Sechs Monate nach der Katastrophe
Das Leben mit dem Giftschlamm
Vor sechs Monaten ist in Kolontar in Ungarn ein Damm der dortigen Aluminiumfabrik gebrochen. Bilanz: Zehn Todesopfer und unzählige Verletzte durch den ätzenden roten Schlamm. 700.000 Kubikmeter giftiger Rotschlamm sind in Form einer Lawine über die Ortschaften Kolontar und Devecer geschwappt. Vor allem Kolontar ist ein ausgestorbener Ort.
8. April 2017, 21:58
Reportage aus Kolontar
Mittagsjournal, 05.04.2011
Fabrik weiter in Betrieb
Knapp unter dem mittlerweile verstärkten und abgesicherten Damm müssen die meisten Häuser aufgegeben werden. Den Bewohnern fällt der Abschied schwer. 260 Häuser sind bereits aufgegeben worden. Die Regierung lässt in Kolontar etwas abseits 21 Häuser neu bauen. Im nächsten Ort, Devecer, sind es 87 Häuser. Dort haben sich mehr Familien entschieden, zu bleiben, weil viele von ihnen nach wie vor in der Aluminiumfabrik arbeiten. Die Fabrik ist immer noch in Betrieb, darf jetzt aber keinen Rotschlamm mehr ansammeln. Die Produktion ist umgestellt worden. Das Abfallprodukt ist jetzt ein trockenes Pulver.
Gesundheitliche Schäden
Noch bis Ende Juni müssen die Menschen in Notquartieren aushalten. So lange dauert es, bis ihre neuen Häuser fertig sind. Und bis dahin soll auch das Erdreich vom Rotschlamm befreit werden. Gebaggert wird hier ständig, LKW-Fahrer bringen die Massen weg. Einer von ihnen klagt über gesundheitliche Probleme, über Beschwerden in Hals und Augen.
