Nowotny drängt die Politik

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, zeigt sich besorgt über die Börsentalfahrt. Im Ö1-Interview drängt Nowotny auf ein entschlosseneres Eingreifen der Politik. Andernfalls werde die Unsicherheit an den Börsen nicht nachlassen.

Mittagsjournal, 09.08.2011

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, im Interview mit Michael Csoklich

"Beschlüsse rasch umsetzen!"

Nowotny fordert von der Politik, die beim Euro-Gipfel im Juli getroffenen Beschlüsse "wirklich rasch" umzusetzen. "Im Augenblick sehen wir hier große Verzögerungen und damit auch Unsicherheit auf den Märkten", kritisiert der OeNB-Gouverneur. Zugleich müssten alle Staaten ihre Finanzen langfristig stabilisieren. Konkret bedeute das, so Nowotny: "Reduzierung der Defizite, Rückführung der Schuldenquoten."

Banken "parken" wieder Geld

Der OeNB-Gouverneur will zwar Meinungen, dass die aktuelle Krise so tief sei wie die nach der Lehman-Pleite, nicht bestätigen. Es gebe aber gewisse Parallelen, nämlich, dass die Banken bei der Kreditvergabe wieder vorsichtig werden und zunehmend Geld bei der EZB parken. "Die Einlagen der Banken bei der EZB sind massiv angestiegen. Das ist kein gutes Zeichen." Daher sei Stabilität und Sicherheit umso wichtiger.

"Irrationale" Börsen

Prognosen, wie es an den Börsen weitergeht, will Nowotny nicht abgeben: "Börsen sind ein sehr sensibles und manchmal irrationales Element." Die wirtschaftliche Lage habe sich ja nicht so abrupt verändert. Aber in die steigenden Befürchtungen, dass es international zu einem Abwärtstrend kommen könnte, werde Europa und damit auch Österreich mitgezogen - obwohl das von der Prognoseseite her für Europa nicht gelte.

Anleihenkauf "besser als Nichthandeln"

Es gehe nun darum, mit Klugheit und Entschlossenheit zu reagieren, verteidigt Nowotny den Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). In der EZB habe man ausführlich diskutiert und sei zum Schluss gekommen, dass jedes Handeln mit Risiko verbunden sei, nicht zu handeln aber mit noch einem größeren. Und es komme dadurch zu keiner Ausweitung der Geldmenge und es sei damit keine Inflationsproblematik verbunden.