und Wirtschaftskammer.

Analyse im Herbst

Vor allem die Bauwirtschaft war wegen der ausländischen Konkurrenz besorgt. Rolf Gleissner von der Wirtschaftskammer weist noch einmal auf die Risiken für den Konsumenten hinsichtlich Gewährleistung und Qualität hin. Ob auch der Pfusch durch die Arbeitsmarktöffnung eingedämmt wird, werde sich erst zeigen. Eine exakte Bilanz der Auswirkungen der Arbeitsmarktöffnung sei frühestens im Herbst möglich, sind sich Wirtschaftskammer und Gewerkschaft einig.