Schaufenster einer Buchhandlung

APA/DPA

Das Literaturjahr 2019

Zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken zählen nach wie vor Bücher. An die 80.000 Buchtitel sind in heuer im deutschen Sprachraum erschienen, 30 Prozent davon sind Belletristik, der Rest Ratgeber, Sachbuch und wissenschaftliche Publikationen, da fällt die Auswahl schwer.

Wir fragen: Welche Titel waren und sind 2019 im Buchhandel erfolgreich? Gab es besondere Entdeckungen? Was wurde in den Feuilletons groß besprochen und haben sich so etwas wie literarische Trends abgezeichnet?

"Die Obstdiebin"

2019 wird wohl als das Jahr des Peter Handke in die Literaturgeschichte eingehen. Seit dem 10. Oktober war und ist die Debatte um den österreichischen Nobelpreisträger das Thema im literarischen Feuilleton, wobei diese Debatte nicht nur von Handke-Lesern vorangetrieben wurde. Bei Suhrkamp sind jedenfalls an die 100 Titel lieferbar, 150.000 Exemplare wurden nach der Entscheidung des Nobelpreis-Komitees verkauft, und da liegt "Die Obstdiebin" mit 75.000 an der Spitze. Bei Amazon reicht das allerdings nur für den Bestsellerrang Nr. 948.

Buchpreise und -empfehlungen

Den Sprung unter die Top Ten zwischen Krimis und Liebesromane hat da einer von Handkes schärfsten Kritiker geschafft: der deutsche Buchpreisträger Sasa Stanisic mit "Herkunft" und auf Platz elf hält die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, deren kürzlich bei Kampa erschienener Roman "Die Jakobsbücher" nicht nur wegen seines Umfangs von fast 1.200 Seiten zu den gewichtigen Büchern dieses Jahres zählt.

Aber zurück zu den Anfängen: Begonnen hat das Literaturjahr 2019 mit einer spektakulären Inszenierung: begleitet von heftigem PR-Rummel kam Anfang Jänner "Serotonin" von Michel Houellebecq auf den Markt und der Titel hält, was den Leserinnen und Lesern versprochen wurde, meint Daniela Strigl, "es ist ein zentrales Buch der letzten Jahre, ein Buch über die Liebe. Houellebecq hat da den gut versteckten Romantiker in sich entdeckt", und nicht zuletzt das hat ihm auch den Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur eingebracht.

Neues und neu Entdecktes aus Österreich

Auf einen Blick in die abgelegenen Winkel des Literaturbetriebs setzt die Feuilletonchefin der Wochenzeitung "Die Furche" Brigitte Schwens-Harrant, und zwar auf die Initiative österreichischer Verlage, vergessene Frauen in den Kanon zurückzuholen, Autorinnen die in der Zwischenkriegszeit oder am Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreich waren, wie Friederike Manner, Joe Lederer oder Herta Pauli.

Auch mit altbekannten Namen kann die österreichische Literatur im Weihnachtsgeschäft punkten: Mit neuen Büchern von Clemens Setz über Karl-Markus Gauß und Marlene Streeruwitz bis zu Norbert Gstrein, dessen Roman "Als ich jung war" auch mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Gute Nachrichten vom Buchmarkt

"Eines der besten Bücher von Norbert Gstrein, weil hier die Gewissheiten infrage gestellt werden", meint Daniela Strigl. "Genau das, was man im öffentlichen Diskurs vermisst, nämlich Differenzierung, wird hier literarisch vorgeführt." Nicht nur die Kritik war von Norbert Gstrein begeistert, weiß der Buchhändler Johannes Kößler, der Buchpreis habe die Nachfrage noch zusätzlich verstärkt.

Vom Buchmarkt kommen insgesamt gute Nachrichten, nach dem jahrelangen Abwärtstrend wird für die ersten drei Quartale 2019 ein Umsatzplus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gemeldet, besonders erfolgreich: das Sachbuch mit einem Plus von 9,6 Prozent.

Service

  • Peter Handke, "Wunschloses Unglück"; "Versuch über den Stillen Ort"; "Versuch über den Pilznarren"; "Die Wiederholung"; "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter"; alle: Suhrkamp
  • Sasa Stanisic, "Herkunft", Luchterhand
  • Olga Tokarczuk, "Die Jakobsbücher", Kampa
  • Michel Houellebecq, "Serotonin", DuMont
  • Raphaela Edelbauer, "Das flüssige Land", Klett-Cotta
  • Tonio Schachinger, "Nicht wie ihr", Kremayr & Scheriau
  • Angela Lehner, "Vater unser", Hanser Berlin
  • Friederike Manner, "Die dunklen Jahre", Hg. v. Evelyne Polt-Heinzl, Edition Atelier
  • Elisabeth R. Hager, "Fünf Tage im Mai", Klett-Cotta
  • Dror Mishani, "Drei", Diogenes
  • Christine Nöstlinger, "Ned, dasi ned gean do warat", Residenz
  • Thomas Stangl, "Die Geschichte des Körpers", Droschl
  • Xaver Bayer, "Wildpark", Edition Korrespondenzen
  • Norbert Gstrein, "Als ich jung war", Hanser
  • Miljenko Jergovic, "Ruth Tannenbaum", Schöffling & Co
  • Tom McCarthy, "Schreibmaschinen, Bomben, Quallen", Diaphanes
  • Margit Scheiner, "Sind Sie eigentlich fit genug", Schöffling & Co
  • Virginia Woolf, "Ein Zimmer für sich allein", neu aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Antje Rávik Strubel, Kampa
  • Laura Freudenthaler, "Geistergeschichte", Droschl
  • Martin Baltscheit, Theresa Hattinger, "Am Anfang war das Ding", Luftschacht
  • Peter Handke, "Das zweite Schwert - Eine Maigeschichte", Suhrkamp

Gestaltung

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