Papst-Besuch in Deutschland

17 Auftritte absolviert Papst Benedikt XVI. während seiner viertägigen Deutschland-Reise. Die brisantesten Termine kamen am ersten Tag, vor allem die Rede im Bundestag. Am Abend hatte der Papst dann sozusagen ein Heimspiel. Vor vorwiegend katholischen Gästen zelebrierte er im Berliner Olympiastadion eine Messe.

Morgenjournal, 23.9.2011

Peter Fritz aus Berlin

Messe mit Bundeskanzlerin

Aus mehr als 60.000 Kehlen erschallte das Kirchenlied "Großer Gott, wir loben dich", am Abend im Berliner Olympiastadion, auch aus denen von Bundeskanzlerin, Bundespräsident und Parlamentspräsident. Der Papst zelebrierte im Stadion eine Messe, die von freundlicher Stimmung geprägt war, und von gelegentlichen Rückgriffen auf die alte, traditionelle lateinische Liturgie.

Schlechte Fische und Unkraut

Benedikt beschwor in seiner Predigt eine Kirche, die ihren Mitgliedern untereinander Halt gebe, aber er deutete zumindest an, dass innerkirchlich nicht alles zum Besten steht. Kein direkter Bezug auf die vielen Skandale rund um Missbrauch von Menschen in katholischer Obhut, aber doch ein dezenter Hinweis.

"Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung kommt, dass es in der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut, gibt und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und schöne Mysterium der Kirche nicht mehr", sagte der Papst.

Tausende demonstrierten

Am Rand des Papstbesuches wurde demonstriert, von rund 9.000 Menschen, die dem Papst unter vielem anderen mangelnde Toleranz gegenüber Homosexuellen und die Verurteilung des Kondomgebrauchs zum Vorwurf machten.

Auf Luthers Spuren

In Berlin wird der Papst heute noch mit Vertretern der muslimischen Glaubensgemeinschaft zusammentreffen, die in Berlin mehr Mitglieder zählt als die katholische Kirche.

Danach wird Benedikt nach Erfurt weiterreisen und dort mit führenden Repräsentanten der evangelischen Kirche Deutschlands zusammenkommen. Er wird das in dem Kloster tun, in dem einst Martin Luther wirkte, der protestantische Religionsstifter. In seiner Erfurter Zeit, als Augustinermönch, war Luther allerdings noch katholisch, das halten des Papstes Reiseplaner ausdrücklich fest.