Hermann Nitsch

APA/ROLAND SCHLAGER

Zeit-Ton

Hermann Nitsch als Komponist

Orgiastische Orgeln. In memoriam Hermann Nitsch.

Am Montag ist Hermann Nitsch im Alter von 83 Jahren verstorben. Im heutigen "Zeit-Ton" blicken wir auf sein umfangreiches musikalisches Schaffen zurück. Der Name Nitsch ist unweigerlich mit dem Wiener Aktionismus und seinen Schüttbildern verbunden. Weniger bekannt ist er als Komponist von Symphonien, Orgelkonzerten, Streichquartetten und seinen musikalischen Herangehensweisen an das Orgien-Mysterien-Theater, - über 50 Tonträger sind erschienen.

Bereits um 1960 hatte Hermann Nitsch Aktionen durchgeführt, die sich dem Orgien-Mysterien-Theater (O.M.T.) zuordnen lassen. Im Rahmen eines Gesamtkunstwerks war bei diesen dionysischen Aktionen Musik immer schon ein fundamentaler Bestandteil. Ingredienzien wie Blut und Wein weisen auf archaische Rituale hin, eine im besten Sinn orgiastische Berauschung. Zahlreiche Editionen wie "Das O.M.T. 120. Aktion. Das 2-Tage-Spiel" mit 20 oder "Musik der 122. Aktion" mit sechs CDs geben akustische Impressionen.

Seit 1971 lebte und arbeitete er auf Schloss Prinzendorf, das Schauplatz seiner Aktionen war. 2007 wurde mit dem Hermann-Nitsch-Museum in Mistelbach eines der größten monografischen Museen des Landes eröffnet.

Zusätzlich und rund um das O.M.T. hat Nitsch Radiostücke ("Akustisches Abreaktionsspiel", 1972), Orchesterarbeiten ("Island: Eine Sinfonie in 10 Sätzen", 1980) und besonders Werke für Orgel und Harmonium herausgebracht, wie etwa "Die Tiefe des Alls. Das Harmoniumwerk 1983-1989" oder "Orgelkonzert Berlin 2016". Mit "Traubenfleisch" ist eine mit dem Orchester Klangvereinigung Wien eingespielte Komposition erschienen, die - wie die meisten seiner neueren Werke - vom Label Tochnit Aleph veröffentlicht wurde.

Gestaltung: Heinrich Deisl

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