US-Schuldenkrise: Gefahr für Europa?

Bis nächsten Dienstag haben die USA Zeit, ihren Streit über die Staatsschulden ohne Folgen an den Finanzmärkten zu beenden. Betroffen vom Ausgang sind auch viele Kreditgeber in Europa. Müssen sie um ihr Geld in US-Anleihen zittern? Analysten geben dazu jetzt Entwarnung.

Morgenjournal, 28.07.2011

Irland und Großbritannien zittern

Wenn sich Demokraten und Republikaner nicht einigen können, ob und wie sie die Schuldengrenze anheben, könnte es zu einem Zahlungsausfall kommen. Das heißt, manche Kreditgeber müssen vielleicht auf ihr Geld warten. Die großen Kreditgeber der USA sind auf der ganzen Welt verstreut. Auch viele europäische Länder, wie etwa das hoch verschuldete Irland, haben den USA Geld geliehen und halten US-Staatsanleihen. Besteht also die Gefahr, dass europäische Länder ihr Geld nicht ganz oder zu spät zurück bekommen?

Experten geben Entwarnung

Das hoch verschuldete Irland hat den USA über 30 Milliarden Euro geliehen, Großbritannien, auch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, über 300 Milliarden Euro. Viele Kreditgeber in Europa könnten in große Schwierigkeiten kommen, wenn die USA ihre Schulden nicht, teilweise oder zu spät zurückzahlen.

Experten glauben aber nicht, dass es soweit kommt, etwa Monika Rosen, Chefanalystin für Private Banking bei der UniCredit Bank. Dass die Amerikaner ihre ausstehenden Anleihen oder die Zinsen darauf nicht zahlen sehe sie nicht, so Rosen. Auch Stefan Pichler, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, sieht keine große Gefahr. Beide betrachten den Schuldenstreit der USA eher als politische Debatte, als Auftakt zur Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr.

China und Japan führend

Wenn der Ernstfall eintritt und die USA zahlungsunfähig werden, wer müsste auf sein Geld warten? Die Kreditgeber sind auf der ganzen Welt verteilt: US-Staatsanleihen halten unter anderem Notenbanken, Banken, Versicherungen, Fonds oder Private. Die größten ausländischen Kreditgeber sind China und Japan. Auch die Ölstaaten, Brasilien oder Hongkong sind große Gläubiger.

In Europa halten vor allem Großbritannien, die Schweiz, Deutschland und Luxemburg viele US-Staatsanleihen.

Zahlungsausfall eher im Inland

Die Ausländer werden auf ihr Geld keinesfalls warten müssen, sagt Pichler: Wahrscheinlich sei, dass die USA zuerst im Inland einen Zahlungsausfall haben. Eine Möglichkeit sei hier, Anleihen an amerikanischen Schulden nicht zurückzuzahlen, eine andere Möglichkeit wäre Rechnungen wie Strom-, Telefonrechnungen, Gehalts-, oder Pensionszahlungen schuldig zu bleiben.

Das glaubt auch Monika Rosen. Selbst wenn die Ratingagenturen die USA abstrafen und sich die Kreditwürdigkeit auf dem Papier verschlechtert, würden US-Staatsanleihen trotzdem gefragt bleiben. Die Anleger würden die Anleihen nicht verkaufen, denn was sollten sie sonst kaufen, fragt sie. Denn der Anleihenmarkt in den USA sei der größte und liquideste der Welt.

USA zahlen Schulden zurück

Als größte Volkswirtschaft der Welt haben die USA also einen Sonderstatus. Sie machen mehr Schulden, weil sie sich das aufgrund ihrer dynamischen Wirtschaft leisten könnten.

Im Gegensatz zu den verschuldeten Europäern könnten die USA also jederzeit neue Kreditgeber finden, sagt auch Pichler, der Zahlungsausfall wäre nur eine politische Entscheidung. Bei den USA stehe außer Streit, dass die Schulden zurückgezahlt werden können.

Zu spüren bekommt die US-Schuldenkrise vor allem der Dollar, er verliert wegen der Unsicherheit an den Märkten gegenüber dem Euro und anderen Währungen an Wert. Darüber müssten sich Investoren mehr Sorgen machen, sagen die Experten.