Alexander Wrabetz

APA/GEORG HOCHMUTH

Von der TV-Thek neu zum ORF-Player

Im #doublecheck-Interview mit Nadja Hahn spricht ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über seine Pläne für den ORF-Player, über das, was vier Monate nach der Medienenquete aus der Kooperation mit den Privaten geworden ist, und über Fortschritte in Sachen Fehlerkultur.

Ein gemeinsamer Player, der alle ORF-Angebote von Radio bis Fernsehen bündeln soll. Das ist der Plan des ORF-Generaldirektors, damit sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Netz auch in Zukunft behaupten kann. "Wir wollen eine Plattform, auf der alle ORF-Marken und Produktionen in einer neuen Anordnung gut auffindbar und gut nutzbar sind." Darüber hinaus sollen dort auch Inhalte angeboten werden, die ausschließlich für das Netz zu produziert werden. Dafür braucht es eine Gesetzesänderung.

Ein Dach für alle ORF-Angebote

Die einzelnen Seiten - sei es Ö1, die TV-Thek oder ORF.at - sollen neben dem neuen Player bestehen bleiben. Den Startschuss gibt der ORF-Generaldirektor mit 2020 an, das Entwicklungs-Budget liegt bei sechs Millionen Euro in drei Jahren. Das sei, gemessen am gesamten Investitionsbudget, "leistbar", sagt Alexander Wrabetz. Offen ist noch, welche Kosten dem ORF durch eigens für das Netz produzierte Inhalte entstehen. Ein entsprechender Businessplan soll dem Stiftungsrat bis Ende des Jahres vorgelegt werden.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im Interview mit Nadja Hahn

Runderneuerung für die TV-Thek

Noch dieses Jahr soll die ORF-TV-Thek rundum erneuert werden. Geplant sind neben optischen Veränderungen auch eine verbesserte Barrierefreiheit und "erste Personalisierungsfähigkeiten", also Möglichkeiten für persönliche Einstellungen der Nutzer.

Plattform für eine Medien-Allianz

Längerfristig soll der Player die Basis für eine Plattform gemeinsam mit anderen Medien werden. Für Wrabetz kann das erst ein zweiter Schritt sein: "Wir entwickeln den Player jetzt einmal als ein ORF-Produkt, aber er sollte so sein, dass er offen ist und eng mit anderen Plattformen kommunizieren kann", sagt der ORF-Chef.

Gemeinsame Vermarktung mit Privaten

In greifbarer Nähe ist eine Kooperation mit den Privaten bei der digitalen Vermarktung: Ab dem kommenden Jahr soll es ein gemeinsames Angebot der österreichischen Medien für die Werbewirtschaft geben, der ORF ist als reichweiten-starker Partner mit dabei. "Derzeit haben wir die Situation, dass 60 bis 70 Prozent der Werbegelder zu Google und Facebook gehen", so Wrabetz. Einzeln sei der Kampf gegen die US-Internetriesen aussichtslos, "daher ist es naheliegend, wenn wir Österreicher unser Angebot bündeln".

Strache im Fitness-Studio "untypisch"

Die angekündigten Maßnahmen zur Verbesserung der Fehlerkultur im ORF, die der Generaldirektor dem Stiftungsrat versprochen hat, seien im Gange. Konkrete Ergebnisse gibt es aber noch keine. Wrabetz sieht es auch mehr als Prozess, er betont: Es gebe immer noch viel zu verbessern, und das sei besonders in Zeiten wie diesen wichtig.

Angesprochen auf den viel kritisierten Beitrag über FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache in der Sendung "Europa Backstage" auf ORF 2 - wo der Vizekanzler beim Training im Fitness-Studio ausführlich zu sehen und zu hören war, sagt der ORF-Chef: Man müsse zwischen Informations- und Unterhaltungssendungen unterscheiden. Einen Politiker so darzustellen wie in dem umstrittenen Beitrag, sei aber "jedenfalls untypisch und sollte nicht die Regel werden".

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