Auf Banken kommen harte Zeiten zu

Auf die europäischen Großbanken kommen nach dem Brüsseler Sondergipfel neue Herausforderungen zu: Sie müssen ihre Kernkapitalquote auf neun Prozent erhöhen. Dazu benötigen die österreichischen Großbanken zusätzliches Kapital. Insgesamt sollen es drei Milliarden sein.

Mittagsjournal, 28.10.2011

Drei Möglichkeiten

Banken haben grundsätzlich drei Möglichkeiten, um ihr Eigenkapital zu stärken: sie können Gewinne im Unternehmen behalten und Beteiligungen verkaufen, und so die Rücklagen stärken; sie können Kapital von Dritten aufnehmen, indem sie neue Aktien ausgeben oder sich Geld vom Eigentümer holen und sie können Verpflichtungen reduzieren, die das eigenkapital belasten, wie Kreditzusagen an andere Banken oder Kreditausfallversicherungen.

Erste braucht 750 Millionen

Österreichs Banken werden alle drei Möglichkeiten nützen, der Kapitalbedarf ist unterschiedlich:

Die aktuellsten Zahlen stammen von der Erste Group: Bankchef Andreas Treichl hat heute bekannt gegeben, dass sein Haus mit 750 Millionen Euro Kapitalbedarf rechnet, um die Vorgaben der EU erfüllen zu können. Ursprünglich hatte die Europäische Bankenaufsicht den zusätzlichen Bedarf der Erste Group nur mit 59 Millionen Euro beziffert. Doch da war noch nicht bekannt, dass die Erste Group im 3.Quartal fast 1,5 Milliarden Euro Verlust gemacht hat, vor allem durch die Abschreibungen sogenannter Kreditausfallversicherungen. Die Erste Group hält zwar 540 Millionen Euro privates Partizipationskapital, doch das wird von der Europäischen Bankenaufsicht nicht als Teil des Kernkapitals anerkannt.

1,9 Milliarden bei Raiffeisen

Noch größer ist der Kapitalbedarf der Raiffeisenzentralbank, nämlich 1,9 Milliarden Euro. Hier wird eine Milliarde privates Partizipationskapital nicht berücksichtig. Das versteht man bei Raiffeisen nicht, hier werde mit zweierlei Maß gemessen, erklärt ein Sprecher der RZB. Denn das Partizipationskapital, das die Republik zur Bankenrettung vergeben hat, wird sehr wohl als Eigenkapital betrachtet. Die eine Milliarde Euro von privater Seite, im wesentlichen von den Raiffeisen-Landesbanken, aber nicht.

Volksbanken: 972 Millionen

Die dritte österreichische Großbank, die Volksbanken AG, braucht laut Berechnung der Bankenaufsicht 972 Millionen Euro zusätzliches Eigenkapital. Der Verkauf der Ostbankentochter VBI ist da nicht berücksichtig. Die Gruppe befindet sich derzeit aber in einer Restrukturierungsphase und hat sich aus dem Ostgeschäft bereits zurückgezogen.

UniCredit / Bank Austria: 5 Milliarden

Die Bank Austria ist eine Tochter der italienische UniCredit, und diese würde noch rund fünf Milliarden Euro benötigen, um auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen.

Mittagsjournal, 28.10.2011

Helmut Ettl von der Finanzmarktaufsicht ist optimistisch, dass die österreichischen Banken die neuen Auflagen aus Brüssel im Alleingang bewältigen werden können – und damit ohne staatliche Hilfe auskommen. Helmut Ettl im Gespräch mit