Schlussstrich im Fall Kampusch
Wolfgang Priklopil, der Entführer von Natascha Kampusch, war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Einzeltäter. Das hat die neuerliche Überprüfung des Falles durch österreichische Ermittler mit Experten des amerikanischen FBI und des deutschen Bundeskriminalamts ergeben. Aufgrund von Kritik des ehemaligen Präsidenten des obersten Gerichtshofs, Johann Rzeszut, hatte ein Unterausschuss des Parlaments die neuerliche Evaluierung angeregt.
8. April 2017, 21:58
Abendjournal, 15.4.2013
Kein Zweittäter
20 Ermittler, Experten und hochrangige Ministerialbeamte haben 300.000 Aktenseiten studiert. Auch Zeugen wurden befragt und Lokalaugenscheine durchgeführt. Jörg Ziercke, Präsident des deutschen Bundeskriminalamts: Priklopis ei mit hoher Wahrscheinlichkeit Einzeltäter gewesen. Außerdem habe er eindeutig Selbstmord begangen. Es gab auch keine Bezüge ins Rotlicht-Milieu.
Eine Zeugin, die immer von zwei Entführern gesprochen hat, bezeichnet Ziercke als "subjektiv glaubwürdig", objektiv habe sie sich geirrt. Wieder einmal ist von zahlreichen Ermittlungsfehlern die Rede. Um daraus zu lernen, soll es neue Richtlinien für Ermittlungen in großen Fällen geben, sagen Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek und Herbert Anderl, Ex-Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Aber selbst wenn Hinweisen auf Wolfgang Priklopil besser nachgegangen worden wäre, das Verlies hätte man nicht gefunden, meint Bundeskriminalamtschef Ziercke. Das war auch eine Begründung, warum Natascha Kampusch keine Entschädigung erhalten hat. Ziercke sagt, man habe Nachforschungen sogar mit Hunden betrieben und nichts gefunden, da es nicht so ohne Weiteres zu finden gewesen sei..
Noch keine Reaktion gibt es von Johann Rzeszut, dem Ex-OGH-Präsidenten, der die Untersuchungen ausgelöst hat. Er sagt, er kenne den Bericht noch nicht.
