Fischler gegen fünf Kandidaten im Rennen

FAO wählt Generaldirektor

Eine Welt ohne Hunger und Unterernährung, zu der die Landwirtschaft nachhaltig ihren Beitrag leistet, das ist die Vision der FAO, der in Rom ansässigen Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO. Dazu möchte auch Ex-EU-Kommissar Franz Fischler beisteuern. Er geht als österreichischer Kandidat um den Generaldirektor-Posten ins Rennen, der am Sonntag gewählt wird.

Morgenjournal, 25.06.2011

Arbeit gegen den Hunger

Es werden auf diesem Planeten so viele Lebensmittel produziert wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Moderne Landwirtschaft, Dünger auch Gentechnik machen das möglich. Doch während wir in der sogenannten ersten Welt uns oft von einer Diät zur nächsten quälen, um die Fettpolster wieder von den Hüften zu bekommen - leidet rund eine Milliarde Menschen unter Mangelernährung und Hunger. Die in Rom ansässige UNO Organisation FAO sollte diesen Missstand beheben - doch seit Ihrer Gründung nach dem zweiten Weltkrieg kann sie mit eher nur bescheidenen Erfolgen aufwarten. Am Sonntag wird in Rom der neue Generaldirektor gewählt, einer der Favoriten ist der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler. Sollte er die Wahl gewinnen wartet jedenfalls viel Arbeit auf ihn.

Gebogene Tische - fragwürdige Optik

Showeinlagen, große Reden - viele Versprechungen: Die FAO-Konferenz vergangenen Herbst hier in Rom war vor allem ein großes Spektakel. Wenn die dicken Limousinen vorfahren und bei prall gefüllten Tischen über den Hunger der Welt gesprochen wird - dann ergibt das zumindest eine fragwürdige Optik.

Fischler für radikalen Umbau

Mehr konkrete Ergebnisse - und weniger Produktion von Papier - dieses Ziel wird sich der neue FAO-Generaldirektor setzen müssen. Franz Fischler denkt jedenfalls über einen radikalen Umbau der FAO nach - sollte er gewählt werden. Die FAO-Politik müsse sich ändern, auch die Organisation und es müsse besser kommuniziert werden. Es würde, so Fischler darum gehen, die rund 500 Millionen Kleinstbauern dabei zu unterstützen, höhere Erträge zu erwirtschaften.

Auch die verstärkte Lagerhaltung von Lebensmitteln wird für den künftigen FAO-Chef ein wichtiges Ziel sein müssen - vor allem um den Rohstoffbörsen etwas entgegenhalten zu können - so wie es mit den strategischen Erdölreserven ja auch gerade in diesen Tagen wieder einmal vorgemacht wird.

Gegen Diebstahl von Land

Ein weiteres wichtiges Feld ist das sogenannte Land Grabbing. Wenn große Konzerne oder Länder wie China in Afrika Quadratkilometerweise das fruchtbarste Land kaufen oder pachten um darauf Weizen, Reis oder Soja anzubauen. Nicht für die lokalen - sondern für die eigenen Märkte. Das muss aufhören, sagt Andrea Ferrante von der biologischen Agrararbeitsgemeinschaft Italien - denn das Land wird den Bauern einfach weggenommen: Das ist unglaublich. Es wird Land verkauft, das seit Jahrhunderten von Bauern bewirtschaftet wird. Aber weil es keine Grundbücher gibt, können sie es verkaufen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Oberstes Prinzip auch der FAO wird die Hilfe zur Selbsthilfe werden. Jahrzehntelang hat man Lebensmittel in bedürftige Länder exportiert. Oft ein gutes Geschäft für die Herkunftsländer - meist eine Katastrophe für die Empfänger, denn der letzte Rest einer lokalen Versorgung wurde so vernichtet. Aber gerade weil das alles ein gutes Geschäft ist - wird es für den zukünftigen FAO-Chef ein hartes Stück Arbeit werden hier etwas zu ändern - egal wer morgen gewählt wird.

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FAO, engl