Britische Bankenreform steht

Die britische Regierung gibt grünes Licht für die wohl ehrgeizigste Bankenreform in der modernen Geschichte des Finanzplatzes London. Spareinlagen und Girokonten sollen vor dem risikoreichen Investmentbanking abgeschirmt werden. Im Fall eines Zusammenbruchs soll der Steuerzahler geschützt sein - allerdings erst ab 2019.

Morgenjournal, 20.12.2011

Trennung des Bankgeschäfts

Nach Angaben von Schatzkanzler George Osborne kostet die Reform die Institute umgerechnet bis zu 8,14 Milliarden Euro pro Jahr. Eine unabhängige Kommission hat in den letzten Monaten Vorschläge erarbeitet, Schatzkanzler George Osborne verpflichtet sich, diese auch umzusetzen. Britische Banken müssen demnach das Filialgeschäft und die Investmentseite voneinander trennen. Künftig sollen sie als zwei eigenständige Unternehmen mit eigenen Vorständen geführt werden, sagt Schatzkanzler George Osborne: "Die Reform kann nicht den Untergang einer Bank verhindern, aber wenn ein Institut in Schwierigkeiten gerät, kann das Privatkundengeschäft fortgeführt werden - ohne Hilfe vom Steuerzahler." Zudem müssen die Banken ihre Eigenkapitalquote erhöhen.

Frist bis 2019

Die Branche hatte sich ursprünglich gegen die Reform gewehrt, die hohen Kosten für die Refinanzierung von mehr als 8 Milliarden Euro jährlich würden die stagnierende Wirtschaft noch stärker gefährden. Damit die Banken die Mehrkosten nicht auf die Kunden abwälzen, bekommen sie nun mehr Zeit. Bis 2019 müssen die neuen Regeln eingeführt sein, sagt Wirtschaftsminister Vince Cable: "Das muss erledigt werden, wir können nicht zulassen, dass die Steuerzahler wieder Rettungspakete für die Banken finanzieren müssen."

Teure Rettungsaktionen

Die Reform des Bankensystems war überfällig, vor allem Großbritannien hat der Finanzkollaps hart getroffen. Bis 2008 erwirtschaftete der Finanzsektor knapp zwölf Prozent des britischen Bruttoinlandprodukts. Entsprechend schmerzhaft und teuer war auch die Rettungsaktion, mit der die Regierung Großbanken wie Lloyds und die Royal Bank of Scotland vor der Pleite bewahren musste. Die Summe der direkten Kapitalhilfen und der Garantien belief sich auf rund 990 Milliarden Euro. Die zu 100 Prozent im Staatsbesitz befindliche Bank Northern Rock wird mit Jahreswechsel an Richard Bransons Virgin Gruppe verkauft, die zu 84 Prozent verstaatlichte Royal Bank of Scotland wird umstrukturiert, ihr Investmentbereich soll stark verkleinert werden.

Unternehmensvertreter kritisieren, dass die Reform ein grundlegendes Problem nicht löst: Es ist für Kleine und mittlere Betriebe immer noch schwer, an Kredite zu kommen.