Österreichweite Anlaufstelle für Opfer

Missbrauch: Opposition will Bundeskommission

Die Oppositionsparteien FPÖ, BZÖ und die Grünen verlangen eine neue bundesweite, staatliche Kommission zu den aktuellen Missbrauchsfällen. Diese Kommission soll sich um alle Missbrauchsopfer kümmern – egal ob aus staatlichen oder kirchlichen Einrichtungen.

Mittagsjournal, 19.10.2011

Bundesweite Anlaufstelle

Derzeit hat jede Einrichtung eine eigene Anlaufstelle für Missbrauchsopfer. Die katholische Kirche lässt die Klasnic-Kommission und die Ombudsstellen in den Diözesen Kirchenfälle prüfen. Jedes Bundesland kontrolliert die Fehler der eigenen Jugendwohlfahrt. Die Gefahr, dass dabei nicht ganz so genau hingesehen wird, ist für die ehemalige SPÖ-Abgeordnete und Studienautorin Irmtraut Karlsson der Hauptgrund, eine Bundeskommission einzuführen. An diese sollen sich Opfer aus allen Einrichtungen wenden könnten.

"Tendenz zur Vertuschung"

Die Bundesländer hätten eine Tendenz zur Vertuschung, wie sich beim aktuellen Missbrauchsfall in Wien zeige, meint BZÖ-Mandatar Ewald Stadler. Der Bund könnte einheitlich aufklären, so Stadler.

Auch FPÖ-Chef Heinz Christian Strache ortet Vertuschungsgefahr. Die Stadt Wien habe versucht, die Vorwürfe unter den Teppich zu kehren, so Strache. Er spricht nach den Vorwürfen über mögliche Massenvergewaltigungen im Heim Wilhelminenberg sogar von einer Art Fall Dutroux. Eine zentrale Anlaufstelle des Bundes sei sicherlich notwendig. Die Grünen fordern schon seit eineinhalb Jahren eine Bundeskommission.

Neue Kontrollen

Studienautorin und Ex-SPÖ-Abgeordnete Karlsson fordert, dass eine Bundeskommission auch in die heutigen Heime und Wohngemeinschaften der Jugendwohlfahrt geht und dort prüft. Es müsse ein einheitlicher Kontrollmechanismus für die bestehenden Einrichtungen der Jugendwohlfahrt geben, so Karlsson.

Denn seit den 1970er Jahren habe sich vieles verbessert, aber es sei keineswegs auszuschließen, dass es Missbrauch und Misshandlungen vereinzelt auch heute gebe. Von der Bundesregierung gibt es zum Thema Bundes-Anlaufstelle für Heimkinder bisher noch keine Reaktion. Vorerst jedenfalls hat der Bund nicht einmal eine Opferschutzeinrichtung für Schüler aus Bundesinternaten eingerichtet.

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