Traiskirchen: Flüchtlinge schlafen in Bussen

Leichte aber noch nicht völlige Entspannung: das ist die Bilanz eine Woche nach dem sogenannten Aufnahmestopp in Traiskirchen. Statt 4.500 sind jetzt noch 3.600 Menschen dort - aber von ihnen immer noch eintausend obdachlos. Und selbst nach dem Aufnahmestopp gibt es Neuankommende, die vorübergehend in Bussen untergebracht werden.

Flüchtlinge sitzen in einem Bus

APA/HERBERT P. OCZERET

Morgenjournal, 12.8.2015

Die Metalltüre am Eingang zum Gelände der Sicherheitsakademie Traiskirchen - für Journalisten bleibt sie geschlossen. Doch wer über die hohe Mauer schauen kann, sieht 10 bis 12 geparkte Busse mit offenen Türen, wo Asylwerber sitzen. "Die Leute schlafen im Bus und daneben auf der Erde", sagt der 15-jährige Afghane Ahmadí, der mit seinen zwei Schwestern außerhalb des Lagers am Boden sitzt.

Fast 600 Personen, die offiziell nicht in Traiskirchen aufgenommen sind, leben hier bei den Bussen. Die Österreicherin Birgit, die mit einer Freundin Essen gebracht hat, erklärt: Wir waren kurz drin, die Leute sitzen am Beton in praller Hitze, Kinder kommen gelaufen um Wasser. Und der 18-jährige Afghane Saidi erklärt angesichts der Hitze: Saidi, viele Babys haben Probleme, die sind krank.

Die kleine private Verteilaktion von Saft, Wasser, Bananen und Milch wird fortgesetzt vor dem Gelände der Sicherheitsakademie, wo uns die Helferin Birgit erklärt: Neuankömmlinge dürfen zunächst das Gelände der Sicherheitsakademie nicht verlassen. Die, die erfasst sind dürfen raus, die anderen nicht.

Die Asylwerber seien zunächst quasi eingesperrt in den Bussen bzw. am Gelände, hat der Standard berichtet. Aber die Kongolesin Veronique meint: "Ja, die ersten Tage, das ist normal, kann man Dich nicht hinauslassen, weil Du gerade erst gekommen bist." Das sei wohl wegen der Registrierung. Sie sei schon drei Tage da, andere sagen, sie leben schon fünf oder sieben Tage bei den Bussen.

Weniger normal findet Veronique die Verpflegung, es gibt nur Lunchpakete: "Jeden Tag bekommen wir Brot, Sardinen und ein bisschen Milch, jeden Tag."

Wir gehen vorbei an den bunten Camping-Zelten entlang des eigentlichen Flüchtlingslagers, wo auch private Helfer Essen, Hygieneartikel und Spielzeug verteilen - weiter zum eigentlichen Haupteingang des Asylwerberzentrums. Während es drüben bei den Bussen immer mehr Asylwerber werden, wird es hier allmählich leerer, erklärt Reza aus dem Iran: ein bisschen leerer ist es geworden, vor zwei Wochen waren ganz viele hier.

Hunderte sind in andere Quartiere gebracht worden, sagt seine Frau Marian: "Letzte Nacht haben viele Leute einen Transfer bekommen." Er: "Es gab einen Früh und einen Abendtransfer."
Und so kann Reza nun nach zwei Wochen Obdachlosigkeit in Traiskirchen, sagen, „jetzt schlafe ich im Zelt und meine Frau in einem Raum seit drei Tagen."

Die medizinische Versorgung, das Essen und die Sanitäreinrichtungen sind aber immer noch schlecht, erklärt das Paar, das mit zwei kleinen Kindern da ist. "Ich mag die Österreicher, die sind sehr nett. Aber die Regierung hat viele Probleme. Die Österreicher bringen Kleidung und Wasser und Obst. - Und für mich haben sie Sandalen gebracht und für meine Kinder Kleidung."

Übrigens, am Gelände in Traiskirchen gebe es neuerdings auch drei Wohnwägen, sagt Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck - und zwar für Frauen, die in den vergangenen Tagen Babies auf die Welt gebracht haben.