Machtwechsel in Paris

Mit 51,6 Prozent hat der Sozialist Francois Hollande die Stichwahl um das Amt des Staatspräsidenten gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewonnen. Sarkozy kündigte an, sich aus dem politischen Leben zu verabschieden. Bis in den frühen Morgen haben die Anhänger des neuen Präsidenten auf dem Pariser Platz der Bastille, wie schon 1981 bei Francois Mitterrand, den Sieg der Linken gefeiert.

Morgenjournal, 7.5.2012

Aus Paris berichtet Hans Woller

"Ein großer Moment"

Mit dem 57-jährigen Hollande zieht , 17 Jahre nach Ende der Ära Mitterrand, erstmals wieder ein Sozialist in den Elysee-Palast ein. "Es ist eine enorme Freude, wir zittern noch vor Freude, auch angesichts der riesigen Menge hier. Heute Abend wird gefeiert, morgen beginnt die Arbeit und es gibt genug davon", so die sozialistische Parteichefin und mögliche künftige Premierministerin Martine Aubry auf dem Platz der Bastille, bevor dort vor Zehntausenden ein mehrere Stunden dauerndes Konzert begann, bei dem Francois Hollande erst weit nach Mitternacht eintraf und der Menge zurief: "Wir leben einen großen, einen schönen Moment und dieser Sieg soll nichts zu tun haben mit Revanche, sich Einschließen oder Rachsucht, nein es soll ein schöner und großer Sieg sein, der unser ganzes Land höher hebt, uns glücklich macht und uns eint."

Wahl als "Signal" an Europa

Zuvor hatte Hollande in der zentralfranzösischen Kleinstadt Tulle seine erste Rede als neuer Präsident gehalten, Respekt für die politisch anders Denkenden und die Arbeit von Nicolas Sarkozy als Staatspräsident gefordert, von einem neuen Vertrauensverhältnis gesprochen, das er mit den Franzosen aufbauen wolle und vom Stolz, im Land eine neue Hoffnung geweckt zu haben, aber auch über Frankreichs Grenzen hinaus: "Ich bin sicher , dass das Wahlergebnis für so manche europäischen Länder eine Erleichterung darstellt, ein Signal, dass die rigide Sparpolitik endlich kein unabwendbares Schicksal sein muss. Und das ist jetzt meine Aufgabe: der europäischen Konstruktion eine Dimension für Wachstum und Arbeitsplätze zu geben, und das werde ich unseren europäischen Partnern so bald wie möglich sagen, allen voran Deutschland, im Namen der Freundschaft, die uns verbindet und unserer gemeinsamen Verantwortung."

Gratulation und Rücktritt

Nicolas Sarkozy trat nur eine halbe Stunde nach dem Endergebnis und nachdem er Francois Hollande telefonisch gratuliert hatte in Paris, blass und ernst, verantwortungsbewusst und staatsmännisch vor seine Anhänger: "Frankreich hat einen neuen Präsidenten der Republik, das ist eine demokratische, republikanische Wahl, Francois Hollande ist der neue Präsident und er muss respektiert werden." Nicolas Sarkozy übernahm ausdrücklich die volle Verantwortung für diese Niederlage und sagte, was seine Zukunft angeht, ganz klar, dass er sich aus der Politik zurückziehen wird: "Im Augenblick , da ich mich anschicke, ein Franzose unter Franzosen zu werden , empfinde ich stärker denn je tief im Herzen die Liebe zu meinem Land."