Margaret Atwood

AP/ARTHUR MOLA

Neues Buch von Margaret Atwood

Unter strengsten Geheimhaltungsauflagen rüstet sich der britische Buchhandel für das Erscheinen von "The Testaments", der Romanfortsetzung von Margaret Atwoods 1985 erschienenem Weltbestseller "Der Report der Magd", Kultbuch einer ganzen Generation. "The Testaments" wird morgen (10. September) in mehreren Ländern gleichzeitig veröffentlicht, auf Deutsch unter dem Titel "Die Zeuginnen". Die 79-jährige Kanadierin gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit, Jahr für Jahr zählt sie zu den Kandidat/innen für den Literaturnobelpreis.

Morgenjournal | 09 09 2019

Kristina Pfoser

Angekündigt ist die Buchpremiere des Jahres - mit einer Inszenierung, die an den "Harry Potter"-Hype erinnert. Kurz vor Mitternacht wird Margaret Atwood heute in Europas größter Buchhandlung, bei Waterstones am Piccadilly Circus in London, bei einem glamourösen nächtlichen Festival erstmals aus dem Roman lesen. Und morgen Abend steht dann im Londoner National Theatre eine Fragestunde mit Margaret Atwood auf dem Programm, die weltweit in mehr als tausend Kinos direkt übertragen wird.

Der Report der Magd

Jetzt wird also das Geheimnis um "Die Zeuginnen" gelüftet. Bekannt ist bisher nur, dass die Booker-Prize-Jury begeistert ist, und "The Testaments" für die renommierte Auszeichnung nominiert hat. Bekannt ist auch, dass Margaret Atwood da den "Report der Magd" fortschreibt, den dystopischen Roman über den christlich-fundamentalistischen Gottesstaat Gilead, wo die wenigen noch fruchtbaren Frauen als Gebär-Sklavinnen gehalten werden.

Volker Schlöndorff hat die Geschichte 1990, fünf Jahre nach Erscheinen, verfilmt. Eine gefeierte US-amerikanische Fernsehadaption, ausgezeichnet mit Golden Globe- und Emmy Awards, deren dritte Staffel vor kurzem angelaufen ist, hat der Geschichte neue und zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft.

Wie in den 1930er Jahren

"Jede Geschichte, die in der Zukunft spielt, beschäftigt sich in Wahrheit mit der Gegenwart", sagt Margaret Atwood. Vor allem zwei Dinge hätten sie inspiriert, eine Fortsetzung zum "Report der Magd" zu schreiben: Die Fragen der Leserinnen und Leser zum Staat Gilead und die Welt, in der wir leben.

Margaret Atwoods "politisches Gespür und ihre Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen" wurden zuletzt hervorgehoben, als sie vor zwei Jahren in Frankfurt mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Zu ihrer Einschätzung der aktuellen Situation befragt, meinte sie da: "Das erinnert an die 1930er Jahre. Wie damals gibt es starke totalitäre Tendenzen - mit dem Unterschied, dass sie diesmal vor allem auch in den USA zu beobachten sind."

Roman als Flaschenpost

Mit ihren Büchern wolle sie aber keinesfalls missionieren, betonte Margaret Atwood, es gehe ihr vor allem um gute Geschichten, was ihre Leserinnen und Leser damit anfangen, das könne sie ohnehin nicht beeinflussen.

"Als Autorin ist es so, als würde man auf einer einsamen Insel stehen und eine Flaschenpost ins Wasser werfen und hoffen, dass sie von jemand gefunden wird, der die Message lesen kann." - Auf die Message der Zeuginnen warten wir gespannt.

Service

Margaret Atwood, "Die Zeuginnen", Roman, übersetzt von Monika Baark, Berlin Verlag
Originaltitel: "The Testaments"

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