In den Fußstapfen Mitterands

Der zukünftige französische Präsident Francois Hollande will im Gegensatz zu Nicolas Sarkozy ein "normaler" Präsident werden. Jahrelang stand er im Schatten berühmter französischer Sozialisten. In den letzten zwei Jahren ist es ihm gelungen, sein Image gänzlich zu wandeln - mit Erfolg: Jetzt hat er Nicolas Sarkozy aus dem Elysee Palast vertrieben.

Morgenjournal, 7.5.2012

Von Mitterand entdeckt

Francois Hollande ist sichtlich anders als Nicolas Sarkozy. Am Abend nach seiner Rede bedankt er sich wie ein Showmaster bei jedem Musiker einzeln und zeigt sich gerührt über die Schönheit der Stadt Tulles, deren Bürgermeister er sieben Jahre lang war. Es war Francois Mitterand, der Hollande Anfang der 80-er Jahre entdeckt hat. Hollande engagiert sich damals im Wahlkampf und wird Kabinettchef mehrerer Minister. Später wird er Abgeordneter, bis ihn Lionel Jospin zum Parteivorsitzenden beruft. Er soll die sozialistische Partei erneuern.

Die Frau hinter dem Wandel

Privat hat Francois Hollande lange Zeit mit der sozialistischen Politikerin Segolene Royal zusammengelebt. Er kennt sie aus der Eliteuniversität ENA, der französischen Kaderschmiede, die auch er besucht hat. Mit ihr hat er vier Kinder. Er trennt sich von Royal, nachdem sie 2007 gegen Nicolas Sarkozy die Präsidentenwahl verliert. Heute ist die Frau an seiner Seite die 47-jährige Journalistin Valerie Trierweiler. Im Wahlkampf ist sie diskret im Hintergrund geblieben. Sie gilt als die Frau, die hinter Hollandes erstaunlichem Wandel zum Präsidenten steht. Erstmals soll er ihr im Herbst 2009 von seinen Plänen erzählt haben: "Er hat sehr spät darüber gesprochen. Er hat mir die Frage gestellt, und ich habe ihm geantwortet: Wenn du glaubst, dass du der Beste bist, dann tu es. Und er hat geantwortet, ich bin der Beste. Das war das erste Mal, dass er so etwas gesagt hat."

Sprüche wie Mitterand

Und Hollande arbeitet hart. Er speckt ab, über zehn Kilogramm, und wird aggressiver in seinen Reden. Als ihn schließlich voriges Jahr die Partei zum Präsidentschaftskandidaten aufstellt, ist er ein anderer Mensch. Er stellt einen 60-Punkte-Plan auf, um Frankreich zu reformieren. Bei dem Duell gegen Nicolas Sarkozy zeigt er sich stark und würdevoll. Und er verwendet dieselben Sprüche wie Francois Mitterand, als dieser 1981 zum Präsidenten gewählt wurde.

Francois Hollande ist jetzt Präsident. Und er ist erst der zweite sozialistische Präsident Frankreichs. Was die französischen Kommentoren dazu bewegt hat zu behaupten: In Frankreich muss ein Sozialist Francois heißen, um Präsident zu werden.